Motorola Moto G87 enttäuscht mit schwächerer Leistung und höherem Preis

Das Motorola Moto G87 tritt mit einem deutlich höheren Preis und einem überraschend schwächeren Prozessor an. Im Vergleich zum Vorgänger G86 5G stellt das Gerät für alle, die ein solides Mittelklasse-Smartphone suchen, eine fragwürdige Entscheidung dar.

Technische Daten und Leistung: Ein Rückschritt

Motorola stattet das G87 mit dem MediaTek Dimensity 6400 aus, einem Chip, der den im Vorgänger verbauten Dimensity 7300 ablöst. Dies ist eine deutliche Verschlechterung sowohl in der Rechenleistung als auch in der Energieeffizienz, da der neue Prozessor im weniger fortschrittlichen 6-nm-Verfahren gefertigt wird.

  • MediaTek Dimensity 6400
  • 8 GB RAM
  • 256 GB interner Speicher (erweiterbar via microSDXC)

Die Konsequenzen sind messbar: Im Geekbench-Test liegt die Multi-Core-CPU-Leistung um 28 Prozent unter der des Motorola G86 5G. Noch deutlicher ist der Abstand zum Nothing Phone 4a, einem direkten Konkurrenten in derselben Preisklasse, der um 35 Prozent besser abschneidet. Das G87 konnte den GPU-intensiven „Wild Life Extreme Stress Test“ nicht einmal ausführen – ein vernichtendes Ergebnis. Das preislich identische Poco X8 Pro von Xiaomi übertrifft das Motorola in jeder Disziplin.

Im Alltag zeigt das Moto G87 eine brauchbare Performance. Das Entsperren und Starten von Apps ist nicht besonders schnell, aber auch nicht quälend langsam. Die Navigation zwischen Menüs und Bildschirmen bleibt flüssig. Spiele wie „Destiny Rising“ laufen auf mittleren Grafikeinstellungen spielbar, jedoch ohne die Möglichkeit, die Bildrate über den minimalen Modus zu verbessern – ruckelfrei ist anders.

Kamera: Mehr Megapixel, aber nicht besser

  • 200 MP Hauptkamera (f/1,8)
  • 8 MP Ultraweitwinkel (f/2,2)
  • 32 MP Selfie-Kamera (f/2,2)

Motorola wechselt von einer 50-MP-Hauptkamera im Vorgänger zu einer 200-MP-Kamera im G87. Dieser Sprung bringt jedoch keine qualitativen Vorteile. Die Detailwiedergabe ist ordentlich, die Farben wirken natürlich. Allerdings sind Tageslichtaufnahmen oft etwas gedämpft, die HDR-Korrektur greift nur begrenzt. Die Kamera hat zudem Probleme mit der Belichtung, wenn helle und schattige Bereiche im Bild liegen – Lichter brennen dann schnell aus.

Nachtaufnahmen vermeiden den typischen, unnatürlichen Überbelichtungseffekt, bleiben aber detailarm. Die 8-MP-Ultraweitwinkelkamera enttäuscht mit mangelnder Schärfe und sichtbarem Bildrauschen, besonders im blauen Himmel. Da eine dedizierte Telekamera fehlt, nutzt Motorola den hochauflösenden Sensor für digitalen Zoom. 2-fach- und 4-fach-Aufnahmen sehen noch brauchbar aus, ab der 10-fachen Vergrößerung leiden die Details.

Die 32-MP-Frontkamera liefert akzeptable Selfies mit einem etwas weiteren Bildwinkel. Der Dynamikumfang ist jedoch begrenzt, und die Kantenerkennung im Porträtmodus ist nicht optimal. Enttäuschend bleibt die Videoaufnahme: Wie schon beim G86 5G sind maximal 1080p bei 30 Bildern pro Sekunde möglich. Insgesamt ist das Kameraerlebnis für ambitionierte Fotografen oder Videografen nicht empfehlenswert.

