Gedanken lesen – das klingt nach übersinnlicher Fähigkeit, ist aber in Wahrheit eine erlernbare Kommunikationstechnik. Wer versteht, welche geheimen Wünsche hinter den Aussagen eines Gegenübers stecken, kann Gespräche gezielt steuern und Vertrauen aufbauen. Die Methode ist einfach: Man antizipiert die Erwartung des anderen, spricht sie offen aus und beobachtet die Reaktion. Ob im Verkauf, im Meeting oder im Mitarbeitergespräch – wer diese Technik beherrscht, erkennt nicht nur, was wirklich gewünscht wird, sondern kann auch eigene Botschaften strategisch ausrichten.
Die Methode: Wie Sie die wahren Absichten Ihres Gegenübers erkennen
Der Schlüssel liegt darin, die unausgesprochenen Gedanken des Gesprächspartners zu verbalisieren. Ein Verkäufer kann etwa direkt einsteigen: „Sie erwarten sicher, dass ich Ihnen nur die positiven Seiten des Produkts präsentiere?“ Der Kunde fühlt sich ertappt, nickt – und der Verkäufer kann scherzhaft gestehen: „Das stimmt, genau das habe ich vor.“ Durch diese Offenheit wird der Kunde abgeholt, fühlt sich ernst genommen und ist anschließend empfänglicher für die eigentliche Argumentation. Dieselbe Logik gilt für negative, unbequeme Wahrheiten: Auch sie können helfen, wenn man sie geschickt einsetzt. Entscheidend ist, die erkannten Gedanken auf das Kommunikationsziel auszurichten. Positive Gedanken auszusprechen, baut leichter Vertrauen und Sympathie auf. Hört das Gegenüber seine eigenen Gedanken aus Ihrem Mund, löst das eine Art Faszination aus: Es fühlt sich bestätigt und verstanden. Im Berufsleben ist das essenziell – niemand macht gern Geschäfte mit jemandem, den er nicht mag.
Die versteckte Botschaft: Business-Sprache entschlüsseln
Besonders deutlich wird der Mechanismus des „Gedankenlesens“ in der modernen Arbeitswelt. Hinter scheinbar harmlosen Floskeln verbergen sich oft ganz andere Botschaften, die auf geheime Wünsche oder Ängste hinweisen. Wer diese Übersetzungen kennt, kann im nächsten Meeting oder in der Projektbesprechung präzise reagieren und die wahre Ebene des Gesprächs adressieren. Eine Auswahl der häufigsten Business-Vokabeln und ihrer tatsächlichen Bedeutung:
Typische Phrasen – und was wirklich gemeint ist
„Bei uns gelten die Bürozeiten auch im Homeoffice.“ Gemeint: Irgendwo auf der Welt ist immer Bürozeit.
„Klar weiß ich, wie eine Videokonferenz funktioniert. Ich bin ja nicht von gestern.“ Gemeint: Wofür ist nochmal diese Schaltfläche da?
„Ich bin im Homeoffice viel produktiver geworden.“ Gemeint: Endlich kann ich während der Arbeit den Müll rausbringen und in Ruhe ein Spiel spielen.
„Tut mir Leid, dass ich vorhin nicht beim Meeting dabei war, aber ich hatte Probleme mit dem Internet.“ Gemeint: Meeting? Was für ein Meeting?
„Komisch, meine Kamera funktioniert heute nicht.“ Gemeint: Ich sitze noch im Schlafanzug vor meinem Notebook.
„einen call haben“ Gemeint: telefonieren. Die eine Zeitlang zu hörende Formulierung „eine Telko haben“ ist mittlerweile schon wieder veraltet.
„bullet-points“ Gemeint: Eine Präsentation direkt aus der Hölle: volle PowerPoint-Folien, viel Text, unzählige Aufzählungszeichen und ein Redner, der das alles monoton vorliest. Merke: Aufzählungszeichen in Präsentationen mit Bedacht und so sparsam wie möglich einsetzen.
„at the end of the day“ Gemeint: letztendlich. Hat sich zuletzt in die Top 10 der Floskeln nach vorne gearbeitet – eine typische Eindeutschung eines englischen Ausdrucks.
„auf die short list setzen“ Wird häufig in und nach Besprechungen verwendet. Gemeint: Wir müssen mal den ganzen Mist an Ideen unserer Mitarbeiter aussortieren, die totaler Unsinn sind. Früher: „in die engere Auswahl kommen“.
