Manchmal ist es ein konkretes, brillantes Grundkonzept, das einen Spiel sofort auf die Wunschliste katapultiert – und wenn dieses Konzept dann auch noch konsequent umgesetzt wird, hat man einen potentiellen Hit. Genau dieser Zauber geht von The Crane Rider’s Tale aus, dem nächsten Projekt von Brianna Lei, der Entwicklerin von Butterfly Soup. Die Idee: ein fesselnder Mysteryspiel, in dem man als Kranfahrer gleichzeitig Taxiunternehmer, Detektiv und selbst kranker Ermittler ist. Die visuelle Umsetzung: eine beeindruckende Ästhetik, die von mittelalterlichen chinesischen Gemälden und Holzblockdrucken inspiriert ist. Ein Mix, der Fans von Disco Elysium und Zero Escape mit seiner einzigartigen Geschichte und seinen mechanischen Verknüpfungen besonders ansprechen könnte.
Mystery auf dem Kran: Mourn-No-More und sein Gefährter Snowfall
Im Spiel steuern wir Mourn-No-More, einen gütigen, doch kränklichen Mann, dessen riesiger Reisekran Snowfall das schnellste Transportmittel der Region ist. Nach dem tragischen Tod seines Freundes Peach Blossom nutzt Mourn-No-More diese besondere Fähigkeit nicht nur für seinen altmodischen Taxiservice, sondern auch als Vehikel für die Ermittlungen. Die Spielmechanik lenkt den Fokus auf die Wahl der Passagiere: Wer lässt man auf den Rücken des Kranichs und wer bleibt unten? Diese Entscheidungen sind nicht nur eine praktische Transportlogistik, sondern der Kern der Ermittlung, die auf fünf Hauptenden mit jeweils überraschenden Wendungen führt.
Der Vergleich mit Disco Elysium ist treffend und geht tiefer als nur ein Stilmittel. Dice-Rolls und Skillchecks, die ähnlich dem wegweisenden RPG funktionieren, stehen im Zentrum der Mechanik. Dabei wird auch das Prinzip des produktiven Versagens aufgegriffen – ein gescheiterter Check kann unerwartete, interessante neue Pfade öffnen. Neben diesen Ermittlungsfähigkeiten gibt es auch praktische Skills, wie die Möglichkeit, weiter zu fliegen, was die taktischen Entscheidungen beim Passagier-Taxi noch verstärkt.
Von Disco Elysium bis Zero Escape: Das Spielgefüge im Detail
Die Inspiration von Disco Elysium zeigt sich besonders deutlich im Dialogdesign. Die Aufnahme von Passagieren initiiert Gespräche, deren visuelle Präsentation und Struktur denjenigen aus dem kultigen RPG nachempfunden sind, selbst wenn der narrative Inhalt natürlich ein ganz anderer ist. Nach der sicheren Ankunft am Ziel wechselt das Spiel dann in einen point-and-click-Modus, in dem die Umgebung erkundet und weitere Hinweise gesammelt werden können. Diese Kombination aus narrativem Entscheidungsdruck, RPG-Mechaniken und Erkundungselementen schafft ein komplexes Spielgefüge, das die Referenzen zu Zero Escape im Bereich der verschachtelten Mysterys und multiplen Enden ebenfalls lebendig macht.
Die Ästhetik ist dabei kein bloßes Dekor, sondern ein integraler Teil der Erfahrung. Die holzschnittartige Visualität mittelalterlicher chinesischer Kunst verleiht der Welt eine einzigartige, fast mythische Atmosphäre. Diese kunstvolle Gestaltung bildet den Rahmen für eine Geschichte, die auf den Widersprüchen und Schönheiten einer Kultur aufbaut, wie Brianna Lei in ihren Kickstarter-Reflektionen deutlich macht.
Ein persönliches Projekt: Brianna Leis komplizierte Beziehung zur chinesischen Kultur
Leis Arbeit mit The Crane Rider’s Tale ist mehr als ein rein kommerzielles Projekt. In ihren Kickstarter-Notizen erklärt sie, dass das Spiel zwar ein unterhaltsames Mystery-Adventure ist, aber auch aus ihren komplizierten Gefühlen gegenüber der chinesischen Kultur heraus entsteht. Sie selbst konnte sich mit den romantischen Darstellungen in chinesischen Spielen und Serien aufgrund der staatlichen Verbote explizit homosexueller Charaktere kaum identifizieren. Die konfuzianischen Ideale ihrer Eltern bezüglich kindlicher Pietät und Frauenrolle waren für sie eine persönliche Hürde.
Doch neben diesen Einschränkungen sieht Lei auch die faszinierende Schönheit der Kultur: die Gemälde, die exquisite Tragik und poetische Logik der Legenden, sowie die Welt des Danmei (chinesische Boy-Love-Literatur). Ihr Ziel ist es, eine frische, vorausschauende Geschichte zu kreieren, die sich wie eine alte Volkssage kleidet, die schon immer da war – weil sie sich wünscht, dass sie schon immer da gewesen wäre. Diese persönliche Motivation verleiht dem Projekt eine zusätzliche, narrative Tiefe, die viele Spieler ansprechen kann.
Ein Kickstarter-Projekt mit viel Potenzial
Für Fans von narrativ starken, mechanisch interessanten Spielen mit ungewöhnlicher Ästhetik ist The Crane Rider’s Tale definitiv ein Projekt, das man auf dem Radar haben sollte. Der aktuelle Kickstarter bietet die Möglichkeit, die Entwicklung direkt zu unterstützen und ein Spiel zu fördern, das nicht nur ein cleveres Mystery-Konzept umsetzt, sondern auch eine persönliche, kulturelle Reflektion in sich trägt. Die Kombination aus Kranich-Taxi, RPG-Skillchecks, point-and-click Erkundung und fünf verschiedenen Hauptenden mit Twist verspricht eine dichte, wiederholbare Spielerfahrung. Wer auf diese spezielle Mischung anspringt, kann das Projekt jetzt auf Kickstarter unterstützen.