Die Organisation Ninjas in Pyjamas (NiP) zieht sich aus der brasilianischen Rainbow Six Siege-Szene zurück. Nur vier Wochen nach dem fünften Platz im SAL Stage 1 Split, der dem Team die Qualifikation für die Esports World Cup 2026 verwehrte, kündigte der schwedische Klub mit Hauptsitz in Abu Dhabi den Ausstieg aus dem Ökosystem in Südamerika an.
NiP verkündet Abschied aus Brasilien
NiP veröffentlichte die Entscheidung in einer offiziellen Mitteilung. Der Klub bedankte sich bei den Fans und Spielern für die gemeinsame Reise und betonte die Liebe zum Spiel. „Kapitel wechseln, und die Zukunft ist nie sicher, aber unsere Liebe zu Rainbow Six Siege bleibt bestehen. Wir hoffen, dass dies nicht das letzte Mal ist, dass sich unsere Wege kreuzen“, heißt es in der übersetzten Stellungnahme.
Besonders die Formulierung des Rückzugs „aus Brasilien“ ließ Spekulationen aufkommen, dass NiP das Team in eine andere Region verlegen könnte. Die Organisation ist mittlerweile in Abu Dhabi ansässig, was einen Wechsel nach Europa oder in den Nahen Osten denkbar macht. Die Ankündigung ließ jedoch offen, ob ein kompletter Ausstieg aus dem Titel oder eine Neuausrichtung mit einer anderen Aufstellung geplant ist.
Die Zukunft des aktuellen Kaders
Bereits am 14. August stellte NiP seine aktive Aufstellung auf die Bank und erlaubte den Spielern, sich auf dem Transfermarkt nach neuen Optionen umzusehen. Das vorläufig aussortierte Line-up bestand aus:
- Gabriel „pino“ Fernandes
- Diogo „Fntzy“ Lima
- Gabriel „Hatez“ Kobuszewski
- Gustavo „Wizard“ Gomes
- Guilherme „Bassetto“ Bassetto
Von diesen Spielern sticht besonders Gabriel „Hatez“ Kobuszewski hervor. Er gewann im SAL Stage 1 drei MVP-Auszeichnungen und war der herausragende Akteur im Team. Seine Marktwert ist entsprechend hoch, und er dürfte derjenige sein, der am schnellsten einen neuen Arbeitgeber findet.
Vergangenheit und Gegenwart – Der Niedergang eines Champions
NiP stieg 2018 in die brasilianische Rainbow-Six-Szene ein und krönte sich 2021 zum Gewinner des Six Invitational, dem Weltmeisterschaftsturnier des Spiels. In den darauffolgenden Jahren wurde der Klub jedoch von regionalen Rivalen wie FURIA und FaZe Clan überflügelt. Die beiden letztgenannten Teams spielten erst kürzlich das große Finale des EWC 2026 aus, während NiP in der Gruppenphase scheiterte.
Vom Siegerkader aus dem Jahr 2021 ist kein Spieler mehr aktiv. Einzige Konstante war Gabriel „pino“ Fernandes, der seit Oktober 2019 im Team stand – eine fast siebenjährige Zugehörigkeit, die nun ebenfalls endet.
Auswirkungen auf den brasilianischen Esport
Mit dem Abgang von NiP verliert Brasilien eine der ikonischsten Organisationen des Landes. Der wirtschaftliche Druck auf kleinere Klubs und die zunehmende Abwanderung von Talenten in andere Regionen setzen die südamerikanische Szene massiv unter Druck. Das Fehlen eines etablierten Großklubs könnte dazu führen, dass Spieler noch stärker nach Nordamerika oder Europa streben, was die lokale Wettbewerbsfähigkeit weiter schwächt.
Gleichzeitig eröffnet dieser Schritt neue Chancen: Die freigewordenen, hochkarätigen Spieler können künftig Roster in anderen Ligen verstärken oder eine neue Organisation aufbauen, die bereit ist, in die Region zu investieren. Die Entwicklung bleibt abzuwarten, aber eines ist sicher: Der brasilianische Rainbow-Six-Esport steht vor einem tiefgreifenden Umbruch.
Wohin führt der Weg für die Ex-NiP-Spieler?
Die Transferphase ist eröffnet, und die Spieler verhandeln mit möglichen Arbeitgebern. Sollte kein Team aus Brasilien die Spieler unter Vertrag nehmen, droht dem gesamten Kader eine ungewisse Zukunft. Ein Wechsel in die nordamerikanische oder europäische Liga wäre für die meisten Spieler die logische Konsequenz, doch die kulturelle und sprachliche Barriere bleibt ein Hindernis.
Der Esport-Kalender lässt wenig Zeit für lange Verhandlungen. Die nächste Saison beginnt im Frühjahr 2027, und Trainer und Manager arbeiten bereits an den Kaderplanungen. Die Zeit drängt für die fünf Spieler, einen neuen Klub zu finden, der bereit ist, auf ihr Talent zu setzen.