„Ich bin im Flow.“ Gemeint: Stör mich nicht, ich habe nach stundenlangem Grübeln endlich eine Idee und keine Lust, mit Dir darüber zu reden. Früher: „wie im Rausch arbeiten“ (aber nicht zu verwechseln mit „mit einem Rausch arbeiten“).
„to whom it may concern“ Gemeint: Ich bin verpflichtet, Euch diese Info weiterzugeben. Ich habe sie nicht verstanden, und es ist mir völlig egal, ob Ihr sie versteht. Früher: „wen’s interessiert …“
„einen slot haben“ Gemeint: Ich habe den ganzen Tag über wichtige Termine und eigentlich keine Zeit, aber wenn es denn unbedingt sein muss, schiebe ich Dich auch noch dazwischen. Früher: „Ich schaue mal, ob ich es einrichten kann.“
„Das wird sportlich.“ Gemeint: Weil wir zuletzt gepennt haben und mit dem Projekt jetzt ziemlich im Verzug sind, habe ich keine Ahnung, wie wir rechtzeitig fertig werden sollen.
„Das ist suboptimal gelaufen.“ Gemeint: Das ist total scheiße gelaufen.
„Ich habe da noch einige To-dos.“ Gemeint: Mein Chef hat mir noch einige Aufgaben aufgehalst, die ich bis zu seiner Rückkehr abarbeiten muss. Früher: „Ich muss noch einiges erledigen.“
„Im Grunde ist das doch ziemlich trivial.“ Gemeint: Wieso kapiert das denn keiner außer mir? Bin ich hier nur von Pennern umgeben?
„Wir sind auf einem guten Weg.“ Wird häufig bei Versammlungen gebraucht, bei denen Geschäftszahlen oder Bilanzen vorgestellt werden. Eine zu häufige Erwähnung sollte die Zuhörer skeptisch machen.
„yup“ oder „yep“ Ist der Newcomer unter den überflüssigen Floskeln aus dem Englischen. Ein sporadischer Gebrauch mag noch amüsant sein, ein dauerhafter Gebrauch nervt.
„Wir sind auf Augenhöhe.“ Gemeint: Wir haben es endlich geschafft, von unseren Wettbewerbern ernst genommen zu werden.
„jemanden bespaßen“ Gemeint: jemanden bei Laune halten, weil er dann die schlechte Nachricht, die ich für ihn habe, vielleicht besser erträgt.
„Best“ Ist neuerdings vor allem als Gruß am Ende von E-Mails anzutreffen und hat das eindeutig zu lange „Herzliche Grüße“ oder „Liebe Grüße“ abgelöst. Spannend zu verfolgen, ob es bald noch kürzer wird – ob man also „Best“ auch noch mit „B.“ oder „B“ abkürzen wird.
„ein Stück weit“ Die Verwendung bietet sich dann an, wenn man sich nicht wirklich festlegen will: „Das ist auch ein Stück weit meine Meinung.“ Früher: „ein wenig“, „ein bisschen“.
„Wir sind noch im Abstimmungsprozess.“ Gemeint: Frag nicht ständig nach, wie lange es noch dauert. Es passt hinten und vorne nicht. Das ganze Projekt ist ein einziger Mist.
„Herr/Frau xx wird unser Team verstärken.“ Gemeint: Herr/Frau xx ist ein Neuling, der noch nie in unserer Branche gearbeitet hat. Aber wo soll ich jemanden herkriegen, der solch ein geringes Gehalt akzeptiert?
„Die Erfolgsgeschichte fortschreiben.“ Gemeint: Mein Vorgänger hat richtig gut gearbeitet. Wenn ich seinen Weg weiterführe, kann ich vielleicht die Lorbeeren ernten.
„proaktiv“ Gemeint: Initiative ergreifen. Gilt als hohes Lob für einen Mitarbeiter. Unklar ist jedoch, was proaktive Personen besser machen als aktive.
„Prio“ Gemeint: Priorität, Dringlichkeit. Taucht oft in Kombination mit der Zahl 1 auf („Das hat Prio 1“). Prio-1-Projekte sind bevorzugt zu behandeln und erledigt zu sein, bevor das nächste Projekt mit „Prio 1“ ansteht.
