Seit der offiziellen Ankündigung von Grand Theft Auto 6 durch Take-Two Interactive sind mittlerweile fast drei Jahre vergangen. In dieser Zeit kursierten unzählige angebliche Leaks zum Preis des mit Spannung erwarteten Titels. Immer wieder schürte dies die Sorge, Rockstar könnte für sein Open-World-Epos tatsächlich bis zu 100 US-Dollar verlangen und damit die neue 80-Dollar-Schwelle, die Titel wie Mario Kart World oder Microsofts gescheiterter Vorstoß mit The Outer Worlds 2 etablieren wollten, noch deutlich übertreffen. An diesem Wochenende erhalten die Spekulationen neuen Aufwind: Einem Bericht zufolge soll der Xbox-Chat einem Kunden gegenüber bestätigt haben, dass GTA 6 im Microsoft Store zum regulären Preis von 69,99 US-Dollar erhältlich sein wird. Doch dieser angebliche Beleg ist alles andere als eine offizielle Bestätigung – und die Quelle alles andere als seriös.
Der Xbox-Chat ist ein KI-gestützter virtueller Assistent. Wie bei vielen dieser Systeme sind Fehlinformationen und Halluzinationen an der Tagesordnung. Das gilt insbesondere für Informationen, die bislang keinen offiziellen, öffentlichen Bestätigungsprozess durchlaufen haben. Selbst CEO Strauss Zelnick hat sich in Interviews bislang maximal so weit aus dem Fenster gelehnt, dass der Preis definitiv nicht bei 100 Dollar liegen werde – womit wir uns aber bereits im Bereich der Interpretation und Spekulation bewegen. Sollte der angebliche Screenshot aus dem Xbox-Chat tatsächlich echt sein, was wir im Folgenden kritisch einordnen, dann hat der Chatbot aller Wahrscheinlichkeit nach lediglich den aktuell üblichen Standardpreis für AAA-Titel ausgespuckt. Ein Leak ist das ganz sicher nicht.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Web-basierte Nachrichtenverläufe, wie sie der Xbox-Chat generiert, lassen sich mit einfachen Bordmitteln wie der Inspect-Funktion des Browsers leicht manipulieren. Screenshots solcher Chats sollten daher grundsätzlich mit größter Vorsicht genossen werden, es sei denn, sie stammen aus einer nachweislich seriösen Quelle. Aufgrund der fehleranfälligen Natur von KI-Assistenten ist es jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass sich eine seriöse Redaktion oder ein offizieller Sprecher auf einen solchen Chat als Beleg berufen würde. Ich habe den Chatbot selbst getestet und ihn wiederholt nach dem Preis von GTA 6 gefragt. Die Antwort war stets dieselbe: „Es tut mir leid, aber ich habe keine Informationen zur Preisgestaltung von Grand Theft Auto 6.“
Der Sommer wird Klarheit bringen – voraussichtlich
Zelnick hat erst in dieser Woche erneut bekräftigt, dass GTA 6 planmäßig am 19. November 2025 erscheinen soll. Der Marketing-Trubel werde im Sommer anlaufen. Es ist daher davon auszugehen, dass der Preis des Spiels in den kommenden Wochen oder Monaten offiziell bekannt gegeben wird. Ob Rockstar und Take-Two beim bewährten 69,99-Dollar-Standard bleiben, der sich mit dem Launch von PS5 und Xbox Series X/S als neue Norm für Triple-A-Titel etabliert hat, oder ob sie auf die 80-Dollar-Schiene springen – wie es Mario Kart World vorgemacht hat und wie es für The Outer Worlds 2 kurzzeitig angedacht war –, ist derzeit vollkommen offen. Beide Szenarien sind denkbar, beide Szenarien sind Spekulation.
Was bleibt, ist eine klare redaktionelle Einordnung: Nehmen Sie dieses Gerücht nicht für bare Münze. Der Gedanke, dass der Xbox-Chat versehentlich streng vertrauliche Informationen aus den hinteren Fenstern von Microsoft preisgegeben haben könnte, mag verlockend sein. Er ist aber im höchsten Maße unrealistisch. Selbst wenn der Screenshot authentisch sein sollte, handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einen typischen KI-Patzer. Wer in den letzten ein bis zwei Jahren selbst mit solchen Assistenzsystemen gearbeitet oder auch nur eine einfache Google-Suche durchgeführt hat, kennt dieses Phänomen zur Genüge.
Der einzige verlässliche Weg, den tatsächlichen Preis von GTA 6 zu erfahren, führt über die offiziellen Kanäle von Rockstar Games und Take-Two Interactive. Bis dahin bleiben alle angeblichen Lecks und Chat-Screenshots genau das: wohlfeile Spekulationen ohne belastbare Grundlage. Die Vorfreude auf den November ist berechtigt – die Ungeduld beim Preis sollten wir uns jedoch nicht von KI-Halluzinationen verderben lassen.