Nintendos jüngste Ankündigung eines neuen Star-Fox-Spiels für den kommenden Switch 2-Nachfolger hat die Spielewelt in eine freudig-aufgeregte Erwartungshaltung versetzt. Das unter dem schlichten Titel Star Fox angekündigte Projekt ist eine umfassende Neufassung des Klassikers Star Fox 64, erweitert um neue Story-Elemente und einen Mehrspieler-Kampfmodus. Für die treue Fangemeinde, die seit einem Jahrzehnt auf die Rückkehr von Fox McCloud und seinem Team wartet, hätte dieser Moment ein triumphales Comeback sein müssen. Stattdessen entfachte der erste Blick auf das Spiel eine lebhafte und kontroverse Diskussion, die sich weniger um Gameplay-Mechaniken und mehr um eine scheinbar einfache Frage dreht: Ist der neue Fox überhaupt ansehnlich?
Der künstlerische Bruch: Vom cartoonigen Stil zum CG-Realismus
Die Ursache für diese ungewöhnliche Debatte liegt in dem bereits jetzt polarisierenden Kunststil des Spiels. Entgegen vieler Erwartungen, die nach Auftritten der Charaktere in The Super Mario Galaxy Movie auf einen cartoonigeren, freundlicheren Look hofften, entschied sich Nintendo für eine Richtung, die stärker in den Bereich des computeranimierten Realismus tendiert. Die Details sind frappierend: Man kann die einzelnen Haare im Gesicht des alternden Peppy Hare zählen, und Slippy Toad erinnert in seiner glänzenden, feuchten Textur unweigerlich an die Darstellung der Ninja Turtles aus dem Live-Action-Film von 2014. Diese visuelle Neuausrichtung wirkte auf viele Zuschauer des Nintendo Direct zunächst befremdlich und löste eine unmittelbare Welle humoristischer, aber auch kritischer Reaktionen im Netz aus, noch bevor die Präsentation überhaupt zu Ende war.
Die Meme-Kultur reagiert: Von Ugly Sonic bis zum Stoned Fox
Die Netzgemeinschaft ließ sich nicht lange bitten und entwickelte schnell wiedererkennbare visuelle Vergleiche, um ihren Eindruck von Fox McClouds neuem Erscheinungsbild zu beschreiben. Drei Hauptstränge dieser Meme-Kultur haben sich seit der Ankündigung herauskristallisiert. Der wohl häufigste Vergleich zieht eine Parallele zu Sonic the Hedgehog – allerdings nicht zu dem finalen, akzeptierten Design der Kinofilme, sondern zu jenem ursprünglichen, viel gescholtenen „Ugly Sonic“, dessen Aussehen nach dem ersten öffentlichen Aufschrei komplett überarbeitet werden musste. Diese Assoziation signalisiert ein grundlegendes Unbehagen mit der ästhetischen Ausführung.
Noch verheerender ist ein zweiter, ikonischer Vergleich: Der neue Fox wird mit dem sogenannten „Stoned Fox“ in Verbindung gebracht, einer Kunstinstallation der walisischen Künstlerin Adele Morse aus dem Jahr 2012, die ein präpariertes, in einem Sessel sitzendes Fuchs-Exponat zeigt. Die Ähnlichkeit in Haltung und starrem, leicht benommenem Blick ist, so die übereinstimmende Meinung vieler, unheimlich treffend. Ein etwas wohlwollenderer dritter Vergleich sieht in der neuen Optik Anklänge an den ästhetisch anspruchsvollen, an Stop-Motion und Taxidermie erinnernden Stil von Wes Andersons Animationsfilm Der fantastische Mr. Fox. Dieser Vergleich deutet zumindest auf eine künstlerische Absicht hinter den Designs hin, auch wenn die Umsetzung kontrovers bleibt.
