Papierflugzeuge, die auf die Bühne fliegen, Menschen in Bananenkostüm, die Redner bedrängen, und Forscher, die an ein gemeinsames Seil gefesselt auf ihre Plätze geführt werden – was wie eine wilde Mischung aus Karneval und Gerichtsprozess klingt, ist die alljährliche Verleihung der Ig Nobelpreise. Das Wortspiel aus „ignoble“ (unedel) zeichnet „unglaubwürdige Wissenschaft“ aus, die zunächst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen soll.
Ig Nobelpreise: Eine Bühne für skurrile Wissenschaft
Marc Abrahams erfand die Auszeichnung 1991 und vergibt sie seither in zehn wissenschaftlichen Fachrichtungen. Der diesjährige Award besteht aus einem Plastikfuß, aus dessen Zehen und Knöchel Pilze sprießen, thronend auf einem Stück nachgeahmtem Blauschimmelkäse – das Motto lautete „Pilze“. Erstmals fand die Verleihung nicht im amerikanischen Boston am Massachusetts Institute of Technology statt, sondern in Zürich, Schweiz. Grund für den Ortswechsel waren die unsicheren Einreisebedingungen für Preisträger in die USA im Vorjahr; 2025 reisten nur vier der zehn Ausgezeichneten nach Boston.
Der Abend in Zürich begann traditionell mit dem Wurf von Papierflugzeugen auf die Bühne. Abrahams stellte Simultandolmetscher vor, die die Veranstaltung gleichzeitig in Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Business-Jargon übersetzten – und das ernsthaft taten. Eine Künstlerin hielt die Vorträge der Preisträger auf einer Tafel fest, stets mit einem Augenzwinkern. Den Geehrten standen genau 60 Sekunden für ihre Dankesrede zur Verfügung. Näherte sich die Zeit dem Ende, näherten sich drei Personen in Bananenkostümen der Bühne, um die Sprecher so zu irritieren, dass sie verstummten. Dennoch haben viele der ausgezeichneten Studien einen praktischen Nutzen – wie etwa die Physik hinter der perfekten Nudelsoße, die im Vorjahr prämiert wurde.
Kurioses aus der Forschung: Kakerlakenmilch und spritzfreie Urinale
Den Chemie-Ig-Nobelpreis erhielt Leonard Chavas von der Nagoya University in Japan. Sein Team untersuchte die Kakerlakenart Diploptera punctata, die ihre lebend geborenen Jungen mit Milch versorgt. Die Analyse ergab, dass diese Kakerlakenmilch dreimal energiereicher ist als Kuhmilch. Bei der Preisverleihung trugen die Forscher Mützen mit Plüsch-Kakerlaken und T-Shirts mit der Aufschrift „Die Kakerlake ist mein Krafttier“ und trugen ihre Ergebnisse als Song vor.
Der Wirtschaftspreis ging an Paul Piff von der University of California. Bereits 2012 zeigte seine Studie, dass reichere Probanden tendenziell eher einem Kind eine Süßigkeit wegschnappen als Personen mit geringeren Ressourcen. In seiner Dankesrede aß Piff Schokokugeln aus dem Dino-Behälter seines dreijährigen Kindes und kommentierte ironisch, die globale Elite zeige stets, wie reproduzierbar seine Ergebnisse seien, bevor er von den Bananen-Menschen von der Bühne gedrängt wurde.
Mit dem Physikpreis wurde Zhao Pan und sein Team ausgezeichnet. Sie entwickelten ein Urinal, das Spritzer vermeidet, indem der Aufprallwinkel des Urinstrahls optimiert wurde. Das siegreiche Design trägt den Namen Nautilus: schmal, säulenartig mit tief liegendem Becken. Die Forscher erschienen in gelben Friesennerzen auf der Bühne.
Die diesjährige Zeremonie in Zürich markiert einen Wendepunkt für den Ig Nobelpreis. Die Kombination aus wissenschaftlichem Tiefgang und absurder Inszenierung macht die Veranstaltung einzigartig. Die ausgezeichneten Studien – ob Kakerlakenmilch oder spritzfreie Urinale – zeigen, dass scheinbar absurde Forschung oft einen ernsten Kern und praktische Anwendungen hat. Es bleibt abzuwarten, welche skurrilen Erkenntnisse die Jury im nächsten Jahr ehren wird. Sicher ist: Der Ig Nobelpreis wird auch 2027 wieder für Lacher und Denkanstöße sorgen.