„absolut“ Gemeint: unbedingt. Eines der am häufigsten benutzten Wörters bei Gesprächen unter Kollegen, mit Vorgesetzten oder in Meetings. Zeigt einerseits Entschlossenheit an, passt aber auch sehr gut, wenn man keine Meinung zu einem Thema hat.
„line-extension“ Gemeint: Ausweitung, Erweiterung. Wird oft in dem Satz „Wir brauchen für unser Portfolio eine line-extension“ benutzt. Heißt nichts anderes, als dass die Geschäfte zurückgehen und der bisherige Kram nicht mehr so viele Abnehmer findet.
„Bordmittel“ Gemeint: eigene Mittel. Keine Bordmittel zu haben, bedeutet, dass man gefälligst alles selbst schaffen muss – ohne fremde Hilfe, ohne zusätzliches Geld, neben dem Tagesgeschäft.
„Wir müssen Geld in die Hand nehmen.“ Gemeint: Wir müssen investieren. Hört man oft, wenn die Geschäfte nicht von selbst laufen oder neue Ideen umgesetzt werden sollen. Unausgesprochen ist die Frage, auf welche Kostenstelle die Investitionen abgewälzt werden.
„Exit-Strategie“ Gemeint: Notausgang, Hintertür, Reißleine. Fällt der Begriff in einem Meeting, sollte man hellhörig werden. Dann scheint man doch nicht so sicher zu sein, dass das neue Produkt, Projekt oder Geschäftsmodell ein Erfolg wird.
„Conference Call“ Gemeint: telefonieren. Im analogen Zeitalter hat man mit Kollegen an anderen Standorten telefoniert, heute macht man Conference Calls. Andere Ergebnisse kommen dabei nicht heraus.
„Business-Lunch“ Gemeint: Mittagessen. Mit Geschäftspartnern geht man nicht zum Mittagessen in die Kantine – es muss schon ein Restaurant in einem Hotel sein, in dem mit der Firmenkreditkarte bezahlt wird.
„Work-Life-Balance“ Gemeint: flexible Arbeitszeiten. Typisches Modewort. Aber haben Erwerbstätige in früheren Jahren etwa kein vernünftiges Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit angestrebt?
„Alert“ Gemeint: Alarm, Meldung. Hört oder liest man, wenn irgendwo etwas nicht stimmt (Geschäftszahlen, Einhaltung von Terminen) oder etwas Wichtiges passiert ist. Aber aufgepasst: Alerts darf man erst ab einer bestimmten Position in der Firmenhierarchie machen.
„Change-Request“ Gemeint: Änderungswünsche. Enthält meistens eine Liste der erforderlichen Änderungen bei einem abgeschlossenen Projekt, wenn ersichtlich wird, dass da noch vieles im Argen liegt. Aber beim nächsten Mal soll ja alles besser werden.
„Benchmark“ Gemeint: Richtwert, Maßstab. Wenn kein mathematisch fundierter Vergleich möglich ist, ist der Benchmark einfach irgendeine Zahl, die am besten zur eigenen These passt – egal woher sie stammt.
„ein Stück weit“ Gemeint: ein wenig, bisschen. Wer sich nicht festlegen will, gebraucht diesen Begriff. Denn damit hat man hinterher immer recht gehabt („Ich war dafür“ bzw. „Ich hatte meine Zweifel“).
„day off“ Gemeint: frei, Urlaub. Wer sich für so wichtig hält, dass er auf seinen Jahresurlaub verzichtet, sagt stattdessen „Ich nehme einen day off“.
„anyway“ Gemeint: wie auch immer. Kann für eine elegante Überleitung hergenommen werden, wenn man bei einem Problem zu keiner Lösung gekommen ist.
„Mit diesem Produkt sind wir unique.“ Gemeint: Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Wird unternehmensintern gern benutzt, um sich gegenseitig Mut zu machen („da sind wir richtig spitze“).
„maximal“ Gemeint: größtmöglich, bestmöglich. Wird in Meetings oft vor Worthülsen gesetzt, z.B. „maximal schnell“ oder „maximale Priorität“.
„Herr xxx wird künftig das xxx-Projekt vorantreiben.“ Gemeint: Ich habe Ihnen nun Herrn xxx vor die Nase gesetzt, damit er Ihren Hintern zum Glühen bringt. Merke: Der Begriff „vorantreiben“ wird gerne von Chefs als Druckmittel benutzt.
