Rovio schließt Kopenhagen-Studio nach Sonic-Blitz-Einstellung

Rovio hat sein Studio in Kopenhagen geschlossen, nachdem das Mobile-Spiel Sonic Blitz eingestellt wurde. Die Entscheidung, den Standort aufzugeben, betrifft nach Unternehmensangaben etwa 20 Mitarbeiter, die an dem Titel arbeiteten – das genaue Ausmaß der Entlassungen steht jedoch noch nicht endgültig fest, da das Verfahren zur betriebsbedingten Kündigung läuft.

Ein Sprecher des finnischen Spieleentwicklers erklärte, die Schließung sei eine äußerst schwierige Entscheidung gewesen. Man sei sich der Tragweite für das Team bewusst, besonders angesichts der anhaltenden Herausforderungen in der Spielebranche. Für diejenigen Mitarbeiter, die nicht auf ein neues Projekt innerhalb von Rovio wechseln könnten, werde ein umfassendes Übergangspaket bereitgestellt, das externe Vermittlungsdienste und psychologische Unterstützung umfasse.

Warum Sonic Blitz scheiterte: Validierungsprobleme und fehlende Bindung

Rovio-CEO und Sega-West-COO Alexandre Pelletier-Normand führte das Aus des Projekts auf ernüchternde Testergebnisse zurück. Man habe die Ressourcen konzentrieren müssen – sowohl bei den Spielen als auch an den Standorten. Sonic Blitz sei ursprünglich als vielversprechende Erweiterung der Marke angesehen worden. „Auf dem Papier sah das großartig aus“, so Pelletier-Normand. „Doch im Mobile-Bereich muss man die Hypothese validieren. Hier war die Retention nicht gut genug – ein Frühindikator dafür, dass die Spieler nicht langfristig engagiert waren.“

Der Titel war im Jahr 2025 zunächst in den Philippinen und Brasilien als Soft Launch gestartet, wurde jedoch bereits im vergangenen Monat komplett vom Netz genommen. Rovio betonte, die Einstellung sei keine Kritik an der Leidenschaft oder Kreativität des Teams, sondern das Ergebnis eines „breiter angelegten Wandels“ im Unternehmen.

Die Akquisition von Rovio durch Sega: 776 Millionen Dollar und erste Rückschläge

Sega hatte Rovio im Jahr 2023 für 776 Millionen US-Dollar übernommen. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die Integration des finnischen Entwicklers schwieriger verlief als erwartet. Anfang des Jahres meldete Sega eine außerplanmäßige Wertminderung von 200 Millionen Dollar auf den Kaufpreis, nachdem die Profitabilität von Rovio „hinter den ursprünglichen Prognosen zurückblieb“. Der Fehlbetrag zeigt, wie stark die Hoffnungen auf Synergien zwischen den beiden Unternehmen bislang enttäuscht wurden.

Ein zentrales Problem ist die Integration der hauseigenen Beacon-Technologie von Rovio in Segas Mobile-Titel. Sega-CEO Haruki Satomi räumte ein, dass sich die operativen und marketingtechnischen Methoden von Rovio erheblich von den eigenen unterschieden. „Wir haben festgestellt, dass neue Mobile-Spiele Beacon noch nicht vollständig nutzen können. Daher haben wir leider nicht die Ergebnisse erzielt, die vor der Übernahme erwartet wurden“, so Satomi.

Wie es mit Sonic auf Mobilgeräten weitergeht

Pelletier-Normand zeigte sich dennoch überzeugt, dass Sonic auf mobilen Plattformen Potenzial habe. „Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass es einen Weg gibt, mehr Spieler mit Sonic auf dem Handy zu erreichen.“ Allerdings sei dies komplizierter als sowohl Sega als auch Rovio angenommen hätten. Die Schließung des Kopenhagen-Studios ist ein deutliches Signal, dass der Publisher nun stärker auf bewährte Konzepte und Standorte setzt, statt weiter in parallele Projekte zu investieren. Der Schritt dürfte auch die zukünftige Mobile-Strategie von Sega beeinflussen – mit einem fokussierteren, risikoärmeren Ansatz, der die harten Lektionen aus dem Sonic-Blitz-Fiasko berücksichtigt.

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