Ein neuartiger Treiber-Hack verwandelt günstige Mining-Boards in Gaming-Kraftpakete und übertrifft dabei sogar die Grafikleistung einer Basis-PS5. Die ASRock BC-250, ein Derivat der PlayStation-5-Architektur, wurde ursprünglich für den Kryptowährungs-Abbau konzipiert. Dank eines Eingriffs auf Treiberebene lassen sich nun alle 40 Recheneinheiten (Compute Units, CUs) des integrierten SoC freischalten – und das zu einem Bruchteil des Preises einer vergleichbaren Grafikkarte.
Herkunft und Architektur: Die ASRock BC-250 im Detail
Seit Ende 2025 tauchen die ASRock BC-250-Mining-Boards vermehrt auf dem internationalen Gebrauchtmarkt auf, insbesondere auf Plattformen wie eBay. Der Preis liegt meist unter 150 US-Dollar. Die Besonderheit dieser Karten ist ihr SoC, der auf einem B-Grade-Die der PlayStation 5 basiert. Sony und ASRock nutzen diese Chips, um defekte oder nicht voll funktionsfähige Kerne zu umgehen – werksseitig sind daher nur 24 der insgesamt 40 CUs aktiviert. Das Board selbst verfügt über 16 GB GDDR6 als einheitlichen Arbeitsspeicher, eine Besonderheit, die es von herkömmlichen Grafikkarten abhebt und den Aufbau schlanker Gaming-Systeme mit Linux-Distributionen wie Bazzite erleichtert.
Der Hack: Wie der CU-Unlock funktioniert
Der unter dem Pseudonym duggasco auf GitHub veröffentlichte Patch greift direkt in die Hardware-Register des SoC ein. Über einen speziellen Kernel-Modul-Parameter wird dem GPU-Treiber beim Systemstart ein Befehl übergeben, der die Aktivierung der 16 standardmäßig deaktivierten CUs erzwingt. Der Eingriff erfolgt auf Treiberebene und erfordert keine physikalischen Modifikationen an der Platine. Das Verfahren wirkt direkt auf zwei spezifische Register, die die Konfiguration der Compute Units steuern.
Der Patch erlaubt zudem die Auswahl zwischen 32, 38 oder allen 40 CUs. Diese Flexibilität ist besonders für jene Nutzer relevant, deren Chip nicht alle 40 Einheiten in einwandfreiem Zustand aufweist. Der Nutzer kann so individuell testen, welche Konfiguration stabil läuft, und vermeidet die Abhängigkeit von der sogenannten Silizium-Lotterie.
Leistungssteigerung: Spiele im Benchmark-Vergleich
Der YouTuber ETA Prime hat die Leistungsfähigkeit des Hacks in einem ausführlichen Test unter Linux dokumentiert. Die Messungen erfolgten in 1080p-Auflösung bei hohen Grafikeinstellungen und einer GPU-Taktrate von 2 GHz. Die folgende Tabelle zeigt den Unterschied zwischen der Standard-Konfiguration mit 24 CUs und dem vollständigen Unlock auf 40 CUs.
- Cyberpunk 2077: 36 FPS (24 CUs) → 42 FPS (40 CUs) = +17 Prozent
- Hitman 3: 58 FPS (24 CUs) → 69 FPS (40 CUs) = +19 Prozent
- GTA 5: 58 FPS (24 CUs) → 72 FPS (40 CUs) = +24 Prozent
- Spider-Man 2: 36 FPS (24 CUs) → 46 FPS (40 CUs) = +28 Prozent
Der maximale Zugewinn von 28 Prozent in Spider-Man 2 verdeutlicht das Potenzial der Freischaltung. Auch wenn die absoluten Frame-Raten in sehr anspruchsvollen Titeln wie Cyberpunk 2077 mit 42 FPS noch moderat ausfallen, zeigt sich, dass das Board mit dem Unlock die Leistung einer PlayStation 5 Basisversion übertrifft. In älteren oder optimierten Titeln wie GTA 5 werden flüssige 72 FPS erreicht.
Stromverbrauch und Kühlung: Worauf Anwender achten müssen
Mit der Aktivierung aller 40 CUs steigt auch die Leistungsaufnahme. Der Patch erhöht den Stromverbrauch des Boards auf etwa 125 Watt bei einer Taktrate von 1.500 MHz. Um die Temperaturen im sicheren Bereich zu halten, empfiehlt die GitHub-Dokumentation ein Undervolting auf 900 mV bei gleichem Takt. Überraschend ist, dass viele Nutzer den Chip auf 2 GHz übertakten, was die Kühlung jedoch deutlich stärker fordert. In diesem Fall ist eine verbesserte Wärmeabfuhr oder ein leistungsfähigerer Lüfter dringend anzuraten, um thermische Überlastung zu vermeiden.
Marktkontext: Mining-Boards als Gaming-Alternative
Die ASRock BC-250 ist kein Einzelfall. In Zeiten von Knappheit und hohen Preisen für dedizierte Grafikkarten rücken solche Mining-Boards zunehmend in den Fokus von DIY-Enthusiasten. Der Verzicht auf separaten Arbeitsspeicher und die Integration von 16 GB GDDR6 als Unified Memory machen die Karte zu einer kompakten Basis für sparsame Spiele-PCs. Linux-Distributionen wie Bazzite, die speziell für Gaming optimiert sind, lassen sich ohne großen Aufwand einrichten und bieten eine brauchbare Spielerfahrung.
Die Community um Creator wie ETA Prime und Entwickler wie duggasco treibt die Erschließung dieser Hardware weiter voran. Der hier dokumentierte Hack ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich abseits des Mainstream-Marktes durchaus leistungsfähige Komponenten für alternative Einsatzzwecke finden lassen. Es bleibt abzuwarten, ob weitere Mining-Boards oder Konsolen-Derivate in ähnlicher Weise erschlossen werden – und wie Hersteller wie ASRock auf diese Entwicklung reagieren.