Steuerungssysteme in jedem fünften Rechenzentrum sind angreifbar

Eine aktuelle Analyse von Claroty zeigt, dass jedes fünfte Rechenzentrum Sicherheitslücken in Steuerungssystemen aufweist.

20 Prozent der Steuerungssysteme in Rechenzentren sind über riskante Internetverbindungen erreichbar.
Highlights
  • Claroty untersuchte über 750.000 cyberphysische Systeme in den weltweit größten Rechenzentren.
  • 41 Prozent der betroffenen Systeme sind Stromverteilungseinheiten, gefolgt von Kühlsystemen mit 32 Prozent.
  • 88 Prozent der Gebäudemanagementsysteme kommunizieren über unsichere Protokolle ohne Authentifizierung.

Die Sicherheit von Rechenzentren wird zunehmend zu einer strategischen Frage für Betreiber und gesamte Volkswirtschaften. Eine aktuelle Analyse des Sicherheitsunternehmens Claroty belegt, dass Steuerungssysteme in jedem fünften Rechenzentrum angreifbar sind – oft genügt ein einziger Netzwerksprung, um kritische Infrastruktur zu erreichen.

Steuerungssysteme in jedem fünften Rechenzentrum sind angreifbar

Die Forschungsabteilung Team82 von Claroty untersuchte mehr als 750.000 cyberphysische Systeme in den weltweit größten Rechenzentren. Das Ergebnis: 20 Prozent der Steuerungs- und Automatisierungssysteme befinden sich nur einen Hop von einer riskanten Verbindung zum öffentlichen Internet entfernt. Besonders betroffen sind Stromverteilungseinheiten (PDUs) mit 41 Prozent sowie Kühlsysteme mit 32 Prozent. Ein realer Fall aus April 2026 untermauert die Bedrohungslage: Die Hacktivisten-Gruppe Killnet verschaffte sich Zugriff auf rund 120.000 unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) im französischen Stor-Rechenzentrum und beim Zulieferer Alpha Technologies.

Gebäudemanagementsysteme als Einfallstore für Angreifer

Die Analyse offenbart strukturelle Schwachstellen in der technischen Gebäudeausrüstung. Bei Gebäudemanagementsystemen (BMS) sind 88 Prozent über unsichere Protokolle erreichbar, 40 Prozent laufen zusätzlich mit veralteter Firmware. Mehr als 80 Prozent der Systeme für Operational Technology (OT), Stromüberwachung und das Internet der Dinge (IoT) kommunizieren über veraltete Protokolle wie Bacnet und Modbus – beide kommen ohne Authentifizierung aus. Besonders alarmierend: 83 Prozent der Rechenzentren setzen bei OT-Systemen auf Modbus, und 23 Prozent der IoT-Geräte weisen bereits bekannte, aktiv ausgenutzte Sicherheitslücken (Known Exploited Vulnerabilities, KEV) auf. Diese Technologien stammen aus Umgebungen mit langen Lebenszyklen und älteren Kommunikationsprotokollen, die nie für moderne Sicherheitsanforderungen konzipiert wurden.

Vier Maßnahmen zur Härtung der Steuerungssysteme

Claroty leitet aus den Daten konkrete Handlungsempfehlungen für Betreiber ab. Diese umfassen:

  • Kontinuierliches Exposure Management zur Erfassung interner Angriffspfade
  • Zero-Trust-Netzwerksegmentierung zur Eindämmung lateraler Bewegungen
  • Gezielte Härtung der Gebäudemanagementsysteme
  • Protokollbasierte Bedrohungserkennung

Amir Preminger, CTO von Claroty, betont, dass Rechenzentren sich zur kritischen Infrastruktur entwickelt haben. Angreifer erkennen den Wert, den eine Betriebsstörung mit sich bringt. Der Schutz der Datacenter gewinnt vor dem Hintergrund des KI-Booms sowie der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit an gesellschaftlicher Bedeutung. In Deutschland verschärft das KRITIS-Dachgesetz die Anforderungen an die Resilienz kritischer Anlagen – Betreiber müssen die Steuerungssysteme daher nicht mehr als isolierte OT-Netze betrachten, sondern als integralen Bestandteil der gesamten Sicherheitsarchitektur.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass die lange vernachlässigte Gebäudeleittechnik heute zu den größten Sicherheitsrisiken in Rechenzentren zählt. Mit der fortschreitenden Vernetzung und dem Einzug von IoT-Komponenten wächst die Angriffsfläche weiter. Werden Stromversorgung, Kühlung und Gebäudemanagement nicht konsequent in die Sicherheitsstrategie einbezogen, drohen Ausfälle mit potenziell verheerenden Folgen für die digitale Wirtschaft und kritische Dienste. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Betreiber die notwendigen Investitionen in die Härtung ihrer Steuerungssysteme tätigen – oder ob die nächste Angriffswelle die Risiken auf dramatische Weise sichtbar macht.

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