Rockstar Games hat mit der ersten gameplay-Enthüllung von Grand Theft Auto 6 einen Meilenstein gesetzt, doch die technischen Rahmenbedingungen sorgen bereits vor dem Release für Diskussionen. Der Publisher hat bestätigt, dass der Titel auf den aktuellen Konsolen mit 30 Bildern pro Sekunde (FPS) laufen wird – eine Nachricht, die bei vielen Spielern für Unmut sorgt. Die Hoffnung, dass die kommende PlayStation 5 Pro hier Abhilfe schaffen könnte, erweist sich jedoch als trügerisch, denn der Flaschenhals liegt an einer ganz anderen Stelle.
Die Analyse renommierter Technikexperten von Digital Foundry zeigt klar auf, warum eine Verdopplung der Bildrate auf 60 FPS selbst mit der PS5 Pro unrealistisch ist. Das Problem ist nicht die Grafikleistung, sondern die CPU. Grand Theft Auto 6 treibt die offene Spielwelt auf ein neues Niveau, mit einer immensen Anzahl gleichzeitig simulierter Prozesse: Hunderte NPCs mit eigener KI, dynamische Physikberechnungen, komplexe Verkehrssysteme und die detaillierte Interaktion von Objekten. Diese rechenintensive Simulation lastet primär auf der Prozessorarchitektur der Konsole.
Warum die CPU zum limitierenden Faktor für GTA 6 wird
Während die PS5 Pro im Grafikbereich durch einen leistungsstärkeren Chip und schnellere Speicheranbindung glänzt, fällt das CPU-Upgrade deutlich bescheidener aus. Die Prozessorleistung der Pro-Version liegt nur rund sieben Prozent über der der Standard-PS5. In der Praxis bedeutet dies, dass sich die Bildrate in CPU-lastigen Szenarien ebenfalls nur um etwa sieben Prozent erhöht. Von den benötigten 60 FPS ist das meilenweit entfernt, da dies eine Verdopplung der aktuell anvisierten 30 FPS erfordern würde.
Rockstar Games hat GTA 6 von Grund auf für eine 30-FPS-Erfahrung konzipiert. Diese Entscheidung erlaubt es den Entwicklern, die Simulationsdichte und Interaktionstiefe der Spielwelt zu maximieren, ohne Kompromisse bei der CPU-Auslastung eingehen zu müssen. Ein 60-FPS-Modus würde eine drastische Reduzierung der simulierten Entitäten oder eine Vereinfachung der KI-Systeme erzwingen – ein Schritt, der der Vision eines lebendigen, reaktionsfähigen Open-World-Erlebnisses zuwiderlaufen würde.
Die sinnvollere Aufgabe für die GPU-Leistung der PS5 Pro
Da eine höhere Bildrate durch die CPU-Begrenzung nicht erreichbar ist, stellt sich die Frage nach der optimalen Nutzung der zusätzlichen Grafikleistung der PS5 Pro. Hier sind sich die Technikexperten einig: Die Ressourcen sollten in die Bildqualität investiert werden. Die gezeigten Gameplay-Szenen von GTA 6 offenbaren deutliches Bildrauschen und Flimmern, insbesondere an feinen Strukturen wie Kanten von Gebäuden, Vegetation und Haaren. Diese visuellen Artefakte, bekannt als „Shimmering“, sind typisch für die hochskalierte Darstellung komplexer Szenen. Die PS5 Pro könnte diese Probleme durch verbesserte Anti-Aliasing-Techniken und die hauseigene PSSR-Technologie (PlayStation Spectral Super Resolution) gezielt adressieren.
Ein weiteres Feld ist das Raytracing. Die offizielle Vorschau zeigte fortschrittliche Spiegelungen und Beleuchtungseffekte, die jedoch teilweise in niedriger Auflösung berechnet wurden und Rauschen aufwiesen. Die zusätzliche GPU-Power der PS5 Pro könnte genutzt werden, um Raytracing-Effekte in einer höheren Auflösung darzustellen und das Bild insgesamt zu glätten und zu schärfen. Dies würde zu einer deutlich stabileren und hochwertigeren Optik führen, als es ein halbherziger 40-FPS-Modus könnte.
Was bedeutet das für die Spieler?
Für die Spieler bedeutet dies, dass sie auf absehbare Zeit mit 30 FPS auf der Konsole leben müssen, selbst auf der PS5 Pro. Dies ist kein Zeichen von technischer Unfähigkeit, sondern eine bewusste Entscheidung für eine maximal immersive und simulierte Spielwelt. Die Frage ist nun, ob Rockstar den Besitzern der Pro-Konsole einen Modus mit verbesserter Grafikqualität, stabilerem Bild und optimiertem Raytracing bieten wird. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Entwickler diesen Weg einschlagen, anstatt die CPU ineffizient für eine marginale FPS-Steigerung zu belasten.
Häufig gestellte Fragen zu GTA 6 und der Framerate auf der PS5 Pro
Kann die PS5 Pro GTA 6 mit 60 FPS darstellen?
Nein, nach aktuellen Analysen und Aussagen von Rockstar wird Grand Theft Auto 6 auf der PS5 Pro keine 60 FPS erreichen. Die CPU der Pro-Version bietet nur eine Steigerung von etwa sieben Prozent, was für eine Verdopplung der Bildrate bei weitem nicht ausreicht.
Welcher Teil der Konsole ist für die 30-FPS-Begrenzung verantwortlich?
Der Hauptverantwortliche ist die CPU. Grand Theft Auto 6 betreibt eine extrem komplexe Simulation der offenen Welt mit Hunderten von NPCs, Fahrzeugen und physikalischen Interaktionen. Diese Berechnungen lasten fast ausschließlich auf dem Prozessor, nicht auf der Grafikkarte.
Wofür sollte die zusätzliche Leistung der PS5 Pro stattdessen genutzt werden?
Technikexperten schlagen vor, die zusätzliche GPU-Leistung für eine Verbesserung der Bildqualität zu verwenden. Dazu gehören eine höhere Auflösung, bessere Raytracing-Effekte und vor allem die Reduzierung von Bildrauschen und Flimmern (Shimmering) durch Techniken wie PSSR.
Die Zukunft von Grand Theft Auto 6 bleibt technisch äußerst ambitioniert. Die Entscheidung, auf stabile 30 FPS mit maximaler Simulationstiefe zu setzen, unterstreicht den Anspruch von Rockstar, eine neue Generation von Open-World-Spielen zu definieren. Der Fokus sollte daher nicht auf der Jagd nach einer unerreichbaren Bildrate liegen, sondern auf der Frage, wie die PS5 Pro das bereits beeindruckende visuelle Erlebnis noch weiter verfeinern kann. Die Diskussion um die Framerate zeigt letztlich, wie sehr die CPU-Leistung zur neuen Währung in der Spieleentwicklung geworden ist.