Microsoft denkt offenbar über eine weitreichende Neuordnung seiner Spieleabteilung nach. Der Konzern erwägt, die Xbox-Sparte als eigenständiges Unternehmen auszugliedern oder als vollständige Tochtergesellschaft zu führen. Das berichtet die Nachrichtenplattform The Information und wurde von mehreren Wirtschaftsdiensten aufgegriffen. Die Überlegungen sind Teil einer grundlegenden Strategieprüfung, die auch eine Partnerschaft mit anderen Unternehmen oder einen späteren Verkauf nicht ausschließt.
Die Ausgliederungspläne im Detail
Microsofts Führung um CEO Satya Nadella und CFO Amy Hood hat einem Bericht zufolge einen Plan gebilligt, den die neue Xbox-Chefin Asha Sharma vorgelegt hat. Demnach soll das Budget für die Entwicklung von Blockbuster-Franchises wie Halo, Fallout und The Elder Scrolls deutlich erhöht werden, um die Fertigstellung dieser Titel zu beschleunigen. Allerdings ist dieser Etat noch nicht endgültig bestätigt, Änderungen sind möglich. Parallel dazu wird die Möglichkeit einer Ausgliederung der gesamten Xbox-Sparte geprüft. Eine solche Auslagerung könnte als separate Firma oder als hundertprozentige Tochtergesellschaft erfolgen. Auch ein Joint Venture mit strategischen Partnern ist im Gespräch – ein Schritt, der einen späteren Verkauf erleichtern würde.
Asha Sharmas 100-Tage-Bilanz: Hohe Investitionen, sinkende Umsätze
Asha Sharma, die vor rund drei Monaten die Leitung von Xbox übernommen hat, zog in einem Blogbeitrag eine ernüchternde Bilanz ihrer ersten 100 Tage. Demnach hat Microsoft – ohne den im Jahr 2023 übernommenen Spieleentwickler Activision Blizzard – in den vergangenen fünf Jahren mehr als 20 Milliarden USaaaa-Dollar in Xbox investiert. Gleichzeitig sinken die Umsätze: Pro Jahr entgehen dem Konzern etwa 500 Millionen Dollar an Erlösen. Die Sparte verzeichnet einen kontinuierlichen Rückgang, der den Druck auf die Führungsebene erhöht. Vor diesem Hintergrund plant die Spieleabteilung offenbar weitere Entlassungen. Die Kostensenkungen sollen helfen, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern.
Warum erwägt Microsoft die Ausgliederung der Xbox-Sparte?
Microsoft steht vor einer grundlegenden Herausforderung: Trotz jahrzehntelanger Investitionen und milliardenschwerer Ausgaben ist die Spieleabteilung nicht profitabel. CEO Satya Nadella betonte in einem Interview im Rahmen des Podcasts „Hard Fork“ der New York Times, dass die Abteilung in ein „nachhaltiges Geschäft“ verwandelt werden müsse. Die Kernproblematik: Microsoft habe zwar massiv investiert, aber die Monetarisierung der Inhalte sei unzureichend. So werde mit Xbox-Spielen auf YouTube mehr Geld verdient als bei Microsoft selbst. „Wir subventionieren die Unterhaltung eher, als dass wir sie monetarisieren“, so Nadella. Die Ausgliederung oder Neuausrichtung soll es ermöglichen, die Spieleentwicklung und das Hardwaregeschäft wirtschaftlich tragfähig zu gestalten, ohne die Gesamtbilanz des Konzerns zu belasten.
Die Herausforderungen im Hardware- und Publishing-Geschäft
Nadella machte deutlich, dass beide Bereiche – Konsolenhardware und Spieleveröffentlichungen – vor einem Umbau stehen. Die Innovation müsse in einer wirtschaftlich tragfähigen Weise erfolgen. Sharma habe nach 100 Tagen eine Neubewertung angekündigt. In den nächsten 100 Tagen wolle sie sicherstellen, dass Xbox das liefere, was die Fans sowohl auf der Hardwareseite als auch im Publishing erwarten. Ob die Ausgliederung tatsächlich umgesetzt wird, hängt jedoch von weiteren internen Analysen ab. Klar ist: Der Druck auf die Verantwortlichen wächst, denn die jahrelange Subventionierung des Geschäfts hat die Erwartungen der Investoren gedämpft.
Fazit und Ausblick
Die Überlegungen bei Microsoft zeigen einen tiefgreifenden Strategiewechsel. Die Ausgliederung der Xbox-Sparte wäre ein radikaler Schritt, der die Spielebranche nachhaltig verändern könnte. Sollte Microsoft diesen Weg gehen, stünde Xbox künftig als eigenständiger Player auf dem Markt – mit eigener Bilanz und eigenen Entscheidungen. Das könnte das Unternehmen flexibler machen, aber auch Risiken bergen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Asha Sharma die Wende schafft und ob Satya Nadella bereit ist, den traditionsreichen Gaming-Bereich aus dem Mutterkonzern zu entlassen. Fest steht: Die Spieleindustrie beobachtet die Entwicklung in Redmond mit großer Aufmerksamkeit.