Die Commerzbank befindet sich in einer historischen Zäsur. Nachdem die italienische Großbank Unicredit sich Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert hat, sucht Vorstandschefin Bettina Orlopp nun offen das Gespräch mit dem neuen Machtzentrum in Mailand. “Die Ergebnisse sind, wie sie sind. Jetzt gilt es, die richtige Strategie nach vorn zu wählen und aufzupassen, dass keine Wertvernichtung stattfindet”, sagte Orlopp. “Es gibt Gespräche, das ist im Interesse beider Parteien. Wir sollten es jetzt tunlichst nicht vermasseln.”
Mit der strategischen Beteiligung der Unicredit, die sich de facto die Kontrolle über den Frankfurter Dax-Konzern gesichert hat, verändert sich die Machtdynamik im deutschen Bankensektor grundlegend. Orlopp räumte ein, dass man es nun mit einem kontrollierenden Aktionär zu tun habe. “Deshalb ist es jetzt unsere Aufgabe, gemeinschaftlich, konstruktiv miteinander eine möglichst wertmaximierende Strategie für beide Institutionen zu finden.” Sie betonte: “Wir sind in Kontakt, wir sind im Gespräch.”
Widerstand gegen Orcels Sparpläne
Unicredit-Chef Andrea Orcel, dessen Institut in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank präsent ist, sieht erhebliches Potenzial für Einsparungen im Milliardenbereich. Dazu zählt auch der Abbau tausender Stellen. Orcel plant zudem, das internationale Netzwerk der Commerzbank deutlich zu beschneiden – ein Vorhaben, das das bisherige Management strikt ablehnt. Der italienische Spitzenmanager hat indirekt bereits mit der Absetzung des gesamten Commerzbank-Vorstands gedroht, sollte er seine Vorstellungen nicht durchsetzen können.
Was bedeutet die Unicredit-Beteiligung für die Commerzbank?
Die Unicredit hält derzeit Zugriff auf knapp 50 Prozent der Commerzbank-Anteile. Diese Position verschafft der italienischen Bank faktisch die Kontrolle über das Frankfurter Geldhaus, auch wenn formal noch keine Übernahme vollzogen ist. Für die Commerzbank bedeutet dies, dass strategische Entscheidungen künftig im Einvernehmen mit Unicredit getroffen werden müssen. Das betrifft insbesondere die Zukunft des Filialnetzes, die Auslandsstrategie und die Personalpolitik.
Warum wehrt sich der Commerzbank-Vorstand gegen Unicredit?
Das Management um Bettina Orlopp befürhtet, dass die von Unicredit geforderten massiven Kostensenkungen und der Stellenabbau die Wettbewerbsfähigkeit der Commerzbank nachhaltig schwächen könnten. Insbesondere der geplante Rückzug aus dem Auslandsgeschäft würde die Bank in ihrer Kernstrategie treffen. Die Commerzbank hat in den vergangenen Jahren hohe Investitionen in ihre internationale Präsenz getätigt und sieht hier weiterhin Wachstumspotenzial. Orlopp argumentiert, dass ein zu aggressiver Sparkurs Wert vernichten könnte, statt ihn zu steigern.
Wie geht es zwischen Commerzbank und Unicredit weiter?
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Gespräche zwischen beiden Häusern zu einer konstruativen Lösung führen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Unicredit seine Position weiter ausbauen wird, auch wenn eine formelle Übernahme noch nicht unmittelbar bevorsteht. Für die Commerzbank steht viel auf dem Spiel: Gelingt es nicht, eine einvernehmliche Strategie zu finden, droht ein offener Machtkampf, der das Institut monatelang lähmen könnte. Die nächsten Quartalszahlen werden ein wichtiger Indikator sein, ob die Bank unter dem Druck der Italiener bereits erste operative Anpassungen vornimmt oder weiter Widerstand leistet.