Modder haben der sechs Jahre alten Einsteiger-Grafikkarte GTX 1650 von NVIDIA ein zweites Leben eingehaucht: Durch den Austausch der Speichermodule gegen 2-GB-GDDR6-Chips verdoppeln sie den Videospeicher von vier auf acht Gigabyte. In ersten Benchmarks und Spieltests steigt die Leistung in einigen Szenarien drastisch – in God of War und Unigine Superposition regelrecht auf das Doppelte.
Wie der Arbeitsspeicher-Tausch bei der GTX 1650 gelingt
Der YouTubea-Kanal Paulo Gomes dokumentierte das Vorgehen detailliert. Die Modder lösten die ursprünglichen 1-GB-GDDR6-Module der GTX 1650 von der Platine und löteten stattdessen Samsung-HC16-Chips mit je 2 GB Kapazität auf. Insgesamt bestückten sie die Karte so mit acht statt vier Gigabyte VRAM. Bemerkenswert: Für den Umbau waren keine zusätzlichen Firmware-Modifikationen nötig. Ein erster Bootversuch schlug fehl, weil zwei der neu eingesetzten HC16-Module defekt waren. Nach dem Austausch dieser fehlerhaften Chips gegen funktionierende Exemplare startete die Karte problemlos.
Warum nur eine bestimmte Variante der GTX 1650 geeignet ist
Die Umrüstung funktioniert nicht mit jeder GTX 1650. Die Modder weisen ausdrücklich darauf hin, dass ausschließlich die TU106-Version der Karte mit GDDR6-Speicher für das Upgrade infrage kommt. NVIDIA hat im Laufe der Jahre insgesamt vier verschiedene GTX-1650-Varianten auf den Markt gebracht (die GTX 1650 Super nicht mitgezählt): Modelle mit den Dies TU117, TU116 und TU106, jeweils kombiniert mit GDDR5 oder GDDR6. Die TU106-Ausführung entstand als eine der späteren Revisionen, mit denen NVIDIA defekte TU106-Siliziumchips weiterverwerten konnte. Der TU106-Die gehört zu den am weitesten verbreiteten Turing-Chips überhaupt; er kommt in nahezu allen Mittelklasse-Modellen der RTX-20-Serie zum Einsatz, etwa der RTX 2060, RTX 2060 Super und RTX 2070.
Warum ausgerechnet nur diese Version den Speicherausbau verträgt, erläuterten die Modder nicht abschließend. Die wahrscheinlichste Erklärung sind Unterschiede im Speichercontroller oder firmwareseitige Beschränkungen der anderen GTX-1650-Varianten.
Massive Leistungssprünge in Benchmarks und Spielen
Die Performancegewinne durch den verdoppelten VRAM sind in speicherintensiven Szenarien enorm. Im Benchmark Unigine Superposition, getestet im besonders anspruchsvollen 8K-optimierten Modus, verdoppelte sich die Punktzahl von 624 auf 1245 Punkte.
Ähnlich eindrucksvoll fiel das Ergebnis in God of War aus. Bei einer Auflösung von 2560×1080 und mit ultra Grafikeinstellungen sprang die Bildrate von mageren zehn Bildern pro Sekunde auf immerhin 20 FPS – auch hier eine Verdopplung. Mit den sogenannten „original“-Einstellungen blieb die Framerate sowohl mit vier als auch mit acht Gigabyte VRAM bei rund 40 FPS, allerdings verbesserten sich die Frame Times auf der 8-GB-Konfiguration spürbar. Das bedeutet flüssigeres, gleichmäßigeres Gameplay auch dann, wenn die durchschnittliche Bildrate nicht steigt.
Die Ergebnisse belegen, dass die GTX 1650 durchaus von acht Gigabyte Videospeicher profitieren kann – und dass der Engpass bei vielen aktuellen Titeln weniger in der Rechenleistung des GPU-Kerns als vielmehr in der knappen Speichermenge liegt.
Einzige Einschränkung: Ruckeln im Leerlauf
Als einzigen technischen Nachteil des Umbaus berichten die Modder von gelegentlichem Ruckeln, wenn die Grafikkarte im IDLE-Zustand läuft, also keine anspruchsvollen 3D-Anwendungen ausführt. Inwieweit sich dieses Problem durch Treiberanpassungen oder weitere Modifikationen beheben lässt, ist derzeit noch offen.
Marktkontext: Eine sieben Jahre alte Karte mit überraschender Popularität
Die GTX 1650 erschien vor sieben Jahren und galt bereits zum Launch als eher enttäuschend – die Konkurrenz von AMDs RX 570 sowie NVIDIAs eigene GTX 1660 boten damals deutlich mehr Leistung für einen ähnlichen Preis. Dennoch ist die GTX 1650 im Jahr 2026 nach wie vor eine der meistgenutzten Grafikkarten weltweit. Im Steam Hardware Survey belegt sie aktuell den sechsten Platz. Das macht den 8-GB-Umbau zu einer interessanten Option für alle, die ihre ältere Karte noch eine Weile weiternutzen möchten, ohne gleich auf eine komplett neue GPU umsteigen zu müssen.
Der Mod zeigt in erster Linie, wie sehr der Videospeicher bei modernen Spielen zum limitierenden Faktor geworden ist. Selbst eine vergleichsweise schwache GPU wie die GTX 1650 kann in manchen Titeln deutlich zulegen, sobald der VRAM-Engpass beseitigt ist. Ob sich der Lötaufwand für den Durchschnittsspieler lohnt, bleibt fraglich – als Machbarkeitsnachweis ist das Projekt jedoch beeindruckend und gibt einen Vorgeschmack darauf, wie lange sich ältere Hardware mit gezielten Modifikationen noch nutzen lässt.