X entdeckt chinesische Bot-Farm mit Anti-AI-Datencenter-Inhalten

X deckt eine chinesische Bot-Farm auf, die mit Anti-KI-Datencenter-Propaganda die öffentliche Debatte in den USA zu beeinflussen versuchte.

Rund 200 Konten der Bot-Farm verbreiteten gezielt Anti-KI-Datencenter-Inhalte, X sperrte alle Profile.
Highlights
  • Die chinesische Bot-Farm umfasste etwa 200.000 Konten, davon 200 mit spezifischer Anti-KI-Agenda.
  • Reale Strompreissteigerungen von bis zu 267 Prozent wurden von der Kampagne vereinfacht dargestellt.
  • OpenAI meldete den Fall bereits im Juni, X zog erst jetzt mit Kontosperrungen nach.

X hat eine chinesische Bot-Farm aufgedeckt, die Anti-KI-Datencenter-Inhalte verbreitete. Das Safety-Team der Plattform identifizierte rund 200.000 mutmaßlich nicht authentische Konten, von denen sich etwa 200 gezielt an der Debatte über KI-Datencenter, Strompreise und Netzbelastung in den USA beteiligten. Die Abteilung für globale Regierungsangelegenheiten von X warf ihnen vor, in einer Weise zu posten, die eine legitime Debatte über die amerikanische KI- und Energiepolitik manipulieren könnte.

Chinesische Bot-Farm verbreitete Anti-KI-Datencenter-Inhalte

Die von X entdeckten Konten posteten Behauptungen, wonach KI-Datencenter die Strompreise für Haushalte in die Höhe treiben und lokale Stromnetze übermäßig belasten. Einige Profile verbreiteten zusätzlich KI-generierte Cartoons, die Betreiber von Datencentern als Profiteure darstellten, während normale Haushalte die Kosten tragen. Ein Bild zeigte Entwickler mit vollen Geldtüten und der Bildunterschrift: „Datencenter werden subventioniert, während wir die Rechnung bezahlen!“

X machte keine Angaben dazu, wie die Konten konkret nach China zurückverfolgt wurden. Auch zu den Inhalten der übrigen rund 199.800 Konten der größeren Bot-Farm blieb das Unternehmen vage. Es sperrte jedoch alle Konten, die gegen die Authentizitätsrichtlinien verstoßen hatten. „Wir sind weiterhin bestrebt, eine offene und authentische Plattform zu erhalten, auf der Menschen über Themen von öffentlichem Interesse diskutieren. Wir nehmen jeden Versuch ernst, die Integrität des globalen Dorfplatzes zu untergraben“, erklärte X.

Was ist eine Bot-Farm?

Eine Bot-Farm ist ein Netzwerk automatisiert geführter Social-Media-Konten, die zentral koordiniert werden, um bestimmte Botschaften zu verbreiten. X identifizierte in diesem Fall rund 200.000 solcher Konten, wobei eine Teilgruppe von etwa 200 Profilen speziell für Anti-KI-Datencenter-Inhalte eingesetzt wurde. Das Ziel solcher Farmen ist es, Debatten zu verzerren, Meinungen zu verschieben und politische Entscheidungen indirekt zu beeinflussen.

Wie funktioniert eine solche Desinformationsoperation?

Typischerweise werden zunächst massenhaft Konten erstellt, oft mit KI-generierten Profilbildern und authentisch wirkenden Biografien. Anschließend werden die Profile mit neutralen Inhalten befüllt, um wie echte Nutzer zu wirken. Sobald genug Vertrauen aufgebaut ist, verstärken die Konten gezielt politische Botschaften, teilen Memes und kommentieren aktuelle Themen. Die Betreiber verschleiern ihre Identität dabei häufig über VPNs und Proxy-Dienste.