Akku und Laden: Solide, aber nicht überragend

  • 5.200 mAh Akku
  • 30 W Laden (kabelgebunden)
  • Gute Alltagsleistung

Die Akkulaufzeit des Moto G87 hat sich im Vergleich zum Vorgänger leicht verschlechtert. Im PC Mark 3.0-Test, der eine gemischte Dauerlast simuliert, fällt sie kürzer aus. Grund dafür dürfte die Kombination aus dem weniger effizienten 6-nm-Prozessor und einem größeren Display sein. Auch das Nothing Phone 4a hält länger durch. Dennoch bringt der 5.200-mAh-Akku problemlos über einen ganzen Tag.

Das 30-W-Laden ist durchschnittlich: In 30 Minuten erreicht der Akku etwas über 50 Prozent. Motorola bleibt im mittleren Feld, bietet aber keine Spitzenwerte.

Preis und Marktposition: Der größte Kritikpunkt

Motorola hat den Preis des G87 drastisch erhöht. Das einzige Modell mit 8 GB RAM und 256 GB Speicher kostet auf der Motorola-Website 399,99 Euro. Das ist eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem Vorgänger G86 5G mit identischen Spezifikationen für 299 Euro.

Damit ist das Moto G87 teurer als das Google Pixel 9a, das regelmäßig im Angebot ist und in vielen Schlüsselbereichen besser abschneidet. Der Vergleich mit den unmittelbaren Konkurrenten fällt ebenfalls ernüchternd aus:

  • Nothing Phone 4a: Gleicher Preis, interessanteres Design, bessere Leistung, flexiblere Kamera (wenn auch mit 128 GB Basisspeicher).
  • Poco X8 Pro: Weitaus bessere Leistung, überlegenes Display, deutlich beeindruckendere Akku- und Ladeausstattung.
  • Motorola Edge 70 Fusion: Nur 40 Euro teurer (439,99 Euro), aber ein deutlich hochwertigeres Gesamtpaket.

Das Moto G87 wirkt wie ein Fehlgriff in der Produktpalette. Es ist teurer als viele bessere Alternativen und kann in einem hart umkämpften Marktsegment nicht mithalten.

Kaufempfehlung: Dieses Gerät sollten Sie meiden

Das Moto G87 ist ein weiteres durchschnittliches Smartphone eines Herstellers, dessen Fokus offenbar auf Flaggschiffen und Faltmodellen liegt. Die Verarbeitungsqualität ist solide, die Software-Oberfläche bleibt übersichtlich und angenehm. Die vorinstallierte Moto-App bietet nützliche Gesten – ein echter Pluspunkt. Allerdings nervt die große Menge an Drittanbieter-Apps (Tiktok, Booking.com, LinkedIn, Amazon Music, Facebook, Instagram, Opera-Browser, Wegwerf-Spiele).

Das Versprechen von drei großen Betriebssystem-Upgrades ist besser als die zwei des Vorgängers, bleibt aber hinter der Spitzenklasse zurück. Die Zusage von vier Jahren Sicherheitsupdates ist Standard.

Die Antwort auf die Frage nach dem Kauf ist eindeutig: Mit ziemlicher Sicherheit nicht zu empfehlen. Das Moto G87 ist zu teuer für das, was es bietet. Nothing Phone 4a, Poco X8 Pro oder Motorolas eigenes Edge 70 Fusion sind für denselben oder nur geringfügig höheren Preis deutlich überlegene Alternativen. Es bleibt rätselhaft, welche Lücke dieses Modell in der aktuellen Smartphone-Landschaft füllen soll.

Technische Daten im Überblick

  • Betriebssystem: Android 16
  • Display: 6,78 Zoll, 1,5K, OLED, 120 Hz, flach
  • Sicherheit: Fingerabdrucksensor im Display
  • Prozessor: MediaTek Dimensity 6400
  • Arbeitsspeicher: 8 GB RAM
  • Speicher: 256 GB (erweiterbar)
  • Hauptkamera: 200 MP, f/1,8
  • Ultraweitwinkelkamera: 8 MP
  • Video: max. 1080p bei 30 fps (Rückkamera)
  • Frontkamera: 32 MP
  • Audio: Stereolautsprecher
  • Konnektivität: Dual-SIM, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 5.4
  • Akku: 5.200 mAh, 30 W Laden
  • Maße: 164,5 × 77,3 × 7,3 mm
  • Gewicht: 183 g
  • Farben bei Markteinführung: Pantone Overture, Pantone Blue Atoll
Diesen Artikel teilen