Oasis Management will FromSoftware zu höheren Gewinnen zwingen

Aktivistischer Investor fordert Führungswechsel bei Kadokawa und drängt auf höhere Gewinne aus Spieleentwickler FromSoftware.

Oasis Management will mit neuen Monetarisierungsmodellen und einer CEO-Ablösung den Wert von FromSoftware steigern.
Highlights
  • Oasis Management fordert die Ablösung des Kadokawa-CEO Takeshi Natsuno auf der Hauptversammlung am 24. Juni.
  • Der Hedgefonds hatte schon 2014 Nintendo zu Mikrotransaktionen drängen wollen und kritisiert nun verpasste Chancen bei FromSoftware.
  • Kadokawa selbst plant bereits die Maximierung der Erträge aus FromSoftware, was den Kern des Konflikts auf das Wie reduziert.

FromSoftware-Spiele sind für ihre Härte bekannt. Titel wie Dark Souls bestrafen den Spieler, sind undurchsichtig und wirken mitunter schlicht unfair. Elden Ring gelang zwar der Durchbruch in den Mainstream und wurde ein gigantischer Erfolg, doch es ist nicht schwer, sich einen Investor vorzustellen, der auf diese Verkaufszahlen blickt und vor allem verpasste Chancen sieht. Was wäre, wenn die Spiele des Studios zugänglicher wären? Was, wenn sich neue Wege finden ließen, um aus den Titeln mehr Kapital zu schlagen? Diese Gedankenspiele sind keine abstrakte Fiktion mehr. Ein aktivistischer Investor namens Oasis Management hat die Muttergesellschaft Kadokawa Corporation ins Visier genommen und will den Kurs von FromSoftware grundlegend ändern – mit dem Ziel, die Gewinne massiv zu steigern.

Der Investor, der schon Nintendo zu Mikrotransaktionen drängen wollte

Oasis Management ist kein unbeschriebenes Blatt in der Spielebranche. Bereits 2014 sorgte der Hedgefonds für Schlagzeilen, als er Nintendo vorschlug, Spieler für das höhere Springen von Mario 0,99 US-Dollar zahlen zu lassen. Dies war damals weniger eine konkrete Forderung als vielmehr eine Illustration, wie neue Monetarisierungsmodelle aussehen könnten. Nun hat sich Oasis Management auf Kadokawa eingeschossen, den Mehrheitseigentümer von FromSoftware. Mit einem Anteil von 13,76 Prozent an Kadokawa drängt der Investor auf einen Wechsel an der Unternehmensspitze. In einem öffentlichen Brief vom 7. Juni forderte Oasis die Aktionäre auf, gegen die Wiederernennung des aktuellen CEO Takeshi Natsuno zu stimmen.

Warum Oasis Management FromSoftware als ungenutztes Potenzial sieht

Die Kernforderung von Oasis Management ist simpel: Kadokawa müsse das Potenzial seines Portfolios „vollständig ausschöpfen“. FromSoftware wird dabei als das wertvollste Asset des Konzerns betrachtet. Die Argumentation des Investors: Das Studio lasse Geld liegen, indem es Spiele wie Elden Ring mit externen Partnern wie Bandai Namco entwickle. Oasis skizziert eine Zukunft, in der Kadokawa sein Publishing-Programm verschlankt, die Genre-Palette erweitert, tiefer in Titel mit echtem skalierbarem Potenzial investiert und die digitale sowie internationale Distribution beschleunigt. Die Forderung nach klaren, messbaren Leistungskennzahlen (KPIs) unterstreicht den ergebnisorientierten Ansatz des Investors. Es geht nicht um die künstlerische Vision, sondern um die Optimierung der Wertschöpfungskette.

Was ist die konkrete Forderung von Oasis Management an Kadokawa?

Die zentrale Forderung von Oasis Management ist die Ablösung des Kadokawa-CEO Takeshi Natsuno. Der Investor wirft der aktuellen Führung vor, über Jahre hinweg die Performance des Unternehmens verschlechtert und mangelnde Aufsicht gezeigt zu haben. Oasis fordert einen CEO mit nachweislicher Erfolgsbilanz in der globalen IP-Monetarisierung, operativer Disziplin und solider Kapitalallokation. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung am 24. Juni gegen Natsuno stimmen.

Der rechtliche Druck: Verstoß gegen das Freelancer-Schutzgesetz

Die Position von Oasis Management wird durch ein aktuelles Ereignis gestärkt. Die japanische Fair Trade Commission stellte am 8. Juni fest, dass FromSoftware gegen das Freelancers Protection Act des Landes verstoßen hat. Konkret wirft die Behörde Kadokawa vor, Zahlungsfristen für mehr als 100 freie Mitarbeiter nicht eingehalten zu haben. Oasis Management nutzte diesen Bescheid umgehend als weiteren Beleg für das angebliche Missmanagement unter CEO Natsuno. In einer Pressemitteilung hieß es, die Zeit für einen Führungswechsel sei gekommen.

Miyazakis Reaktion: Zwischen künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichem Druck

Hidetaka Miyazaki, Präsident von FromSoftware und Regisseur von Elden Ring, äußerte sich auf Nachfrage des japanischen Portals Den Fami Nico Gamer zurückhaltend zu der Situation. Er habe keine weiteren Details, die er teilen könne. Dennoch bezog er allgemein Stellung zur Ausrichtung des Studios. „Ich würde nicht sagen, dass es keine Bereiche mit Verbesserungspotenzial gibt, aber wir können frei die Spiele machen, die wir machen wollen, ohne übermäßige Einmischung“, so Miyazaki. Er betonte, dass die Arbeitsumgebung eine der wesentlichen Quellen für den Wert sei, den das Studio für seine Nutzer schaffen konnte. Diese Aussage liest sich wie ein stilles Bekenntnis zur bisherigen Unabhängigkeit – und eine leise Warnung vor den Konsequenzen eines zu starken wirtschaftlichen Optimierungsdrucks.

Kadokawas eigene Strategie: Maximierung der Erträge aus FromSoftware

Interessanterweise scheint Kadokawa die Stoßrichtung von Oasis Management bereits zu teilen. Im Geschäftsbericht für 2025 kündigte der Konzern an, die Ertragskraft von FromSoftware gezielt steigern zu wollen. Konkret heißt es, man werde „Initiativen zur Maximierung der Erträge vorantreiben, indem Titel mit eigenem Kapital entwickelt und das Geschäftsmodell, einschließlich der Publishing-Struktur, optimiert werden“. Dies deckt sich in weiten Teilen mit der Vision des Investors. Der Konflikt dreht sich daher weniger um das „Ob“, sondern vielmehr um das „Wie“ und vor allem um die Frage, wer die Umsetzung verantworten soll. Die Hauptversammlung am 24. Juni wird richtungsweisend sein – für Kadokawa, für FromSoftware und für die Zukunft einer der einflussreichsten Spieleschmieden der Welt.

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