„definitiv“ Gemeint: endgültig, unumstößlich. Mit dieser Aussage zeigt man Entschlossenheit. („Haben wir noch Zeit, etwas zu verbessern?“ „Definitiv.“)
„Wir befinden uns gerade mitten im Abstimmungsprozess.“ Gemeint: Das kann noch ewig dauern, bis wir zu einem Ergebnis kommen, weil bei diesem Thema Hinz und Kunz ihre Meinung abgeben dürfen.
„Wir müssen dringend unsere Arbeitsprozesse modernisieren.“ Gemeint: So geht es nicht weiter. Das ist zu langsam, das ist zu schlecht, und vor allem ist das alles zu teuer. Wird häufig von neuen Chefs in ihrer Begrüßungsrede verwendet.
„deadline“ Gemeint: Abgabefrist, -termin. Das Arbeitsleben besteht fast nur aus Deadlines. Vor allem, wenn Kollegen ein Bier trinken gehen wollen.
„Ich bin da völlig d’accord.“ Gemeint: Ich bin da völlig Ihrer Meinung. Gehört zu der Gruppe alberner Versatzstücke aus fremden Sprachen in der täglichen Konversation.
„Wir müssen diesen Bereich forcieren.“ Gemeint: Wir müssen endlich anfangen, in diesem Bereich etwas zu tun. Auch wenn es genau jener Bereich ist, der vor einem Jahr für tot erklärt wurde.
„Das Projekt hat die richtige Flughöhe noch nicht erreicht.“ Gemeint: Anstrengen, Leute, das läuft hier noch alles andere als rund.
„Es war eine fruchtbare Zusammenarbeit.“ Gemeint: Es war eine furchtbare Zusammenarbeit. Häufig ist der kleine Buchstabendreher in Wirklichkeit keiner.
„Zu diesem Thema müssen wir uns rückkoppeln.“ Gemeint: Darüber müssen wir reden. Die Aussage soll verschleiern, dass man zu wenig weiß. Aber bei etwas Glück sind die Kollegen auch nicht viel schlauer.
„Wir müssen etwas tun. Sonst hat unser Unternehmen auf diesem Gebiet keine Credibility mehr.“ Gemeint: Glaubwürdigkeit. Anders ausgedrückt: „Wenn wir nichts tun, sind wir am Ende.“
„Ich war am Wochenende leider ohne Connectivity.“ Gemeint: Ich war am Wochenende nicht erreichbar. Dieser Zustand gehört bei Managern in der modernen Zeit zu den Todsünden. Besser wäre es, sich eine Ausrede einfallen zu lassen.
„Das sind die neuen Must Haves.“ Gemeint: etwas, das man haben muss. Wird häufig in der Werbung benutzt, um Verbrauchern Modeartikel anzudrehen.
„Das Thema galoppiert nicht.“ Gemeint: Das interessiert keine Sau. Wird oft verwendet, wenn hochfliegende Pläne auf dem Boden der Tatsachen landen.
„Das würde uns viel Insight bringen.“ Gemeint: Einblick, Erkenntnis. Kann aber auch heißen: a) „Ich werde wie immer von den Informationen abgeschnitten.“ b) „Ich weiß, worum es geht, steige da aber überhaupt nicht durch.“
„Das ist fine with me.“ Gemeint: In Ordnung, ich bin einverstanden. Klingt aber eleganter und weitläufiger.
„Dieses Projekt hat höchste Visibilität im Management.“ Gemeint: Mach bloß keine Fehler. Sonst gibt es Ärger.
„Das ist ein völlig neues ball game.“ Gemeint: Es geht von vorn los, und ich muss nicht mehr frühere Fehler mitschleppen. Früher: „Die Karten werden neu gemischt.“
„Prozess aufsetzen“ Gemeint: Irgendjemand fängt jetzt einfach irgendwie an, und dann sehen wir, was dabei herauskommt. Kann man für fast alles verwenden und kann sämtliches eigenständige Denken im Ansatz ersticken lassen.
„sich aufschlauen“ Gemeint: Ich habe keine Ahnung und muss erstmal bei Google nachschauen. Wird oft benutzt, wenn zu viele Leute zu viele Standpunkte haben – oder komplett ahnungslos sind. Früher: sich schlaumachen.
