Patrice Désilets, der kreative Kopf hinter der ersten Assassin’s Creed und langjährige Visionär unkonventioneller Spiele, hat überraschend eine Rückkehr zu seinem Survival-Spiel Ancestors angedeutet. Der Entwickler, der zuletzt mit dem ambitionierten Actiontitel 1666: Amsterdam beschäftigt war, scheint damit den Fokus wieder auf die evolutionäre Reise der Menschheit zu lenken – ein Projekt, das bei seinem Erscheinen 2019 zwar polarisierte, aber eine treue Fangemeinde gewann. Diese Ankündigung, die über persönliche Kanäle verbreitet wurde, wirft sofort die Frage auf: Was genau plant Désilets mit Ancestors und was bedeutet das für die Zukunft seines Studios Panache Digital Games?
Die Rückkehr zu den Wurzeln: Was bedeutet Ancestors für Désilets?
Désilets hat sich nie gescheut, Risiken einzugehen. Nach seinem Ausstieg bei Ubisoft und der Gründung von Panache Digital Games verfolgte er mit Ancestors: The Humankind Odyssey einen radikalen Ansatz: Statt eines linearen Abenteuers lieferte er eine offene Simulation der frühen Menschheitsentwicklung, in der der Spieler als Affe über Jahrmillionen hinweg intelligenter wird, Werkzeuge entdeckt und soziale Strukturen aufbaut. Das Spiel war kein kommerzieller Blockbuster, aber es etablierte Désilets als Entwickler, der Mechaniken über Storytelling stellt – eine Philosophie, die er bereits bei Assassin’s Creed verfolgte, dort jedoch in einen narrativen Rahmen einbettete. Die Andeutung einer Rückkehr deutet darauf hin, dass er das unvollendete Potenzial dieser Welt noch nicht ausgeschöpft sieht.
Ancestors: The Humankind Odyssey – Ein Überblick für Neueinsteiger
Für alle, die das Spiel nicht kennen: Ancestors: The Humankind Odyssey ist ein Third-Person-Survival-Spiel, das die Evolution der Hominiden von einer frühen Affenart bis zur Entwicklung des Homo sapiens simuliert. Der Spieler steuert einen einzelnen Affen oder eine Gruppe, lernt durch Versuch und Irrtum, welche Nahrung giftig ist, wie man Raubtiere abwehrt und neue Gebiete erschließt. Das Herzstück ist das neuronale Netzwerk des Gehirns: Neue Fähigkeiten werden freigeschaltet, indem der Affe bestimmte Aktionen wiederholt – etwa Steine wirft oder Äste als Werkzeuge einsetzt. Das Spiel verzichtet auf traditionelle Questmarker oder Dialoge; die gesamte Entdeckung erfolgt durch eigenständiges Erkunden und Beobachten. Diese radikale Designentscheidung machte es zu einem Liebling von Hardcore-Spielern, die eine echte Herausforderung suchen, während es Gelegenheitsspieler oft überforderte.
Warum jetzt? Die Entwicklung von 1666: Amsterdam und der Status von Panache Digital
Die Nachricht kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Désilets‘ anderes Großprojekt, 1666: Amsterdam, seit Jahren in der Schwebe hängt. Ursprünglich als Open-World-Actionspiel im historischen Amsterdam angekündigt, das eine Mischung aus Stealth, Kämpfen und übernatürlichen Elementen bieten sollte, wurde das Projekt nach der Übernahme von THQ durch Ubisoft eingestellt. Désilets hatte zwischenzeitlich die Rechte zurückerworben, aber seit 2020 gab es kaum Neuigkeiten. Statt sich weiter in diesem komplexen, möglicherweise blockierten Projekt zu verlieren, scheint er nun einen pragmatischen Schritt zu machen: die Rückkehr zu einem bereits etablierten, aber ausbaufähigen Universum. Dies könnte bedeuten, dass Panache Digital Games entweder eine Erweiterung, eine vollständige Fortsetzung oder sogar eine überarbeitete Neuauflage von Ancestors plant. Angesichts der aktuellen Marktsituation, in der Survival-Spiele wie Green Hell oder The Forest weiterhin erfolgreich sind, wäre ein zweiter Teil durchaus strategisch sinnvoll.
