Ubisoft setzt seinen drastischen Sparkurs fort und streicht in seinem Studio in San Francisco weitere 100 Stellen. Dies ist die nächste Welle im Rahmen eines umfassenden Restrukturierungsprogramms, das den französischen Spielekonzern seit Jahren begleitet. Erst in der vergangenen Woche hatte der Publisher zwei Entwicklungslabore geschlossen. Die Belegschaft von Ubisoft schrumpft damit kontinuierlich – und ein Ende ist nach Aussagen des Unternehmens vorerst nicht absehbar.
Ubisoft streicht weitere 100 Stellen: Das San Francisco Studio im Fokus
Die jüngste Kündigungswelle trifft das für den Mehrspieler-Shooter XDefiant verantwortliche Team in San Francisco. Berichten zufolge sollen zwischen 50 und 100 Mitarbeiter betroffen sein. Insgesamt schweben nach Schätzungen rund 380 Arbeitsplätze konzernweit in der Schwebe. Das Studio in San Francisco war zuletzt ein zentraler Entwicklungsstandort für Ubisofts Online-Ambitionen. Mit den Entlassungen wird die Basis für den Live-Service-Titel empfindlich geschwächt.
Zwei Studios geschlossen: Winnipeg und Belgrad
Bereits in der Vorwoche hatte Ubisoft die Schließung zweier weiterer Studios bekanntgegeben. Der Standort in Winnipeg verlor dabei 65 Beschäftigte. Noch härter traf es das Studio in Belgrad: Hier wurden 100 Mitarbeiter entlassen und die Niederlassung dauerhaft geschlossen. Insgesamt summieren sich die Einschnitte innerhalb weniger Tage auf mehrere hundert betroffene Stellen. Die Schließungen sind Teil einer langfristigen Kostensenkungsstrategie, die nach den schwachen Geschäftszahlen der Nach-Pandemie-Ära eingeleitet wurde.
Personalabbau in Zahlen: Wie stark schrumpft Ubisoft?
Die Dimension des Stellenabbaus wird anhand der Konzernzahlen deutlich. Im September 2022 beschäftigte Ubisoft noch 20.729 Mitarbeiter. Bis Ende März 2026 soll die Belegschaft auf 16.590 Personen sinken. Das entspricht einem Abbau von 4.139 Stellen – rund 20 Prozent der gesamten Belegschaft. Die Maßnahmen begannen bereits 2022, intensivierten sich aber 2023 mit mehreren aufeinanderfolgenden Entlassungsrunden und Studioschließungen. Ubisoft selbst spricht von „gezielten Umstrukturierungen“, die das laufende Kostensenkungsprogramm bis März 2028 unterstützen sollen.
Warum setzt Ubisoft den drastischen Sparkurs fort?
Die Ursachen liegen in einer Serie von kommerziellen Enttäuschungen nach dem Ende der Pandemie. Die hohen Erwartungen an einige Blockbuster-Titel erfüllten sich nicht, während die Kosten für die Entwicklung von AAA-Spielen weiter stiegen. Hinzu kommt der wachsende Druck im Markt für Live-Service-Spiele, in dem Ubisoft mit Titeln wie XDefiant Fuß zu fassen versucht. Die wiederholten Entlassungen sollen die Strukturen verschlanken und die Profitabilität langfristig sichern. Dass ausgerechnet das Team hinter einem zentralen Live-Service-Projekt betroffen ist, wirft jedoch Fragen zur strategischen Prioritätensetzung auf. Der Konzern scheint bereit, selbst erfolgskritische Standorte zu verkleinern, um die Kostenziele zu erreichen.
Die Entwicklung zeigt ein klares Bild: Ubisoft schrumpft global, und keine Entwicklermannschaft scheint vor dem Rotstift des Managements sicher. Der eingeschlagene Kurs wird das Unternehmen in den kommenden Jahren weiter prägen – mit ungewissen Folgen für die Qualität und Kontinuität seiner Spieleprojekte.