„Das ist eine Leadership-Aufgabe.“ Gemeint: Hoffentlich verbockt das nicht irgendeiner meiner unfähigen Mitarbeiter. Früher: „Das ist Chef-Sache.“
„auf der Tonspur rüberbringen“ Gemeint: erklären; in Worte fassen. Wird benutzt, wenn man einen Sachverhalt ohne Zuhilfenahme von PowerPoint-Folien erklären soll.
„Wir müssen noch finale Details klären.“ Gemeint: 1. Wir sind noch meilenweit von einer Lösung entfernt, aber das soll lieber niemand erfahren. 2. Diese Sache habe ich total vergessen, aber das soll lieber niemand erfahren.
„Mein Salary ist performance driven.“ Gemeint: Mein Gehalt ist leistungsabhängig. Wird benutzt, um zu zeigen, dass man nicht nur ein einfacher Angestellter ist, sondern zum Kreis der Manager gehört.
„Wir müssen mehr share rausholen.“ Gemeint: Die Einnahmen sind noch zu gering. Eine Aussage, die oft in den Raum gestellt wird, wenn die Wirklichkeit hinter den Erwartungen zurückbleibt.
„Learning“ Gemeint: Lernerfolg. Es ist immer wichtig, eigene Lernerfolge herauszustellen. Auch wenn man alles schon vorher und alles viel besser gewusst hat.
„Wir haben Pace aufgenommen.“ Gemeint: Endlich geht es voran. Im Innern fragt man sich aber: „Wieso hat das so lange gedauert?“
„below the line“ Gemeint: unterirdisch. Oder: „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch schlechter geht.“
„Ich will, dass alle on the same page sind.“ Gemeint: Alle sollen auf dem gleichen Wissensstand sein. Oft als Aufforderung an die etwas langsameren, lethargischen und desinteressierten Mitarbeiter zu verstehen, mehr Einsatz zu zeigen.
„Das Issue ist noch nicht adressiert.“ Gemeint: Ich habe auch keine Lust, mich darum zu kümmern, wollte aber zeigen, dass ich es nicht vergessen habe.
„etwas aufgleisen“ Gemeint: anfangen, vorbereiten, veranlassen. Es geht um alles, was man schon längst hätte tun können, bisher aber noch nicht gemacht hat.
„You name it“ Gemeint: 1. Wieso ist mir eigentlich diese tolle Idee nicht eingefallen? 2. Chef, ich sehe das genau so wie Sie. Früher: „Ganz meine Meinung.“
„Noch Recommendations aus der Audience?“ Gemeint: Noch weitere Fragen?
„Die Story ist noch nicht rund.“ Gemeint: Das gefällt mir nicht, aber einen besseren Vorschlag habe ich auch nicht.
„etwas mitnehmen“ Gemeint: 1. Blablabla – interessiert mich nicht die Bohne („Den Vorschlag nehme ich in den Feierabend mit.“) 2. Das Begrüßungspaket, drei Buffets, einige Bier und Schnäpse – und die Telefonnummer der heißen Blondine („Von der Veranstaltung habe ich einiges mitgenommen.“)
„Nachher gehen wir bei einem Bierchen strategizen.“ Gemeint: Vielleicht haben wir mit genügend Alkohol eine Idee, wie wir aus der Misere herauskommen. Früher: „eine Strategie entwickeln“.
„Unser Unternehmen ist hochgradig an diesem Projekt dran.“ Gemeint: Was sollen wir sonst auch tun? In allem anderen ist uns unser Wettbewerber weit voraus.
„Workshop“ Gemeint: Einführungslehrgang, -seminar, -kurs. Oder: unproduktiver Nachmittag, an dem alle aus dem Fenster starren oder unter dem Tisch ihre Smartphones bedienen.
„Briefing“ Gemeint: Besprechung, Einweisung. Oder: Mitarbeiter mit widersprüchlichen Informationen verwirren, um ihnen später Verfehlung vorhalten zu können. („Aber ich hatte Sie doch gebrieft!“)
„Get together“ Gemeint: Stehempfang für alle Mitarbeiter. Die eine Hälfte hat keine Lust, die andere Hälfte betrinkt sich. Früher: „gemütliches Beisammensein“.
