Volvo ist eine Marke, die lange für sichere Kombis und die darin transportierten Labrador Retriever stand – doch diese Zeiten sind vorbei. Der schwedische Hersteller hat den SUV-Boom längst für sich genutzt. Während der mittelgroße XC60 in den USA das meistverkaufte Modell ist, belegt der Volvo XC40 dort Rang drei und international sogar Platz zwei. Ausgerechnet diesen Bestseller erneuert Volvo nun zum Modelljahr 2028 grundlegend – und streicht zugleich die vollelektrische Version EX40 vom US-Markt.
Volvo XC40: Ein neuer Look für das Bestseller-SUV
Die aktuelle Generation des XC40 stammt aus dem Jahr 2017. 2019 kam mit dem XC40 Recharge die erste vollelektrische Variante hinzu, die 2024 in EX40 umbenannt wurde, um sie in die neue Elektro-Nomenklatur von Volvo einzugliedern – neben EX30, EX60 und EX90. Zum Modelljahr 2028 überarbeiten die Schweden nun sowohl den XC40 als auch den EX40. Das überrascht kaum, schließlich wurde der XC40 2022 nur leicht aufgefrischt, sodass die Unterschiede zwischen den Baujahren schwer zu erkennen waren. Jetzt aber wird die Überarbeitung deutlich sichtbar.
Besonders die Front fällt auf. Die Stoßstange wirkte bisher zerklüftet, mit zahlreichen Ausschnitten und Aussparungen. Nun ist sie deutlich glatter gestaltet. Der charakteristische Thors-Hammer-Scheinwerfer bleibt zwar erhalten, doch die übrigen Lichtelemente sind weitgehend unsichtbar geworden. Das ergibt einen klaren, fast minimalistischen Auftritt, der dem kompakten SUV einen moderneren Charakter verleiht.
Schlichtere Designs: XC40 und EX40 werden optisch fast identisch
Auch Motorhaube und Kotflügel haben die Designer neu modelliert. Das Heck passt sich der neuen Front an, sodass sich das gesamte Erscheinungsbild aufräumt. Im Schatten sind die Unterschiede zum Vorgänger kaum wahrnehmbar, doch bei Tageslicht zeigt sich ein deutlich eleganteres Gesamtbild. Der elektrische EX40 erhält exakt dieselben Änderungen. Wer die beiden SUV nebeneinanderstellt, wird sie auf den ersten Blick kaum unterscheiden können. Einziger äußerlicher Hinweis ist der Kühlergrill: Beim EX40 besteht er aus einer flachen, karosseriefarbenen Blende, während der XC40 mit diagonalen Schlitzen spielt, die das Volvo-Logo und dessen Pfeil nach rechts oben betonen.
Neue Technik: 11,2-Zoll-Display und Google Gemini
Im Innenraum hat Volvo die Veränderungen etwas dezent gehalten. Am deutlichsten zeigt sich das an einem neuen, größeren Bildschirm, der auf der Mittelkonsole thront. Er wirkt wie aufgesetzt, da er nicht mehr wie bisher in eine Vertiefung zwischen den Lüftungsdüsen eingebettet ist, sondern aufrecht über das Dashboard hinausragt. Das ist kein Nachteil: Das Display misst nun 11,2 Zoll statt der bisherigen 9 Zoll und bietet damit deutlich mehr Fläche für Navigation, Medien und Fahrzeugeinstellungen.
Dahinter arbeitet die neueste Version von Android Automotive mit Google Gemini. Der KI-Assistent kann nicht nur die Sprachsteuerung übernehmen, sondern auch Fahrzeugeinstellungen anpassen und das Infotainment komplett bedienen. Wer etwa ein Restaurant in der Nähe sucht, bekommt auf Wunsch auch Zusammenfassungen der glutenfreien oder vegetarischen Speisekarte. Und wer Zeit mitbringt, erhält Routenvorschläge, die an landschaftlich reizvollen Orten vorbeiführen. Neu ist das nicht unbedingt: Volvo hat Gemini bereits vor einiger Zeit in den meisten Modellen eingeführt. Doch in Kombination mit dem großzügigen Display und der gelungenen Materialauswahl bleibt das Interieur des XC40 eines der angenehmsten in diesem Segment.
