Der erste vorgebaute Gaming-PC mit SteamOS 3 ist da: MetaPCs bringt mit dem „Steamroller“ einen Rechner auf den Markt, der das Betriebssystem des Steam Deck direkt ab Werk nutzt. Das System richtet sich an eine spezifische Zielgruppe, die bisher kaum Bedienung fand – und könnte den Markt für Linux-basierte Gaming-Rechner nachhaltig verändern.
SteamOS 3 verlässt das Deck: MetaPCs wagt den Vorstoß
Mit dem Steamroller liefert MetaPCs einen fertig konfigurierten Mikro-ATX-Gaming-PC aus, der statt Windows oder einer anderen Linux-Distribution mit Valves SteamOS 3 arbeitet. Das Besondere daran: Bislang war SteamOS 3 – die Version, die auch im Steam Deck zum Einsatz kommt – vor allem für den Handheld optimiert und ließ sich nur mit manuellen Eingriffen auf anderen Systemen installieren. Valve hat die Nutzung für Dritthersteller geöffnet, und MetaPCs gehört nun zu den ersten, die diesen Schritt in die Serienproduktion umsetzen. Der Steamroller startet bei einem Preis von 1.299 US-Dollar und kommt in einem kompakten Micro-ATX-Gehäuse.
Die Hardware im Detail: Ausstattung und Upgrade-Optionen
Anders als die hauseigene Steam Machine von Valve setzt MetaPCs vollständig auf handelsübliche Komponenten, die sich jederzeit austauschen oder aufrüsten lassen. Die Basiskonfiguration umfasst einen AMD Ryzen 5 9600X mit sechs Zen-4-Kernen, einer Taktrate von bis zu 5,4 GHz und einer Leistungsaufnahme von 65 Watt (TDP). Dazu gesellt sich eine Radeon RX 7600 mit 32 Compute Units, einem Boost-Takt von 2,65 GHz und einer TDP von 165 Watt. Der Arbeitsspeicher beträgt 16 GB DDR5aa-5600, die Hauptplatine ist ein Modell der Baureihen B650M oder B850M mit integriertem WLAN. Zur Kühlung kommt ein 240-mm-AIO-Wasserkühler zum Einsatz, als Massenspeicher dient eine 1 TB große NVMe-SSD. Das Netzteil liefert 650 Watt Leistung.
MetaPCs bietet zudem optionale Garantieverlängerungen an: Zwei Jahre kosten 180 US-Dollar, drei Jahre 240 US-Dollar. Dass sämtliche Komponenten dem Standard-PC-Ökosystem entstammen, macht den Steamroller für Nutzer attraktiv, die langfristig Flexibilität wünschen – ein entscheidender Unterschied zur geschlossenen Architektur der Steam Machine.
Steamroller vs. Steam Machine: Unterschiede in CPU und GPU
Der direkte Vergleich zur Steam Machine von Valve offenbart deutliche Unterschiede. Während die Steam Machine auf einen Hybrid-CPU-Aufbau aus Zen-4- und Zen-4C-Kernen setzt und bei einem maximalen Takt von 4,8 GHz sowie einer TDP von nur 30 Watt bleibt, arbeitet der Ryzen 5 9600X im Steamroller mit vollwertigen sechs Zen-4-Kernen und einer deutlich höheren Leistungsaufnahme. Die GPU beider Systeme liegt leistungstechnisch näher beieinander, zeigt jedoch ebenfalls Nuancen: Die RX 7600 im Steamroller besitzt 32 CUs (gegenüber 28 in der Steam Machine), einen höheren Boost-Takt (2,65 GHz vs. 2,45 GHz) und eine höhere TDP von 165 Watt (vs. 110 Watt). Insgesamt fällt die Rechenleistung des Steamrollers – insbesondere bei CPU-lastigen Szenarien – spürbar höher aus.
Was den Preis betrifft, bewegen sich beide Systeme in einer ähnlichen Größenordnung. Die 2-TB-Variante der Steam Machine liegt aktuell bei rund 1.349 US-Dollar, der Steamroller startet bei 1.299 US-Dollar und bietet für diesen Preis die genannte, in Teilen leistungsfähigere Hardware. Der entscheidende Vorteil des Steamrollers liegt jedoch in der freien Komponentenwahl – Käufer sind nicht auf die werkseitige Konfiguration angewiesen, sondern können CPU, GPU, Mainboard und weitere Teile eigenständig ersetzen.
Was ist der Steamroller und für wen ist er gedacht?
Der Steamroller ist ein vorgebauter Gaming-PC mit vorinstalliertem SteamOS 3, der als Alternative zur Steam Machine von Valve konzipiert wurde. Er richtet sich an Spieler, die ein vollständig aufrüstbares System auf Linux-Basis suchen, ohne selbst ein Betriebssystem installieren oder konfigurieren zu müssen. Dank des offenen Hardware-Ökosystems eignet er sich sowohl für Einsteiger, die einen sofort einsatzbereiten Rechner möchten, als auch für erfahrene Anwender, die langfristig aufrüsten wollen.
Valves Strategie: Warum die Öffnung von SteamOS 3 den Markt verändert
Valve hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich daran gearbeitet, SteamOS 3 für den Einsatz auf Desktop-Rechnern und in Dritthersteller-Systemen zu ertüchtigen. Dass das Unternehmen die Nutzung nun kostenlos für andere Hardwarehersteller freigibt, ist ein strategisch bedeutender Schritt. Bislang war SteamOS auf dem PC-Markt vor allem als Nischen-Lösung präsent – mit dem Steamroller von MetaPCs erhält die Plattform erstmals einen ernstzunehmenden Mitbewerber im Segment der vorgebauten Gaming-PCs. Dies dürfte den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Linux-basierten Gaming-Systemen weiter anheizen und könnte langfristig auch andere Hersteller dazu bewegen, ähnliche Produkte auf den Markt zu bringen.