„Bin gerade total busy.“ Gemeint: Ich bin wichtig, arbeite viel und mache Karriere. Oder: Ich habe zwar Zeit, aber nicht für Dich.
„Outplacement“ Gemeint: Kündigung unter Zuhilfenahme von Beratern. Früher: „Den sägen wir ab.“ (siehe auch „Synergieeffekte“ und „auf Kernkompetenzen konzentrieren“)
„Keynote“ Gemeint: Vortrag zu Beginn einer Veranstaltung. Hat man entweder schon tausend Mal gehört oder ist sterbenslangweilig. Oft beides.
„Ich gebe Dir ein Update.“ Gemeint: Wenn Du unbedingt darauf bestehst, wiederhole ich den ganzen Mist vom letzten Mal. In der Hoffnung, dass Du Dich sowieso nicht mehr daran erinnerst.
„Wir sind safe.“ Gemeint: Fertig. Jetzt kann nichts mehr passieren. Früher: „Geschafft.“
„Change-Prozess“ Gemeint: Veränderungen im Unternehmen. Beginnt bei der Einführung neuer Software und endet bei Massenentlassungen. Motto: „Wenn es erst mal läuft, wird es super.“
„reporten“ Gemeint: dem Chef Bericht erstatten, ein (Zwischen-)Fazit ziehen. Geschieht oft in Form von Excel-Tabellen in Handtuchgröße, bei denen nicht einmal mehr der Verfasser durchblickt.
„(absolutes) No-go“ Gemeint: etwas, das man nicht tut oder das es nicht geben sollte. Früher: „Tabu“.
„die next steps besprechen“ Gemeint: Keine Ahnung, wie es weitergeht. Vielleicht hat ein anderer eine zündende Idee.
„Das ist noch pending.“ Gemeint: Ich habe noch nichts erreicht. Aber das kann ich ja schlecht zugeben.
„committen“ Gemeint: Bekenntnis zu einer Aufgabe, die man erledigen muss. Oder: Das Verschieben von Entscheidungen auf unbestimmte Zeit, wenn man nicht weiter weiß („Dazu müssen wir uns erst noch committen“).
„FYI“ Gemeint: „Erledigen Sie das! Ich habe keine Lust dazu.“ (Abkürzung für „for your information“) Oder: Mir ist langweilig, deshalb leite ich alle E-Mails weiter, die so reinkommen.
„Airtime“ Gemeint: Zeit, die man mit Menschen von ganz oben verbringt.
„hidden champion“ Gemeint: ein unterschätzter Außenseiter. Nur komisch, dass sonst noch keiner dieses Potenzial erkannt haben will.
„early bird“ Gemeint: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Oder: verzweifelter Versuch, mit dubiosen Rabatten Kunden zu gewinnen. Früher: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“
„all-time high“ Gemeint: Rekordergebnis. Das Antonym „all-time low“ wird dagegen erstaunlich selten benutzt.
„Overhead“ Gemeint: Gemeinkosten, die trotz aller Sparversuche vorhanden sind. Früher: „Wasserkopf“.
„inner circle“ Gemeint: Führungskreis. Eine Gruppe von Personen in einem Unternehmen, die wichtiger als andere sind.
„No-Brainer“ Gemeint: 1. Person, die auch nach dem dritten Erklärungsversuch nicht kapiert, worum es geht. (Früher: „Volltrottel“) 2. Aufgabe, die ohne Anstrengung und ohne nachzudenken zu bewerkstelligen ist.
„save the date“ Gemeint: Aufgrund früherer Erfahrungen fangen wir mit der Teilnehmerakquise schon jetzt an. Sonst kommt sowieso kein Schwein.
„Bio-Break“ Gemeint: Frischluftpause (denkbar auch: Pinkelpause, Essenspause).
„aufbeefen“ Gemeint: Eine Präsentation anreichern und mit Substanz versehen. Früher: „Den Mist kannst Du so nicht stehen lassen.“
„Performance“ Gemeint: wahlweise gute oder schlechte Geschäftsentwicklung, Mitarbeiterleistung oder die PS-Zahl des Dienstwagens. Früher: „Leistungsvermögen“.
„Wording“ Gemeint: Wortwahl, Ausdrucksweise, Formulierung. Merke: Nach unten spricht man stets als Chef, nach oben spricht man wie der Chef (= man passt sein Wording an).
