Supermassive Games entlässt 75 Mitarbeiter in dritter Kündigungswelle

Das britische Studio Supermassive Games entlässt in der dritten Welle 75 Mitarbeiter, um die Nachhaltigkeit des Unternehmens zu sichern.

Bereits die dritte Entlassungswelle bei Supermassive Games innerhalb von drei Jahren betrifft 75 Mitarbeiter.
Highlights
  • Supermassive Games hat in drei Jahren drei Kündigungswellen durchgeführt und insgesamt über 200 Stellen abgebaut.
  • Die Entlassungen erfolgen nur drei Monate nach dem Release des Titels Directive 8020 und zeigen die Krisensituation des Studios.
  • Das britische Arbeitsrecht verpflichtet das Unternehmen zu einem Konsultationsverfahren, bevor die Kündigungen rechtskräftig werden.

Das britische Studio Supermassive Games, bekannt für narrative Meisterwerke wie Until Dawn und The Quarry, steht erneut vor einem tiefen Einschnitt: In der dritten Kündigungswelle innerhalb von drei Jahren leitet das Unternehmen ein Konsultationsverfahren ein, das die Entlassung von 75 Mitarbeitern zur Folge haben könnte. Die Ankündigung erfolgt lediglich drei Monate nach dem Release des Science-Fiction-Titels Directive 8020 im Mai 2026 und wirft ein neues Schlaglicht auf die anhaltende Konsolidierungskrise in der Spieleindustrie.

Strukturelle Schrumpfung: Die dritte Welle der Entlassungen

In einem knapp gehaltenen Statement auf Social Media erklärte das Studio, der Schritt sei ein „notwendiger Schritt, um die Nachhaltigkeit des Unternehmens zu sichern“. Die Formulierung liest sich wie ein schon bekanntes Muster. Erst im Juli 2025 hatte Supermassive 36 Stellen gestrichen und die Veröffentlichung von Directive 8020 verschoben, um dem Spiel „mehr Feinschliff“ zu verleihen. Diese Maßnahme folgte auf eine noch größere Welle im Februar 2024, als Berichten zufolge rund 90 Arbeitsplätze eliminiert wurden. Die kumulative Wirkung dieser Kürzungen ist gravierend: Es ist unklar, wie viele Angestellte nach der aktuellen Runde überhaupt noch bei Supermassive verbleiben werden.

Die Logik hinter den Entlassungen: Warum gerade jetzt?

Die Frage, warum ein Studio unmittelbar nach dem Launch eines Titels Personal abbaut, ist naheliegend. Typischerweise werden Entwicklerteams nach der Fertigstellung eines Projekts verkleinert, wenn keine sofortige Anschlussproduktion in gleicher Größe ansteht. Im Fall von Supermassive kommt jedoch eine strategische Volatilität hinzu. Das Studio hat sich mit der The Dark Pictures Anthology auf kurze, filmische Horrorerlebnisse spezialisiert – ein Genre, das zwar eine treue Fangemeinde hat, aber in einem Markt, der von Live-Service-Modellen und Milliarden-Blockbustern dominiert wird, wirtschaftlich fragil ist. Die Verzögerung von Directive 8020 deutet darauf hin, dass Qualitätsmängel oder eine Fehleinschätzung des Marktes korrigiert werden mussten, was die Liquiditätsreserven des Unternehmens zusätzlich belastet haben dürfte.

Die prekäre Lage der narrativen Spieleentwicklung

Der Fall Supermassive ist ein Paradebeispiel für ein strukturelles Problem der Branche. Narrative Spiele, die stark auf Motion-Capturing, Schauspieler mit hohem Bekanntheitsgrad und cineastische Inszenierung setzen, haben extrem hohe Fixkosten. Anders als bei einem Indie-Titel mit Pixelgrafik kann man bei einem Spiel wie The Quarry oder Until Dawn nicht einfach das Budget halbieren, ohne dass die Qualität sichtbar leidet. Die Entlassungswellen zeigen, dass Supermassive seit Jahren versucht, diese Kostenstruktur an die tatsächlichen Erlöse anzupassen.

Besonders brisant ist der Zeitpunkt der dritten Welle. Während in der gesamten Spielebranche seit 2023 Zehntausende Stellen gestrichen wurden, hatten Studios mit starken Marken und treuen Fangemeinden zunächst eine Atempause. Supermassive beweist nun, dass kein Studio gefeit ist – selbst nicht eines, das mit Until Dawn einen modernen Klassiker des Horrorgenres geschaffen hat. Die Abhängigkeit von Veröffentlichungszyklen und der Druck von Publishern führen dazu, dass selbst erfolgreiche Studios immer wieder in eine Phase der Schrumpfung zurückfallen.

Wie funktioniert der Entlassungsprozess in Großbritannien?

Der Begriff „Redundancy Consultation Process“ ist ein formelles Verfahren im britischen Arbeitsrecht. Es handelt sich nicht um eine sofortige Kündigung, sondern um eine Konsultationspflicht, wenn ein Unternehmen plant, eine bestimmte Anzahl von Mitarbeitern zu entlassen. Dieser Prozess zwingt das Management, die Gründe offenzulegen und Alternativen zu prüfen – faktisch ist das Ergebnis aber meistens die Bestätigung der Stellenstreichungen. Die Ankündigung bedeutet, dass die betroffenen 75 Mitarbeiter nun in einer Phase der Unsicherheit leben, während das Unternehmen rechtlich verpflichtet ist, Unterstützung anzubieten.

Welche Zukunft hat Supermassive Games?

Die Entscheidung, Kommunikationsanfragen zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu beantworten, spricht für eine interne Krisensituation. Für die verbleibende Belegschaft stellt sich die drängende Frage, ob das Unternehmen überhaupt noch in der Lage ist, Großprojekte zu stemmen. Nach drei Kündigungswellen ist der Know-how-Verlust immens: Erfahrene Level-Designer, Spezialisten für Motion-Capturing oder narrative Autoren sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt und werden sich nach der dritten Welle gut überlegen, ob sie bei Supermassive bleiben wollen.

Aus strategischer Perspektive bleibt dem Studio nur ein schmaler Grat. Einerseits muss es in kleinere, vielleicht risikoreichere Formate diversifizieren, um von den teuren AAA-Produktionen wegzukommen. Andererseits ist genau das die DNA von Supermassive: cineastische Spiele mit hoher Produktionsqualität. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die verkleinerte Belegschaft diese Identität aufrechterhalten kann oder ob das Studio gezwungen sein wird, sein Geschäftsmodell radikal zu ändern. Der Druck auf den gesamten Sektor des narrativen Gamings ist jedenfalls spürbar gestiegen – und die Stabilität eines Studios wie Supermassive steht stellvertretend für eine ganze Sparte der Unterhaltungsindustrie, die nachhaltigere Finanzierungsmodelle finden muss.

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