Die Lünendonk-Liste 2026 dokumentiert, wie die konjunkturelle Abkühlung den deutschen Sicherheitsdienstleistungsmarkt erfasst hat. Die 25 umsatzstärksten Anbieter steigerten ihre Erlöse 2025 im Schnitt um 4,6 Prozent – deutlich weniger als die 7,5 Prozent im Vorjahr. Das Wachstum liegt unter den Erwartungen, doch die Branche zeigt sich angesichts der bevorstehenden KRITIS-Regulierung zuversichtlich.
Die Top 10 der Sicherheitsdienstleister
Securitas Deutschland, die Tochter des schwedischen Konzerns, führt die Liste mit einem Sicherheitsumsatz von rund 1,24 Milliarden Euro an. Das Plus von 2,4 Prozent unterstreicht die Dominanz des einzigen Milliardenunternehmens im Markt, das damit neun Prozent des Gesamtmarktes repräsentiert. Auf Rang zwei folgt die Kötter Unternehmensgruppe aus Essen, die ein Wachstum von 8,6 Prozent auf 659 Millionen Euro erzielte. Die Kieler Wach- und Sicherheitsgesellschaft belegt mit geschätzten 558,0 Millionen Euro und einem Plus von 7,5 Prozent den dritten Platz.
Die Niedersächsische Wach- und Schliessgesellschaft mit VSU kommt auf 410 Millionen Euro (plus 2,5 Prozent). Wisag überschritt mit 310,4 Millionen Euro in der Sicherheitssparte erstmals die 300-Millionen-Marke (plus 6 Prozent). Der Erlenseer Dienstleister Pond steht mit 292,2 Millionen Euro (plus 1,1 Prozent) kurz vor diesem Schwellenwert. Klüh aus Düsseldorf erreichte 221,8 Millionen Euro (plus 7,1 Prozent), Piepenbrock 212,6 Millionen Euro (plus 6,2 Prozent). W.I.S. aus Köln verzeichnet als einziges Top-10-Unternehmen einen leichten Rückgang um 2,1 Prozent auf 153,1 Millionen Euro. Apleona schaffte mit einem Plus von 20,6 Prozent auf 145,9 Millionen Euro den Sprung unter die ersten zehn.
Platz 11 bis 25
Hinter den Top 10 zeigt sich ein gemischtes Bild. ICTS Germany verlor 1,9 Prozent auf 136,5 Millionen Euro (Rang 11). Stölting steigerte sich um 8,6 Prozent auf 135,0 Millionen Euro. Dussmann fiel infolge eines Minus von 1,6 Prozent auf 124,0 Millionen Euro zurück. Die Nürnberger Wach- und Schließgesellschaft hielt mit 118,6 Millionen Euro (plus 0,2 Prozent) Rang 14, gefolgt von Siba mit geschätzten 117,0 Millionen Euro (plus 1,7 Prozent).
Ab Platz 16 sind die Abstände gering. ESD verbesserte sich auf 87,5 Millionen Euro (plus 2,9 Prozent), All Service sprang mit einem Plus von 13 Prozent auf 87,0 Millionen Euro von Platz 21 auf 17. Das Bewachungsinstitut Eufinger legte 6,5 Prozent auf 86,8 Millionen Euro zu. Die Big-Bechtold-Gruppe verlor 4,1 Prozent auf 84,6 Millionen Euro, die Power-Gruppe 0,7 Prozent auf 82,5 Millionen Euro. City Schutz wuchs 2,3 Prozent auf 80,0 Millionen Euro. Secura Protect erzielte mit 24,2 Prozent Wachstum auf 78,4 Millionen Euro den größten Zuwachs innerhalb der Top 25. WeWatch (73,0 Millionen Euro, plus 7,4 Prozent), ISS (69,4 Millionen Euro, plus 2,4 Prozent) und Ardor (65,7 Millionen Euro, minus 6,5 Prozent) schließen die Liste ab.
Branche bleibt optimistisch
Sechs der 25 führenden Dienstleister verzeichneten 2025 Umsatzrückgänge. Dennoch erwarten die Unternehmen für die Jahre 2026 bis 2030 ein jährliches Wachstum zwischen 6,7 und 7,6 Prozent. Grundlage dieser Zuversicht ist die bevorstehende Umsetzung des KRITIS-Dachgesetzes, das den Kreis der betroffenen Unternehmen erweitert und höhere Anforderungen an Sicherheit und Resilienz stellt. Stefan Schubert, Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder, betont: „Technologiegestützte integrierte Sicherheitsstrategien werden zu einem wichtigen Baustein der Resilienzstrategie kritischer Infrastrukturen. Sicherheitsdienstleister übernehmen dabei die Rolle eines Partners für Beratung, Technologieintegration und operative Umsetzung.“
Die Lünendonk-Liste 2026 zeigt, dass die Sicherheitsbranche trotz konjunktureller Dämpfer strukturell wachsen wird. Die anziehende Regulierung rund um KRITIS und der Bedarf an integrierten Sicherheitslösungen dürften die Nachfrage in den kommenden Jahren spürbar beleben. Viele Dienstleister stellen sich bereits jetzt auf diesen Wandel ein und investieren in Technologie und Beratungskompetenz.