Welche konkreten Hinweise gibt es auf die Rückkehr?
Désilets selbst hat in seinem Statement keine Details genannt – weder einen Zeitplan noch eine Plattform. Er sprach lediglich von einem „erneuten Eintauchen in die Welt der Urahnen“ und dass „die Affen noch nicht vergessen sind“. Für aufmerksame Beobachter ist dies jedoch mehr als eine vage Andeutung. Bereits im vergangenen Jahr hatte Panache Digital Games auf ihrer Website Stellenausschreibungen für „Senior Level Designer“ und „Gameplay Programmer“ veröffentlicht, die auf ein neues Third-Person-Survival-Spiel hindeuteten. In Kombination mit Désilets‘ Aussage verdichtet sich das Bild, dass ein neues Ancestors-Projekt in der Vorproduktion steckt. Auch die Community in den offiziellen Foren spekuliert lebhaft über eine mögliche Fortsetzung, die die Mechaniken des ersten Teils verfeinern und die Evolution bis in die Altsteinzeit vorantreiben könnte.
Die Bedeutung für die Spieleindustrie und die Fans
Eine Rückkehr zu Ancestors wäre nicht nur ein persönliches Projekt für Désilets, sondern auch ein Statement für Nischenspiele in einer von Mainstream-Titeln dominierten Branche. Der Erfolg von Assassin’s Creed hat ihn weltberühmt gemacht, doch sein Herz schlägt offenbar für experimentelle, lehrreiche und zeitlose Konzepte. Die Evolution des Menschen als Spielmechanik zu nutzen, ist ein Alleinstellungsmerkmal, das kaum ein anderer Entwickler so konsequent umgesetzt hat. Sollte Panache Digital Games nun eine Fortsetzung oder ein Update liefern, könnten sie damit eine Lücke schließen, die nach dem ersten Teil noch offen war: eine tiefere Simulation des sozialen Zusammenlebens der Hominiden, eine verbesserte KI der Tierwelt und eine größere spielerische Freiheit.
Was können Spieler erwarten?
Wenn Désilets seinen Ansatz treu bleibt, wird ein neues Ancestors-Spiel erneut auf Entdeckung und Eigeninitiative setzen, anstatt auf lineare Handlungsstränge. Möglicherweise wird der Zeitrahmen erweitert: Statt nur bis zum Homo erectus zu reichen, könnte die Entwicklung bis zum modernen Menschen oder sogar in eine alternative evolutionäre Richtung führen. Das Konzept des neuronalen Netzwerks ließe sich um soziale Fähigkeiten wie Sprache erweitern, was die Komplexität exponentiell steigern würde. Auch die Grafik und die physikalische Simulation der offenen Welt könnten von moderner Hardware profitieren – ein technischer Sprung, der den immersiven Charakter des Spiels weiter stärken würde. Für die Fans des ersten Teils ist dies eine aufregende Perspektive, denn sie zeigt, dass Désilets nicht aufgegeben hat, seine Vision einer authentischen Menschwerdung zu verwirklichen.
Ob die Rückkehr zu Ancestors tatsächlich in einer Veröffentlichung mündet, bleibt abzuwarten. Doch die bloße Andeutung eines kreativen Kopfes wie Patrice Désilets reicht aus, um die Vorfreude in der Community zu entfachen. In einer Zeit, in der viele Studios auf bewährte Franchises setzen, könnte dieser Schritt zeigen, dass auch unkonventionelle Ideen eine zweite Chance verdienen – und dass die Geschichte der Menschheit noch lange nicht zu Ende erzählt ist.