Ein interner, als unfertig gekennzeichneter Trailer zu Marvel’s Iron Man, dem bei EA Motive in Entwicklung befindlichen Actionspiel, ist im Internet aufgetaucht. Das rund zweiminütige Video, das auf der Plattform ResetEra kursiert und dessen Entstehungsdatum auf August dieses Jahres datiert, zeigt eine frühe Version des Titels mit provisorischen Assets. Die Schnittführung und Inszenierung lassen darauf schließen, dass es sich um einen Entwurf eines offiziellen Trailers oder um eine Präsentation für interne Zwecke handelt. Auffällig sind humoristische Elemente wie die Nennung des Hulks als „World Director“ – eine Anspielung auf agile Arbeitsmethoden, die in dieser Form wohl kaum den Weg in die finale Version finden wird.
Ein erster Blick auf die Spielwelt und Charaktere
Der geleakte Trailer gewährt Einblicke in verschiedene Schauplätze, die Iron Man bereisen wird. Zu sehen sind unter anderem New York, ein Ausschnitt aus dem historischen Japan mit dichten Bambuswäldern sowie das überfüllte Deck eines S.H.I.E.L.D.-Helikarriers, auf dem zahlreiche Gegner auf ihre energetische Neutralisierung warten. Ein Hinweisschild verrät zudem „Chicago“ als weiteren Ort der Handlung. Neben diesen Umgebungen zeigt das Video verschiedene Zwischensequenzen. Darunter befindet sich die aus den Marvel-Filmen bekannte, ikonische Nahaufnahme eines Helm-HUDs, das über Tony Starks Gesicht projiziert wird. Auch Charaktermodelle von Pepper Potts und Colonel Rhodes, dem Piloten der War-Machine-Rüstung, sind zu erkennen. Die Darstellung der Figuren wirkt aufgrund des Work-in-Progress-Status jedoch noch roh und unfertig.
Spielmechanik zwischen Himmel und Erde
Was das Gameplay betrifft, erinnert der Titel stark an die Marvel’s Spider-Man-Spiele. Die Kombination aus dynamischer Luftakrobatik und Nahkampf steht im Vordergrund, wobei Iron Man naturgemäß einen deutlich stärkeren Fokus auf Distanzkämpfe legt. Der Trailer zeigt die typischen Omnipalm-Repulsoren, die sowohl zum Schweben, für Energiestöße als auch für kraftvolle Schläge genutzt werden. Hinzu kommen lenkbare Raketen und Hypergeschwindigkeitsgeschosse. Die Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, jederzeit zwischen Flug- und Bodenkampf zu wechseln, scheinen das zentrale Spielelement zu sein. Die offene Frage ist, wie tief das System der Rüstungs-Anpassungen und Upgrade-Möglichkeiten reichen wird – ein Kernmerkmal der Iron-Man-Lore in Comics und Filmen.
Der schwierige Weg des Projekts
EA hatte das neue Iron-Man-Spiel bereits im Jahr 2022 offiziell angekündigt. Es war Teil einer damals geplanten Welle von Marvel-Adaptionen des Publishers. Seitdem hat sich die Lage für den Konzern jedoch grundlegend verändert. Ein parallel in Entwicklung befindliches Black-Panther-Spiel wurde eingestellt. Noch schwerwiegender: Der gesamte Konzern wurde von einem saudi-geführten Konsortium übernommen, an dem auch der ehemalige US-Regierungsberater Jared Kushner beteiligt ist. Diese Übernahme bringt enorme finanzielle Belastungen mit sich – EA steht nun vor der Aufgabe, ein Schuldenvolumen von 18 Milliarden US-Dollar zu bedienen. Angesichts dieser angespannten wirtschaftlichen Lage stellt sich die Frage nach der Zukunft des Projekts.
Ein Projekt unter wirtschaftlichem Druck
Die lange Phase der Funkstille seit der ursprünglichen Ankündigung des Iron-Man-Spiels nährt Spekulationen über mögliche Verzögerungen oder gar eine Einstellung. Die nun aufgetauchten Szenen belegen zwar, dass die Entwicklung voranschreitet, ob das Spiel jedoch die benötigte Priorität innerhalb des umstrukturierten Publisher-Portfolios genießt, ist ungewiss. Sollte das Projekt eingestellt werden, wäre es nicht das erste unvollendete Iron-Man-Spiel – bereits der Entwickler Avalanche hatte vor Jahren einen Ableger begonnen, der nie das Licht der Welt erblickte und von dem kürzlich ebenfalls geleaktes Filmmaterial die Runde machte.
Analyse: Was bedeutet das für die Marvel-Spiele von EA?
Die Kombination aus dem kreativen Potenzial des Markenrechtsinhabers und den wirtschaftlichen Realitäten des neuen Eigentümers schafft ein Spannungsfeld. Einerseits sind Spiele zu Marvels erstem Avenger ein sicheres Asset mit riesigem Fan-Potenzial. Andererseits müssen sich alle Projekte jetzt an der harten Bilanz messen lassen. Ein zu riskantes, unfertiges Spiel wird man sich kaum leisten wollen. Die nun veröffentlichten Szenen wirken vielversprechend, aber sie zeigen auch, wie viel Arbeit noch vor dem Team liegt. Der geleakte Trailer ist daher ein Zeichen dafür, dass das Projekt lebt – aber auch ein Menetekel dafür, wie viel Druck auf dem gesamten Entwicklungsprozess lastet. Die nächsten Monate werden zeigen, ob EA Motive den Stahlanzug zum Fliegen bringt oder ob er in der Werkstatt zurückbleibt.