„auf die Watchlist setzen“ Gemeint: Wir beobachten das mal. Wenn etwas passiert, sind wir vorbereitet, weil wir wissen, dass etwas passiert. Anders ausgedrückt: Wir haben keine Ahnung, was auf uns zukommt.
„skills“ Gemeint: Fachliche und persönliche Fähigkeiten eines Mitarbeiters.
„benchmarken“ Gemeint: vergleichen, testen, Maßstäbe anlegen.
„High Potential“ Gemeint: Nachwuchsmanager, der alles zu wissen glaubt. Oder: sozial verwahrloster Streber ohne Feingefühl und Takt.
„Location“ Gemeint: Ein Ort für betriebliche oder überbetriebliche Zusammenkünfte aller Art. Früher: „Wo machen wir die Weihnachtsfeier?“
„Action-Items“ Gemeint: Aufgaben, die dringend erledigt werden müssen.
„Wir müssen back on track kommen.“ Gemeint: Wir sollten uns endlich wieder um unser Hauptgeschäft kümmern und unwichtige Dinge sein lassen.
„Synergieeffekte“ Gemeint: Das Zusammenlegen von Abteilungen meist nach Übernahmen oder Fusionen, um durch Kündigungen bessere Ergebnisse zu erzielen. Gelingt aber selten.
„implementieren“ Gemeint: Eine Veränderung durchsetzen, egal was es kostet. Oder: Vertuschen, dass die neue, für viel Geld angeschaffte Hard- und Software nicht mit den bestehenden Systemen zusammenarbeitet. („Das müssen wir erst noch implementieren.“)
„asap“ Gemeint: „so bald wie möglich“ (Abkürzung für „as soon as possible“). Früher: „sofort“.
„Wiedervorlage“ Gemeint: Ablagefach, in dem alles gesammelt wird, was nicht sofort, sondern erst später weggeworfen werden soll.
„Ich kann das händeln.“ Gemeint: Ich habe Mist gebaut, bekomme das aber in den Griff. Oder: Ich weiß zwar nicht, worum es geht, aber ich werde schon einen Dummen finden, der es für mich macht.
„Prozess“ Gemeint: Kann ein Erklärungsnotstand sein („Wir sind noch im Prozess.“), kann aber auch bedeuten, dass die Konsequenzen einer Entscheidung unabsehbar sind („Gut, das ist natürlich alles ein Prozess.“)
„auf die Kernkompetenzen konzentrieren“ Gemeint: Entlassungen. (siehe auch „Outplacement“ und „Synergieeffekte“)
„aufsetzen“ Gemeint: Etwas vorbereiten. Oder: Ausdruck von Aktionismus. Hauptsache, es sieht nach Arbeit aus.
„ausrollen“ Gemeint: Ein Projekt abschließen. Früher: „Das ist erledigt.“
„ins Boot holen“ Gemeint: Jemanden an einem Projekt beteiligen oder die Zusammenarbeit mit jemandem beginnen. Früher: „Ich frage ihn mal.“
„auf die Straße bringen“ Gemeint: Eine Sache unternehmen, anordnen. Heißt aber nicht zwangsläufig, dass sie sich dann auf einem guten Weg befindet.
„Da sind mindestens 50k in der Pipe.“ Gemeint: Dieses Projekt ist ein Rohrkrepierer, aber das wisst ihr Pappnasen noch nicht. Früher: „Daraus kann man sicher noch etwas machen.“
„einkippen“ Gemeint: Etwas in Gang setzen, veranlassen. Hauptsache, ich bin die Sache los. Früher: „Soll er doch das Zeug machen.“
„auf dem Schirm/Radar“ Gemeint: Sich mit etwas beschäftigen. Wird meist benutzt, wenn man eine Aufgabe total verschwitzt hat. („Ah das, ja, das hab ich auf dem Schirm.“) Früher: „Ich denke daran.“
„alles im grünen Bereich“ Gemeint: Es ist alles in Ordnung, es läuft alles nach Plan. Oder: „Lass’ mich bloß in Ruhe.“ Früher: „Alles in Butter.“
„Am Ende des Tages wissen wir, wohin die Reise geht.“ Gemeint: Keine Ahnung, ob das so funktioniert. Aber einen anderen Plan habe ich nicht.
