EA entlässt Mitarbeiter in Recruiting, Kundenservice, Sicherheit und IT

Nach milliardenschwerer Übernahme streicht der Publisher Stellen in Schlüsselabteilungen – ein Widerspruch zu früheren Beteuerungen.

Die aktuelle Entlassungswelle bei EA betrifft Recruiting, Kundenservice, Trust & Safety sowie die IT-Abteilung.
Highlights
  • Die Entlassungen bei EA erfolgen nur Monate nach der Zusicherung des Managements, es werde keine sofortigen Änderungen geben.
  • Trotz Erfolgen wie Battlefield 6 mit Millionenverkäufen ist ein Leveraged Buyout der eigentliche Treiber des Personalabbaus.
  • Der Verkauf von EA an ein Konsortium um den saudi-arabischen Staatsfonds PIF gilt als größter fremdfinanzierter Unternehmenskauf der Geschichte.

Erst im Oktober hatte Electronic Arts seinen Mitarbeitern versichert, dass die milliardenschwere Übernahme durch ein Investorenkonsortium keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Belegschaft haben werde. Acht Monate später ist das Gegenteil der Fall: Der Publisher leitet eine weitere Entlassungswelle ein, die diesmal zentrale Bereiche wie Recruiting, Kundendienst und IT trifft. Der Widerspruch zwischen damaliger Ankündigung und heutiger Realität dürfte für tiefe Verstimmung in den betroffenen Teams sorgen.

Welche Abteilungen sind von den Kürzungen betroffen?

Laut übereinstimmenden Berichten und öffentlichen Statements betroffener Mitarbeiter konzentrieren sich die aktuellen Stellenstreichungen auf die Bereiche Recruiting, Kundenservice (Fan Care), Trust & Safety sowie die IT-Abteilung. Die genaue Zahl der gekündigten Mitarbeiter ist nicht bekannt, die Hinweise verdichten sich jedoch, dass es sich um eine nennenswerte Reduzierung handelt.

Die interne Kommunikation gegenüber der Fan-Care-Abteilung erfolgte offenbar schriftlich. In einer E-Mail des Abteilungsleiters hieß es, das Unternehmen müsse sich an die „sich ändernden Bedürfnisse der Spieler“ anpassen. Man werde Rollen verändern, neue schaffen und bestimmte Aufgaben an andere Teams, Standorte oder Dienstleister verlagern.

Widerspricht die Entlassungswelle den früheren Aussagen des Managements?

Ja, der Zeitpunkt und die Natur der Kürzungen stehen in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu früheren Aussagen. Nach der Bekanntgabe der Übernahme im September hatten Führungskräfte betont, es werde keine „sofortigen Änderungen“ in der Belegschaft geben. Die nun erfolgten Entlassungen – nur wenige Monate später – lassen Zweifel an der Verbindlichkeit dieser Zusicherung aufkommen.

Warum kommt es trotz erfolgreicher Spiele zu Entlassungen?

Diese Frage stellt sich insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Erfolge. Der Shooter Battlefield 6 verkaufte sich in den ersten drei Tagen nach Release im Oktober 2025 über sieben Millionen Mal, wurde in den USA zum meistverkauften Spiel des Jahres gekürt und gewann den Game of the Year Award bei den UKIE Video Game Awards. Dennoch wurden bereits im März Stellen in vier Studios gestrichen, die an diesem Titel arbeiteten. Auch das Team von Full Circle, dem Entwickler des Skating-Spiels Skate, war von Kürzungen betroffen.

Der eigentliche Treiber dürfte in der Struktur der Übernahme liegen. Das Investorenkonsortium, bestehend aus dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF, Silver Lake und Affinity Partners, finanziert den 55 Milliarden US-Dollar schweren Deal maßgeblich über Fremdkapital – einen sogenannten Leveraged Buyout (LBO). Um die hohen Schulden zu bedienen und die erwarteten Renditen zu erwirtschaften, sind Kostensenkungsprogramme oft die erste Maßnahme.

Die Rolle der Investoren und der Druck des LBO

Der Verkauf von Electronic Arts an ein Konsortium um den saudi-arabischen Staatsfonds PIF gilt als der größte fremdfinanzierte Unternehmenskauf der Geschichte. Bei solchen Konstruktionen wird die erworbene Firma selbst häufig mit Schulden belastet, was den Druck auf das Management erhöht, die Margen zu verbessern. Personalabbau in administrativen Bereichen wie Recruiting und IT ist eine klassische Stellschraube, um kurzfristig Kosten zu senken, birgt aber das Risiko, langfristig die operative Leistungsfähigkeit zu schwächen.

Ausblick: Was bedeutet das für die Zukunft von EA?

Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet die aktuelle Entwicklung eine Phase erneuter Unsicherheit. Für Electronic Arts selbst stellt sich die Herausforderung, die Einschnitte im Kundenservice und in der IT zu kompensieren, ohne die Qualität für die Spieler merklich sinken zu lassen. Die gesamte Spielebranche beobachtet die Entwicklung bei EA mit großer Aufmerksamkeit. Der Umgang mit den Folgen des historischen LBO könnte richtungsweisend dafür sein, wie Spielekonzerne unter dem Druck finanzstarker Investoren agieren – und ob dauerhafter Erfolg am Markt vor Rationalisierungswellen schützen kann.

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