Verbesserte Sicherheit: Mehr Sensoren, mehr Assistenz
Die vielleicht bedeutendsten Neuerungen stecken unter der Karosserie. Volvo stattet den überarbeiteten XC40 und EX40 mit einem verbesserten Sensorpaket aus. Dazu gehören hochauflösende Kameras ringsum, Ultraschallsensoren in den Stoßfängern und aktualisierte Radarsensoren. Diese Technik ermöglicht erstmals in dieser Klasse eine detaillierte 3D-Ansicht des Fahrzeugs, die bisher größeren und teureren Volvo-Modellen vorbehalten war. Auch der Pilot Assist wurde erweitert: Das Assistenzsystem beherrscht nun einen automatischen Spurwechsel. Der weiterhin hands-on arbeitende Spurhalteassistent und der adaptive Tempomat profitieren ebenfalls von der neuen Sensorik. Die zentrale Sicherheitssteuerung hat mehr Rechenleistung und ist per Over-the-Air-Update aktualisierbar – so könnte Volvo später weitere Assistenzfunktionen nachrüsten.
Wer nun auf Systeme hofft, bei denen die Hände dauerhaft vom Lenkrad genommen werden dürfen, wird allerdings enttäuscht. Volvo-Chef Håkan Samuelsson hat mehrfach klargestellt, dass der Hersteller es nicht eilig hat, Funktionen wie BMWs Highway Assistant oder Teslas Full Self-Driving einzuführen. Der Fahrer soll aufmerksam bleiben und das Sicherheitsversprechen von Volvo nicht verwässert werden.
Adieu EX40: Volvo streicht den Elektro-SUV in den USA
Die traurigste Nachricht dieses Updates betrifft den EX40. Während Volvo den elektrischen Kompakt-SUV international weiterhin anbietet und mit dem überarbeiteten Design versieht, wird er in den USA künftig nicht mehr erhältlich sein. Die Amerikaner bekommen ausschließlich den XC40 in der Ausstattungsvariante B5. Dahinter steckt ein 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 247 PS und 266 lb-ft Drehmoment. Ein Achtgang-Automatikgetriebe und ein kleiner Elektromotor unterstützen den Antrieb; der kombinierte Verbrauch liegt bei 27 mpg – das entspricht etwa 8,7 Litern auf 100 Kilometern nach US-Norm.
Warum verschwindet der EX40 aus den USA?
Volvo nennt offiziell keine Gründe, doch die Kombination aus verhaltenen Verkaufszahlen und der Produktion im Ausland dürfte den Ausschlag gegeben haben. Der EX40 wird nicht in den USA hergestellt, während andere Volvo-Modelle für den US-Markt lokal gebaut werden. Bereits der kleinere EX30 wurde vom amerikanischen Markt genommen. Immerhin bleibt Volvo das Schicksal der Schwestermarke Polestar erspart, die im kommenden Jahr in den USA keine Fahrzeuge mehr verkaufen darf.
Ausblick: Verbrenner als Brückentechnologie
Mit der Entscheidung, den EX40 in den USA zu streichen, während er international weiterlebt, zeigt Volvo einmal mehr, wie unterschiedlich sich die Märkte entwickeln. Die Elektro-Offensive des Unternehmens ist ungebrochen, doch die Nachfrage in den USA schwankt. Der überarbeitete XC40 mit Verbrenner könnte daher als Brückentechnologie dienen, bis auch dort die Akzeptanz für Elektro-SUVs wächst. Die Preise für den neuen XC40 stehen noch nicht fest, und die Auslieferung soll erst Anfang nächsten Jahres beginnen. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob Volvo die Entscheidung für den US-Markt nicht doch noch einmal überdenkt – zumal der internationale Markt zeigt, dass der EX40 durchaus Potenzial hat.