„Rücklauf“ Gemeint: Antworten, Rückmeldungen. Noch nicht genügend Rücklauf zu haben, bedeutet, dass die Kollegen Dich komplett ignorieren oder Dich gar nicht kennen.
„etwas zeitnah erledigen“ Gemeint: 1. am besten gestern (wenn es der Chef als Aufforderung sagt) 2. keine Ahnung, irgendwann (wenn man drängelnde Kollegen hinhalten will).
„Rücksprache halten“ Gemeint: Hoffentlich kann mir der andere etwas Sinnvolles erzählen, was ich dann als meine Idee verkaufen kann.
„Das liegt genau im Korridor.“ Gemeint: 1. Das Projekt wird uns den Umsatz bringen, den wir uns davon erhoffen. Wenn nicht, weiß ich auch nicht. 2. Wir sind exakt im Zeitplan. Weil wir ihn schon dreimal verändert haben.
„Wir müssen unsere Ergebnisse verdichten.“ Gemeint: Hoffentlich finden wir in dem ganzen Mist an Lösungsvorschlägen wenigstens einen halbwegs brauchbaren Vorschlag.
„den Hut auf haben“ Gemeint: verantwortlich, zuständig sein.
„evaluieren“ Gemeint: einschätzen, bewerten. Wird gebraucht, wenn man von einem neuen Sachverhalt überrascht wird und Zeit gewinnen will („Wir müssen das erst noch evaluieren“).
„auf Zielgruppen adaptieren“ Gemeint: Wir haben zwar ein tolles Produkt oder eine tolle Lösung, aber es oder sie scheint keiner zu brauchen.
„monetarisieren“ Gemeint: etwas zu Geld machen. Aufforderung des Chefs, die Idee endlich in die Praxis umzusetzen und damit für den Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes zu sorgen.
„ergebnisoffen“ Gemeint: Genau das Gegenteil. Denn das Ergebnis steht schon längst fest: Es ist die Meinung des Chefs.
„Da ist noch Luft nach oben.“ Gemeint: Wieso bin ich denn nur von Pappnasen umgeben? Früher: „Da kann man mehr herausholen.“
„Wir sitzen doch alle im selben Boot.“ Gemeint: Ich kassiere die Boni … und Ihr rudert.
Warum diese Technik im Berufsalltag entscheidend ist
Die Fähigkeit, hinter die Fassade von Floskeln zu blicken, ist mehr als ein Partytrick. Sie ermöglicht es, in Verhandlungen, Projektbesprechungen und Mitarbeitergesprächen die tatsächliche Stimmung und die geheimen Wünsche der Beteiligten zu erfassen. Wer erkennt, dass „Wir sind auf einem guten Weg“ in Wirklichkeit Skepsis signalisiert, kann nachfragen, wo die Stolpersteine liegen. Wer versteht, dass „Das wird sportlich“ für chronische Terminprobleme steht, kann frühzeitig gegensteuern. Diese Übersetzungsleistung ist das Herzstück des professionellen Gedankenlesens.
So trainieren Sie Ihren „Gedankenleser“-Instinkt
Beginnen Sie damit, in Ihrem nächsten Meeting bewusst auf die verwendete Business-Sprache zu achten. Notieren Sie sich Sätze, die Ihnen merkwürdig vorkommen, und überlegen Sie, welche unausgesprochene Botschaft dahinterstecken könnte. Fragen Sie bei Unklarheiten nach: „Was genau meinen Sie mit ‚Abstimmungsprozess‘? Was fehlt noch, damit er abgeschlossen ist?“ Sie werden überrascht sein, wie schnell die wahren Hürden ans Licht kommen. Mit der Zeit entwickeln Sie ein feines Gespür dafür, wann jemand eigentlich „Keine Ahnung“ sagt, aber „Das habe ich auf dem Schirm“ formuliert.
Diese Technik des Gedankenlesens ist keine Zauberei, sondern eine Frage der Aufmerksamkeit und der Bereitschaft, die zweite Bedeutungsebene wahrzunehmen. Wer sie beherrscht, kommuniziert nicht nur effektiver, sondern baut auch echte Vertrauensbeziehungen auf – im Job und im privaten Umfeld. Denn am Ende ist es das Gefühl, verstanden zu werden, das Menschen öffnet und ihnen erlaubt, ihre geheimen Wünsche preiszugeben.