Realität hinter der Kampagne: Strompreise und Netzauslastung

Die Sorgen, die in den Beiträgen aufgegriffen werden, haben einen realen Kern. KI-Datencenter benötigen enorme Mengen an Elektrizität – nicht nur für den Betrieb der Server, sondern auch für die Kühlung. In Regionen mit großer Datencenter-Dichte sind die Strompreise bereits deutlich gestiegen: Dokumentierte Preiserhöhungen von bis zu 267 Prozent in der Nähe großer Anlagen belegen den Druck auf die Netze. Goldman Sachs ermittelte darüber hinaus einen Anstieg der Strompreise um 6,9 Prozent im Jahresvergleich, Stand Februar 2026. Mit dem weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur werden zusätzliche Preissteigerungen erwartet.

Die Kampagne nutzt diese realen Entwicklungen, stellt sie aber vereinfacht dar: Sie zeichnet das Bild einer einseitigen Umverteilung von Privathaushalten zu Konzernen. Ausgeblendet werden dabei wirtschaftliche Vorteile wie neue Arbeitsplätze, Gewerbesteuern und Investitionen in die Netzinfrastruktur. Genau diese Vereinfachung macht die Desinformation wirksam, weil sie vorhandene Ängste aufgreift und in ein simples Feindbild übersetzt.

Parallelen zu OpenAIs Bericht über Einflussoperationen

Die Vorgänge ähneln auffällig einem Fall, den OpenAI bereits im Juni meldete. Das Unternehmen entdeckte eine Gruppe von ChatGPT-Konten, die mutmaßlich aus China stammten und ähnliche Inhalte gegen KI-Datencenter erzeugten – darunter auch einige derselben Illustrationen, die nun bei X auftauchten. Die Konten verwendeten überwiegend vereinfachtes Chinesisch in den Eingabeaufforderungen, forderten aber häufig englischsprachige Ausgaben an. Um die Zugriffsbeschränkungen für das chinesische Festland zu umgehen, setzten sie VPN-Dienste ein.

Die inhaltlichen Überschneidungen sprechen für eine koordinierte Vorgehensweise. Unterschiedliche Plattformen wurden offenbar genutzt, um dieselbe Botschaft zu verbreiten. Dass die gleichen KI-generierten Bilder auftauchten, deutet auf gemeinsame Vorlagen oder eine geteilte Infrastruktur der verantwortlichen Akteure hin. OpenAI meldete den Fall bereits im Juni, X sperrte nun die auffälligen Profile – eine öffentlich abgestimmte Strategie der Plattformen ist darin jedoch nicht zu erkennen.

Offene Fragen und die Lage in Europa

Unklar bleibt, wer die Bot-Farm aufgebaut hat und ob es sich um staatlich gelenkte oder private Akteure handelt. X bezeichnete die Konten lediglich als „mutmaßlich nicht authentisch“ und verwies inhaltlich auf die Übereinstimmungen mit OpenAIs Erkenntnissen. Ob die übrigen rund 199.800 Konten ebenfalls Themen rund um KI-Datencenter behandelten, wurde nicht kommuniziert. Auch zur tatsächlichen Reichweite der Beiträge, etwa zu Interaktionen und Follower-Zahlen, machte X keine Angaben.

Für Europa ist der Fall auch deshalb relevant, weil hier ein massiver Ausbau von KI-Datencentern ansteht – von Irland über Deutschland bis nach Skandinavien. Ähnliche Narrative könnten auch in der EU auftreten, sobald sich lokale Initiativen gegen neue Anlagen formieren. Die Erfahrung aus den USA zeigt, wie schnell sachliche Kritik von orchestrierten Kampagnen überlagert werden kann. Umso wichtiger ist es, dass Medien, Behörden und Plattformen verlässliche Daten bereitstellen und Manipulationsversuche frühzeitig offenlegen.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Plattformen ihre Erkennungsmethoden weiter ausbauen oder ob die Betreiber der Bot-Farmen auf neue Taktiken umsteigen. Klar ist jetzt schon: Die Auseinandersetzung um KI-Datencenter ist nicht nur eine technische oder ökonomische Frage. Sie ist zu einem Schauplatz für Einflussoperationen geworden, bei dem es um Vertrauen in demokratische Entscheidungsprozesse geht.

Diesen Artikel teilen