2024 war ein herausragendes Jahr für Rollenspielfans – mit Titeln wie Metaphor: ReFantazio, Dragon’s Dogma 2, Elden Ring: Shadow of the Erdtree, Persona 3 Reload und Final Fantasy 7 Rebirth. Es ist also durchaus verständlich, wenn man für Segas 80-stündiges Honolulu-Abenteuer Like a Dragon: Infinite Wealth keine Zeit fand. Der neunte Hauptableger der Yakuza-Reihe versammelt ein schier unüberschaubares Ensemble aus zahlreichen Vorgängern, doch die Hawaii-Sandbox, die das Spiel bietet, macht den Einstieg leichter, als man denkt.
Die offene Spielwelt von Honolulu als digitaler Urlaubsersatz
Was Infinite Wealth wie kein zweites Spiel beherrscht, ist die Illusion eines echten Urlaubs. Die detailverliebte Nachbildung von Honolulu – vom Flanieren am Waikiki Beach über das Erkunden der Luxusgeschäfte bis hin zu den schattigen Nebenstraßen – ist in ihrer Dichte und Liebe zum Detail schlichtweg konkurrenzlos. Die Sandbox lebt von ihrer Lebendigkeit: Jede Ecke hält eine neue Begegnung, einen absurden Nebenjob oder ein verstecktes Detail bereit. Dass man dabei regelmäßig Schlägerbanden verprügelt, gehört zur Yakuza-DNA und passt dennoch irgendwie zum entspannten Inselflair.
Hinzu kommt eine beeindruckende Zahl an Minispielen, die die tropische Umgebung aufgreifen und erweitern. Das macht die offene Welt nicht nur zu einem Schauplatz, sondern zu einem zentralen Spielelement.
Crazy Delivery: Pizza-Auslieferung im Raser-Tempo
Eine Hommage an Segas wiederbelebte Crazy Taxi-Reihe: Crazy Delivery schickt Spieler mit einem Roller durch die Straßen Honolulus, um Burger und Pizza auszuliefern. Es geht um schnelle Reaktionszeiten, riskante Überholmanöver und ordentliche Trinkgelder. Das Minispiel verbindet die offene Welt nahtlos mit dem Gameplay und sorgt für zahlreiche knappe Szenen.
Dondoko Island: Yakuza trifft Animal Crossing
Mit Dondoko Island liefert Infinite Wealth ein eigenes Aufbauspiel im Stil von Animal Crossing. Aus einer vermüllten, von Kriminellen besetzten Insel wird Schritt für Schritt ein Fünf-Sterne-Resort. Man baut Möbel, errichtet Geschäfte und plant die Anlage – und kann problemlos dutzende Stunden in diesem Modus verbringen, ohne die Hauptstory auch nur anzurühren. Das System ist überraschend tief und bietet echten strategischen Tiefgang.
Sicko Snap: Pokémon Snap mit schrägen Typen
Eine der skurrilsten Ideen der Serie: Sicko Snap ist eine Persiflage auf Pokémon Snap. Statt niedlicher Kreaturen fotografiert man von einer Touristenbahn aus halbnackte Gestalten, die an Müllcontainern oder hinter Imbisswagen ihre Körper schwingen. Was absurd klingt, entpuppt sich als hervorragende Methode, die Stadt zu erkunden – und die Situationskomik wirkt jedes Mal aufs Neue.
Rundenbasierte Kämpfe treffen auf tropisches Flair
Auch das rundenbasierte Kampfsystem wurde konsequent an das Hawaii-Setting angepasst. Das Job-Klassensystem erlaubt mehr als zwei Dutzend Berufe – darunter polynesische Feuertänzerinnen und Surfer mit Brettbewaffnung. Gegner reichen von streitsüchtigen Touristen über einen Weißen Hai bis hin zu einem die Aussicht versperrenden Baukran. Diese Vielfalt sorgt dafür, dass jeder Kampf frisch und überraschend bleibt, und unterstreicht die spielerische Leichtigkeit des gesamten Titels.
Handlung und Charaktere: Einsteigerfreundlich trotz langer Geschichte
Die Story vereint den etablierten Serienhelden Kazuma Kiryu mit dem neuen Protagonisten Ichiban Kasuga. Gemeinsam suchen sie Ichibans verschollene Mutter und stolpern prompt in eine internationale Verschwörung, die von den düsteren Abgründen der organisierten Kriminalität bis in höchste Regierungskreise reicht. Wie in jedem Yakuza-Spiel ist die Handlung bewusst überdreht, doch genau das macht den Charme aus. Neueinsteiger müssen keine Vorkenntnisse mitbringen – das Spiel führt behutsam in die verrückte Welt ein und belohnt langjährige Fans mit Referenzen und tieferen Charakterbögen.
Infinite Wealth ist aktuell auf Steam für 17,49 US-Dollar (75 Prozent Rabatt) erhältlich und im Xbox Game Pass (Premium- und Ultimate-Tarif) sowie im PlayStation Plus-Katalog (Extra und Premium) enthalten. Wer im Sommer keine echte Reise unternehmen konnte, findet hier einen der unterhaltsamsten digitalen Urlaube des Jahres – in einer Sandbox, die so lebendig ist, dass man die Sonne auf der Haut zu spüren glaubt.