Eine Rückbesinnung auf die puppenhafte Serie-Historie
Nach dem ersten Schock der Reaktionen hat sich die Diskussion etwas versachlicht. Bei näherer Betrachtung offenbart sich eine interessante historische Kontinuität. Die Charaktere der Star-Fox-Serie sahen eigentlich schon immer ein wenig eigenartig aus, beginnend mit dem Debüt auf dem Super Nintendo Entertainment System im Jahr 1993. Das Coverartwork des SNES-Spiels zeigte eine etwas unheimlich wirkende Puppe von Fox McCloud, die im Nachhinein betrachtet gar nicht so weit vom „Stoned Fox“ entfernt ist. Die neuen, realistischen Charaktermodelle stellen möglicherweise die bislang konsequenteste Annäherung an eben jene echten Handpuppen dar, die ursprünglich für die Werbung der Serie verwendet wurden.
Nintendo ist diesem puppenhaften Ursprungsdesign in späteren Teilen zwar ausgewichen und verwandelte das Team in zugänglichere Cartoon-Figuren, hat aber immer wieder darauf angespielt. So wurde etwa Star Fox Zero während einer E3-Präsentation im Jahr 2015 in einem Sketch eingeführt, der die Crew erneut als Puppen darstellte. Aus dieser Perspektive betrachtet, könnte man argumentieren, dass die neuen Designs wesentlich näher an der eigentlichen Historie und dem ursprünglichen künstlerischen Impuls der Reihe liegen als die rundliche, familienfreundliche Cartoon-Version, die im Mario-Kinofilm zu sehen war. Es handelt sich also weniger um einen Bruch, sondern vielmehr um eine Rückkehr zu den Wurzeln – eine Rückkehr, deren visuelle Sprache das heutige Publikum jedoch nicht mehr gewohnt ist.
Die unheimliche Talfahrt: Wo der Realismus irritiert
Bedeutet diese historische Rechtfertigung, dass die neue Kunstrichtung makellos ist? Sicherlich nicht. Die gezeigten Ausschnitte wirken nach wie vor unheimlich und stellen die Spieler vor eine emotionale Herausforderung. Fox McClouds teils leerer, in die Ferne gerichteter Blick kann durchaus als seelenlos empfunden werden, Falcos detailliert ausgearbeitetes realitätsnahes Gefieder wirkt auf manche befremdlich, und Slippy Toads permanente Feuchtigkeit ist für viele ein zu intensives Detail. Unter den Neugestaltungen wird Peppy Hare, dessen charakteristische Falten und graues Haar den realistischen Stil gut umsetzen, am ehesten gelobt. Auch der kurze Blick auf den Widersacher Wolf O’Donnell ließ auf ein vielversprechendes Design hoffen. Selbst Takaya Imamura, der ursprüngliche Charakterdesigner der Serie, hat sich laut Medienberichten noch nicht vollständig mit den neuen Entwürfen angefreundet. Letztendlich wird erst das fertige Spiel im bewegten Kontext zeigen, ob die Neugestaltungen als wunderbar ausdrucksstark oder schlichtweg hässlich in die Annalen eingehen.
Das Finale der Debatte steht bevor
Glücklicherweise müssen Spieler und Kritiker nicht allzu lange auf eine finale Bewertung warten. Nintendo hat den Veröffentlichungstermin für das neue Star Fox auf den 25. Juni festgelegt. Bis dahin bleibt der digitalen Gemeinde noch reichlich Zeit, ihre kreativen Memes und Vergleiche zu vervollkommnen. Die Ankündigung hat zweifellos gezeigt, wie emotional und identitätsstiftend das visuelle Erscheinungsbild einer geliebten Videospielreihe sein kann. Ob Nintendos mutiger Schritt in Richtung eines realistischen, puppenhaften Stils als gelungene Hommage an die Vergangenheit oder als ästhetischer Fehltritt gewertet wird, entscheidet sich in wenigen Monaten, wenn Spieler selbst das Steuer der Arwing übernehmen können.