QR-Codes, die uns zu Musikdiensten führen, sind allgegenwärtig. Ein Experiment auf der Maker-Plattform instructables.com geht jedoch einen radikal anderen Weg: Der QR-Code selbst speichert die komplette Musikdatei – ohne Streaming, ohne Internet, ohne Mobilfunknetz. Der indische Entwickler Makestreme hat mit seiner „QR-Code-Musikkassette“ eine Methode entwickelt, Musik offline auf einem Blatt Papier zu speichern und abzuspielen.
Wie neuronale Netze MP3-Dateien für die QR-Code-Musikkassette komprimieren
„Was wäre, wenn man ein ganzes Lied auf einem Blatt Papier mit sich führen könnte?“ – diese Frage stand am Anfang des Experiments. Makestreme wollte zeigen, was möglich ist, wenn man die gewohnte digitale Infrastruktur komplett entfernt und eine völlig unabhängige Methode zum Speichern und Teilen digitaler Medien entwickelt. Das Ergebnis nennt er scherzhaft „Doomsday Spotify“ und offiziell „Paper Tunes“.
Würde man eine MP3-Datei direkt in einen QR-Code einbetten, bräuchte man für ein einziges Lied etwa 1000 QR-Codes der Version 40. Die größte Herausforderung war daher die Komprimierung. Makestreme setzt auf EnCodec von Meta. Dieser Codec reduziert Datensätze mithilfe neuronaler Netze auf die absolut notwendigen Informationen zur Rekonstruktion des Originals. Eine etwa 2,9 MB große MP3-Datei lässt sich so auf 21 KB schrumpfen. Da ein einzelner QR-Code maximal 3 KB aufnehmen kann, wird die komprimierte Datei auf insgesamt acht QR-Codes aufgeteilt – vier auf der Vorder-, vier auf der Rückseite eines einzigen Blatts Papier.
Klangqualität der QR-Code-Musikkassette: Überraschend gute Tonwiedergabe trotz Kompression
Wie zu erwarten, leidet die Tonqualität unter der extremen Komprimierung. Makestreme testete zunächst mit einer Übertragungsrate von 1,5 Kilobit pro Sekunde – das Ergebnis war unbrauchbar. Bei 3 kbps war er dann selbst vom guten Klang überrascht. Hörproben sind sowohl auf der Projektseite als auch im ausführlichen Videobericht verfügbar und geben einen Eindruck, wie viel Musik sich unter diesen Bedingungen noch erhalten lässt.
Die entscheidende Frage ist: Reicht die Qualität für den alltäglichen Gebrauch? Für eine Notfall-Backup-Lösung oder eine bewusst lo-fi gehaltene Wiedergabe sicherlich. Für den hochauflösenden Genuss bleibt Streaming oder die lokale Datei unverzichtbar.
Von Python-Skript bis LoRa: Die technische Umsetzung ohne Netzwerk
Zur Aufteilung des komprimierten Musikstücks hat Makestreme ein Python-Skript geschrieben. Es nummeriert die einzelnen Datenpakete, generiert die QR-Codes und gibt sie als zwei druckbare PNG-Bilder mit je vier QR-Codes aus. Das Programm kann empfangene QR-Codes auch wieder dekodieren und zur ursprünglichen Musikdatei rekonstruieren.
Um die Musik auch ohne WLAN oder Mobilfunknetz zu übertragen, nutzt Makestreme LoRa – eine drahtlose Technologie mit großer Reichweite und geringem Stromverbrauch, die für die Übertragung kleiner Datenmengen über weite Entfernungen entwickelt wurde. Für das Experiment baute er zwei Sender aus günstigen ESP32-Entwicklungsboards und Reyax RYLR998 LoRa-Modulen. Dazwischen lassen sich die Musikstücke direkt und netzunabhängig per Funk übertragen.
DIY-Anleitung: So kannst du das Experiment selbst durchführen
Makestreme stellt den gesamten Versuchsaufbau samt Bau- und Programmieranleitung auf der Paper-Tunes-Projektseite auf instructables.com zur Verfügung. Wer Lust hat, eigene QR-Code-Musikkassetten zu erstellen und per LoRa zwischen zwei Geräten zu verschicken, kann sich selbst an den Versuch wagen. Das Projekt erfordert Grundkenntnisse in Python, Elektronik und Löten, ist aber für ambitionierte Maker durchaus umsetzbar.
Ob das Speichern von Musik in Form von QR-Codes im Alltag praktisch ist, muss jede:r selbst entscheiden. Fest steht: Es ist möglich – und das eröffnet neue Perspektiven für die unabhängige Speicherung und Verteilung digitaler Medien abseits von Cloud-Diensten und Streaming-Plattformen. Die QR-Code-Musikkassette bleibt ein faszinierendes Experiment, das zeigt, wie weit man mit Kreativität und vorhandener Technik kommen kann, wenn man die Infrastruktur einmal bewusst ausblendet.