DLSS 5 bringt KCD2 näher an die künstlerische Originalvision

NVIDIAs DLSS 5 sorgt in der Gaming-Community für hitzige Diskussionen. Während Spieler die KI-generierten, oft verfremdeten Charakterdarstellungen in beliebten Titeln wie Skyrim, Halo 2 oder The Last of Us kritisch beäugen und teils ins Lächerliche ziehen, zeigt sich ein renommierter Entwickler von einer ganz anderen Seite der Technologie überzeugt. Daniel Vavra, Creative Director und Chef von Warhorse Studios, sieht in dem umstrittenen KI-Upscaler eine Chance, die künstlerische Vision seines Teams für Kingdom Come: Deliverance 2 endlich vollständig umzusetzen – und das auf der Hardware der Spieler.

Warum ein Entwickler DLSS 5 als Befreiung bezeichnet

Die öffentliche Wahrnehmung von DLSS 5 ist derzeit stark von Bildern geprägt, die mit maximalen KI-Parametern erstellt wurden. Das Ergebnis sind oft grelle, überzeichnete oder gar grotesk wirkende Gesichter, die weit vom Original entfernt sind. Vavra hingegen präsentierte auf X (ehemals Twitter) eigene Aufnahmen aus KCD2, die eine deutlich zurückhaltendere und atmosphärisch dichtere Wirkung zeigen. Für ihn ist DLSS 5 kein Gimmick, sondern ein essenzielles Werkzeug, um eine seit Jahren bestehende Diskrepanz zwischen Entwicklerwerkzeug und Endprodukt zu schließen.

Das Kernproblem, das Vavra beschreibt, ist ein alltägliches in der Spieleentwicklung: Die hochauflösenden Modelle und Texturen, die Künstler auf ihren leistungsstarken Workstations sehen, unterscheiden sich oft massiv von dem, was der Spieler auf seinem Monitor zu sehen bekommt. Grund dafür sind die Engine-Limitationen bei der Echtzeit-Beleuchtung und Schattenberechnung. Mit DLSS 5, so Vavra, verschwimmt diese Grenze. Die KI berechnet fehlende Details und Lichtinformationen in Echtzeit und erzeugt so ein Bild, das dem ursprünglichen Render-Entwurf im Entwicklerstudio deutlich näherkommt.

Die eklatante Lücke zwischen Design und Realität

Vavra räumt ein, dass er selbst häufig die Arbeit seiner Charakterkünstler kritisierte, wenn Gesichter im Spiel flach oder detailarm wirkten. „Sie zeigten mir dann, dass es auf ihren Computern einwandfrei aussah und dass das Problem in der Spielbeleuchtung lag“, erklärt der Entwickler. Genau hier setze DLSS 5 an. Die KI generiere keine Fantasiegesichter, sondern rekonstruiere die eigentlich vorhandenen Daten präziser. „Jetzt sieht es auch im Spiel richtig aus. So sollten diese Gesichter aussehen. Die KI erfindet nichts dazu.“

Schatten, die das Spiel verändern: Technische Meisterleistung

Neben der Charakterdarstellung hebt Vavra einen weiteren, für die Immersion entscheidenden Bereich hervor: die Schattenberechnung. In KCD2, einem Spiel, das für seinen Detailreichtum und historischen Realismus bekannt ist, kämpften die Entwickler mit einem fundamentalen Problem. „Sie haben keine Vorstellung, wie sehr mich das genervt hat“, gesteht Vavra. „Wir konnten keine Schatten von Hüten, Kapuzen oder Helmen auf den Köpfen der Charaktere darstellen. Keine Schatten von Schnallen, Schnürsenkeln oder Taschen. DLSS 5 erledigt das, und zwar absolut brillant.“

Diese Fähigkeit, winzige Details wie Ledergürtel oder Filzhüte mit korrekten, dynamischen Schatten zu versehen, verleiht den Charakteren eine beispiellose physische Präsenz. Es sind genau diese Nuancen, die ein Spiel von einer guten zu einer herausragenden grafischen Darbietung heben und die künstlerische Originalvision – in diesem Fall ein möglichst authentisches mittelalterliches Böhmen – perfekt einfangen.

Der Preis der Perfektion: Halbe Bildrate

Trotz aller Euphorie bleibt Vavra realistisch und nennt den offensichtlichen Kompromiss: „Das ‚kleine‘ Problem ist, dass es die Bildrate halbiert.“ DLSS 5 ist rechenintensiv. Die detaillierte Schattenberechnung und das Upscaling der Beleuchtungsinformationen gehen mit massiven Leistungseinbußen einher. Dies stellt hohe Anforderungen an die Hardware und bedeutet, dass Spieler mit High-End-Grafikkarten der aktuellen Generation rechnen müssen, um flüssige Bildraten zu erzielen. Für Besitzer von Mittelklasse-Karten könnte die Nutzung der Technologie in dieser Form aktuell eine zu große Opfer bedeuten.

Zwei neue Projekte bei Warhorse

Während KCD2 von den visuellen Möglichkeiten profitiert, blickt Warhorse Studios bereits in die Zukunft. Das Studio arbeitet nach eigenen Angaben an zwei neuen Projekten. Eines davon ist ein mit Spannung erwartetes Rollenspiel im Universum von Der Herr der Ringe. Das zweite Projekt soll erneut im Universum von Kingdom Come angesiedelt sein. Es bleibt abzuwarten, ob und wie DLSS 5 in diesen Titeln zum Einsatz kommen wird. Die positive Erfahrung mit der Technologie lässt jedoch vermuten, dass Warhorse die KI-Upscaling-Technik auch in zukünftigen Titeln als festen Bestandteil der Pipeline sehen wird – sofern die Performance-Probleme in den Griff zu bekommen sind.

Fragen und Antworten zu DLSS 5 in KCD2

Welchen Kompromiss nennt Vavra bei der Nutzung von DLSS 5 in KCD2? Der offensichtlichste Nachteil ist die drastische Reduzierung der Bildrate. Vavra selbst spricht von einer Halbierung der FPS, was die Technologie aktuell vor allem für Besitzer extrem leistungsstarker Grafikkarten interessant macht.

Zeigte Warhorse eigene Beispiele, die sich von den umstrittenen DLSS-5-Bildern im Netz unterscheiden? Ja. Während im Internet oft Bilder mit maximalen KI-Einstellungen kursieren, die zu überzeichneten Gesichtern führen, veröffentlichte Vavra Aufnahmen aus KCD2. Diese zeigen eine deutlich subtilere und realistischere Verbesserung, insbesondere bei der Schattenwiedergabe und der Plastizität von Gesichtern.

Verwendet Warhorse DLSS 5 eher für fotorealistische oder für stilistische Veränderungen? Basierend auf Vavras Aussagen dient DLSS 5 primär der Verbesserung des fotorealistischen Charakterbeleuchtungsmodells. Es geht nicht um einen neuen Kunststil, sondern darum, die von den Künstlern beabsichtigte Optik durch präzisere Schatten und Beleuchtung auch auf Consumer-Hardware abzubilden. Die KI soll die Lücke zwischen Entwicklungsrechner und Spiel schließen.

An welchen weiteren Projekten arbeitet Warhorse Studios neben KCD2? Das Studio hat zwei neue Projekte in Arbeit: Ein mit Spannung erwartetes Rollenspiel im Der Herr der Ringe-Universum sowie ein weiteres, noch nicht näher spezifiziertes Projekt, das im Universum von Kingdom Come angesiedelt ist.

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