Entwickler umgehen Claudes neues KI-Wasserzeichen in nur vier Stunden

Trotz EU-Kennzeichnungspflicht findet ein französischer Entwickler schnell einen Workaround für das SynthID-Wasserzeichen von Anthropic.

Entwickler Guillaume Meyer veröffentlicht den Watermarks Remover für Claude und andere SynthID-Dienste.
Highlights
  • Guillaume Meyer veröffentlichte den Watermarks Remover auf GitHub, der SynthID-Wasserzeichen umgeht.
  • Das Tool ersetzt Wörter durch Synonyme und stellt Satzstrukturen um, um das KI-Muster zu zerstören.
  • Anthropic räumt ein, dass stark bearbeitete oder übersetzte Inhalte das Wasserzeichen verlieren können.

Seit August 2026 gilt in der EU die Pflicht, KI-generierte Inhalte zu kennzeichnen. Um dieser Verordnung nachzukommen, hat Anthropic sein Modell Claude mit einem unsichtbaren Wasserzeichen ausgestattet, das auf der SynthID-Technologie von Google basiert. Doch bereits vier Stunden nach der Veröffentlichung des Features präsentierte ein Entwickler einen Workaround, der das Wasserzeichen umgehen soll.

Wie ein Coder Claudes Wasserzeichen umgehen will

Der französische Entwickler Guillaume Meyer veröffentlichte auf GitHub ein Tool namens „Watermarks Remover“. Es ist nicht nur für Claude gedacht, sondern für alle Dienste, die SynthID einsetzen. Die Technik von Google funktioniert, indem sie in KI-Antworten bestimmte Wörter austauscht, um ein maschinenlesbares Muster zu erzeugen. Dieses Muster können andere KI-Systeme erkennen, ohne dass die Textqualität für menschliche Leser merklich leidet.

Meyers Ansatz ist simpel: Er bindet ein KI-Modell ein, das selbst keine Wasserzeichen produziert. Dieses Modell analysiert den generierten Text und ersetzt in mehreren Durchläufen Wörter durch Synonyme. Gleichzeitig werden Satzstrukturen umgestellt. So soll das von SynthID hinterlassene Muster nach und nach verschwinden. Das Projekt erregte schnell Aufmerksamkeit: Innerhalb kurzer Zeit erhielt es über 15.000 Sterne und mehr als 1.700 Forks. Neben Meyer selbst haben sich mehrere Entwickler an der Weiterentwicklung beteiligt – darunter auch Claudes eigener KI-Coding-Agent, der elf der insgesamt 91 Änderungen beisteuerte.

Warum sich das KI-Tool noch beweisen muss

Meyer begründet seinen Vorstoß nicht mit Ablehnung von Transparenz, sondern mit grundsätzlichen Zweifeln an der Methode. Er nutzt Claude unter anderem, um französische Texte ins Englische zu übersetzen. In seinen Augen steckt im Original seine eigene Arbeit – die KI habe nur die Übersetzung übernommen. Ein Wasserzeichen würde aber den Eindruck erwecken, der gesamte Inhalt sei maschinell erstellt. „Ich bin nicht gegen Transparenz, ich bin tatsächlich für die Attribution von Inhalten. Ich glaube nur, dass Wasserzeichen eine wirklich schlechte Lösung dafür sind.“

Ob der Watermarks Remover tatsächlich funktioniert, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Anthropic hat noch kein offizielles Tool veröffentlicht, mit dem Claudes Wasserzeichen ausgelesen werden können. Erst dann lässt sich überprüfen, ob die Umgehungsmethode wirksam ist. Andere Entwickler arbeiten bereits an ähnlichen Ansätzen. So will Leon Chlon von der Universität Oxford Wasserzeichen entfernen, indem er englische Texte ins Arabische und dann zurückübersetzen lässt. Durch die veränderte Semantik, so seine These, verschwinde das Muster. Anthropic selbst räumt ein, dass Inhalte, die nach der Generierung stark bearbeitet, zusammengefasst oder übersetzt werden, das Wasserzeichen verlieren könnten.

Die Grenzen der Wasserzeichen-Technologie

Die Diskussion um Claudes Wasserzeichen zeigt ein grundsätzliches Dilemma: Während die EU-Kennzeichnungspflicht Transparenz schaffen soll, sehen viele Nutzer die Gefahr einer pauschalen Stigmatisierung von KI-gestützter Arbeit. Wasserzeichen auf SynthID-Basis sind zudem nicht manipulationssicher. Wer den Output signifikant umformuliert, kann das Muster zerstören, ohne dass der ursprüngliche KI-Einsatz nachweisbar bleibt. Für Anwendungen wie Übersetzungen oder Grammatikkorrekturen, bei denen der menschliche Anteil hoch ist, erscheint die pauschale Markierung als unverhältnismäßig.

Die Entwicklung von Meyers Tool ist ein Paradebeispiel dafür, wie schnell die Community Gegenmaßnahmen zu technischen Regulierungen findet. Ob sich solche Workarounds langfristig durchsetzen oder ob Anthropic und Google ihre Wasserzeichen nachbessern, wird die Zukunft zeigen. Fest steht, dass die Debatte um Kennzeichnungspflichten und die praktische Umsetzung erst am Anfang steht. Sowohl Unternehmen als auch Gesetzgeber müssen sich auf einen anhaltenden Wettlauf zwischen Wasserzeichen und Umgehungsmethoden einstellen.

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