Sony hat mit der FX5 eine neue Kinokamera vorgestellt, die das Unternehmen näher an die Wünsche ambitionierter Filmemacher heranrückt. Die Kamera platziert sich zwischen dem kompakten FX3 und der etablierten FX6 und bringt erstmals Features in die Cinema Line, die von der Community seit Langem gefordert werden: interne RAW-Aufzeichnung und Open-Gate-Aufnahme. Mit einem neu entwickelten Vollformatsensor und einer Reihe durchdachter Verbesserungen positioniert sich die FX5 als ernsthafte Option für Indie-Filmer und professionelle Content Creator.
Neuer 16,6-Megapixel-Sensor mit Stacked-Technologie
Das Herzstück der FX5 ist ein vollständig gestapelter Vollformatsensor mit einer Auflösung von 16,6 Megapixeln. Sony spricht hier von einer ausgewogenen Kombination aus Geschwindigkeit und Detailtreue. Die Architektur des Sensors ermöglicht nicht nur hohe Bildraten, sondern legt auch die Grundlage für die erweiterten Aufnahmeformate, die diese Kamera von ihren Vorgängern unterscheiden.
Interne RAW-Aufzeichnung: 16 Bit und 280 Billionen Farben
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal der FX5 ist die Fähigkeit, intern im hauseigenen X-OCN-Codec aufzuzeichnen. Dieses Format, das für „Extended tonal range original camera negative“ steht, bietet eine 16-Bit-Linear-RAW-Aufnahme mit satten 280 Billionen Farben. Das bedeutet eine tausendmal höhere Farbdatendichte als bei gängigen 12-Bit-Codecs wie ProRes RAW oder Canons C-RAW. Die Aufzeichnung erfolgt auf zwei CFexpress-Typ-A-Kartenslosts und erfordert von Sony validierte Speicherkarten. Die FX5 erreicht 5K bei 60 Bildern pro Sekunde, 4,5K bei 120 fps und 4K bei beeindruckenden 240 fps – jeweils in der vollen RAW-Qualität.
Open Gate und anamorphe Unterstützung
Erstmals in einer FX-Kamera bietet das Modell die Open-Gate-Aufnahme im Seitenverhältnis 3:2. Dabei wird die gesamte Sensorfläche genutzt, was in der Nachbearbeitung maximale Flexibilität beim Zuschneiden oder der Erstellung von vertikalen Videos für soziale Medien erlaubt. Eine neue De-Squeeze-Funktion erleichtert zudem die Arbeit mit anamorphen Objektiven. Sony hat bereits angekündigt, dass die 4K-240p-Funktionalität im RAW- und Open-Gate-XAVC-I-Modus sowie eine überarbeitete, auf vertikales Filmen ausgerichtete Benutzeroberfläche bis August 2027 per Firmware-Update nachgereicht werden sollen.
Was ist das Besondere an den drei Base-ISO-Werten der Sony FX5?
Die Sony FX5 verfügt über drei native ISO-Einstellungen – 800, 4000 und 12800. Dies ist eine Neuerung im Kamerabau und geht über das übliche Dual-ISO-Konzept hinaus. Die drei Stufen optimieren den Dynamikumfang und das Rauschverhalten für unterschiedlichste Lichtsituationen. Insbesondere die dritte Stufe bei ISO 12800 ermöglicht saubere Nachtaufnahmen ohne nennenswertes Bildrauschen. Für Aufnahmen mit noch höherem Dynamikumfang – Sony gibt bis zu 16 Blendenstufen an – steht ein Dual-Gain-Modus zur Verfügung, der jedoch einen stärkeren Rolling-Shutter-Effekt in Kauf nimmt.
Bildstabilisierung auf Kinoniveau
Während Bildstabilisatoren bei Kinokameras oft fehlen, stattet Sony die FX5 mit einer umfassenden Lösung aus. Eine aktualisierte elektronische Dynamic-Active-Stabilisierung soll selbst beim Gehen ruckelfreie Aufnahmen ermöglichen, abhängig vom verwendeten Objektiv. Bemerkenswert ist, dass Sony einen Service für Puristen anbietet: Auf Wunsch kann der integrierte Bildstabilisator (IBIS) werksseitig irreversibel gesperrt werden, um jegliche Mikrobewegungen des Sensors auszuschließen.
Gehäuse, Bedienung und Anschlüsse
Mit einem Gewicht von rund 735 Gramm ist die FX5 erfreulich leicht und kompakt und erinnert an das Gehäuse der FX3. Dennoch ist sie mit zahlreichen Viertelzollgewindebuchsen für den professionellen Ausbau vorbereitet. Der große Griff orientiert sich an den A7-Modellen von Sony und liegt gut in der Hand. Die Bedienelemente umfassen nummerierte Tasten, eine Anlehnung an die Bedienphilosophie der Canon C50. Der abnehmbare OLEDaa-Sucher löst mit 3,68 Millionen Bildpunkten auf und erreicht eine Spitzenhelligkeit von 2.500 Nits bei breitem Farbraum. Das 3,5-Zoll-Rückdisplay im 16:9-Format ist mit 2,76 Millionen Punkten außergewöhnlich scharf und nutzt Sonys vierachsig schwenkbaren Mechanismus, der sich für Vlogger bewährt hat. Neben Mikrofon- und Kopfhöreranschlüssen, einem vollwertigen HDMI-Port und Ethernet ist die Kamera mit zwei CFexpress- und zwei SDXC-UHS-II-Slots bestückt. Die Stromversorgung übernimmt der aus der A7R VI bekannte Akku NPSA100, der eine Aufnahmedauer von bis zu 130 Minuten ermöglicht.
Preise und Verfügbarkeit
Die Sony FX5 ist ab sofort vorbestellbar. Das Gehäuse allein kostet 4.898 US-Dollar. Ein Kit mit einem Griff, der XLR-Audioanschlüsse bietet, ist für 5.498 US-Dollar erhältlich. Der separat erhältliche Griff schlägt mit 798 US-Dollar zu Buche. Die Auslieferung soll Mitte August beginnen. Für die Zukunft bleibt spannend, ob Sony die Innovationen dieser Kinokamera – insbesondere die Open-Gate- und RAW-Funktionen – in naher Zukunft auch in die spiegellosen Kameras für ambitionierte Filmemacher und Vlogger einfließen lässt.