Wer 2019 ein letztes Mal einen Laptop gekauft hat und heute wieder auf der Suche ist, könnte meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Dell verkauft sein aktuelles XPS 13 mit 8 Gigabyte RAM, das günstigste MacBook von Apple ebenfalls. Doch die Preise haben sich drastisch verändert – und mit ihnen die Anforderungen an den Arbeitsspeicher. Ein Laptop mit 8 GB RAM ist heute keine kluge Investition mehr, auch wenn der Aufpreis auf 16 GB schmerzhaft hoch erscheint.
16 Gigabyte: Das neue Minimum
Bis 2024 galt 8 GB Arbeitsspeicher als inoffizieller Standard für Laptops. Das änderte sich, als Microsoft sein Copilot+-Programm startete und 16 GB als Mindestvoraussetzung für alle entsprechend zertifizierten Geräte festlegte. Apple zog im Herbst 2024 nach: Das MacBook Air bekam ohne Aufpreis die doppelte Speicherkapazität, jedes neue Mac startete fortan mit 16 GB. Damit war die Messlatte neu gesetzt – die Branche hatte das 8-GB-Zeitalter faktisch beendet.
Doch dann drehte der Markt. Einer Prognose von TrendForce zufolge explodierten die Einkaufspreise für Speicherbausteine im ersten Quartal 2026 um 90 bis 95 Prozent. Die Hersteller standen vor einem Dilemma: Die teuren Komponenten fressen die Margen auf, günstige Einstiegsmodelle sind nötig, um Kunden nicht zu verlieren. Die Reaktion: Dell brachte das XPS 13 mit einer 8-GB-Basisvariante zurück, Apple hielt am MacBook Neo mit 8 GB fest – ein Schritt zurück, der die veränderte Marktlage zeigt.
Warum 8 GB heute nicht mehr reichen
Technisch betrachtet reichen 8 GB für Windows 11 aus – das System benötigt nur vier Gigabyte. Die Praxis sieht anders aus. Im Test des aktuellen Dell XPS 13 mit Core-5-320-Prozessor und 8 GB RAM waren direkt nach dem Windows-Start bereits 80 Prozent des Speichers belegt. Sobald ein Browser mit mehreren Tabs geöffnet wird, steigt die Auslastung auf 95 Prozent. Die Folge: Ruckler beim Scrollen, Verzögerungen beim Fensterwechsel, ein spürbarer Leistungseinbruch im Alltag.
Das Problem liegt auch in der Hardware. Der Core 5 320 aus Intels Wildcat-Lake-Serie besitzt nur einen einzigen Speicherkanal. Prozessor und integrierte Grafik teilen sich diesen schmalen Pfad zu den 8 GB. Im PCMark-10-Test erreichte die 16-GB-Version des XPS 13 einen rund 30 Prozent höheren Wert und hielt im Akkutest 104 Minuten länger durch – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Speichermenge nicht nur die Leistung, sondern auch die Energieeffizienz beeinflusst.
Der teure Aufpreis als einziger Ausweg
Dell verlangt für den Sprung von 8 auf 16 GB im XPS 13 rund 200 US-Dollar. Das klingt viel – und ist es auch. Doch wer heute spart, wird später doppelt zahlen: Ein späterer Austausch des Arbeitsspeichers ist in den meisten modernen Laptops nicht möglich, der RAM ist fest verlötet. Die Entscheidung fällt einmalig. Apples MacBook Neo bietet diese Wahl erst gar nicht; wer 16 GB will, muss zum M5 MacBook Air greifen, das mit 1.299 US-Dollar zu Buche schlägt – 300 Dollar mehr als das 16-GB-Modell des M2 Air Ende 2024, dafür aber mit doppelter SSD-Grundausstattung.
Einige Hersteller bieten Alternativen: MSI brachte im August 2026 das Katana 15 HX C14 mit wahlweise älterem DDR4-RAM auf den Markt. Framework ermutigt Käufer seiner DIY-Edition, den Speicher selbst mitzubringen, nachdem die eigenen DDR5-Preise um 50 Prozent gestiegen sind. Laptops mit Speichersteckplätzen erlauben, mit 8 GB zu starten und später aufzurüsten – eine flexible Lösung, die in Zeiten volatiler Preise wertvoll ist.
Hintergründe des Preisbooms
Der Haupttreiber der hohen RAM-Kosten sind die großen KI-Rechenzentren. Sie kaufen Speicher in gewaltigen Mengen auf und treiben die Preise. Samsung verbuchte im dritten Quartal 2026 einen operativen Gewinn von umgerechnet rund 80 Milliarden US-Dollar, den Analysten zu weiten Teilen auf das Speichergeschäft zurückführen – der Rest des Konzerns schrieb Verluste. Micron stellte seine Verbrauchermarke Crucial ein, um die Produktion auf Großkunden umzuleiten. TrendForce zufolge lag der Materialkostenanteil von Speicher und SSD bei einem Mittelklasse-Laptop Anfang 2026 bei über 30 Prozent, verglichen mit etwa 15 Prozent in normalen Jahren.
Acer-Chef Jason Chen erwartet, dass die PC-Preise bis Jahresende um fünf bis 20 Prozent steigen und ihren Höhepunkt in der ersten Hälfte 2027 erreichen. Er wirft den Speicherherstellern vor, die Knappheit länger als nötig auszureizen, um die eigenen Margen zu schützen. Selbst Optimisten rechnen damit, dass Laptops erst teurer werden, bevor sie wieder günstiger werden. Ein heute gekauftes 8-GB-Gerät wird dann immer noch 8 GB haben – und technisch überholt sein.
Die Rechnung fällt klar aus: Der Aufpreis auf 16 GB RAM ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wer in den nächsten zwei bis drei Jahren flüssig arbeiten will, kommt an dieser Investition nicht vorbei – auch wenn sie im Moment mehr kostet, als es vernünftig erscheint.