Am 3. September 2026 erscheint mit Orbitals ein Koop-Abenteuer, das auf der Nintendo Switch 2 eine besondere Lücke füllen möchte. Der von Shapefarm entwickelte und von Kepler Interactive publizierte Titel setzt nicht nur auf obligatorischen Split-Screen-Multiplayer, sondern auch auf eine komplett handgezeichnete Präsentation, die an die großen Anime-Klassiker der 1980er-Jahre erinnert. Der Preis liegt bei R$ 169.
Handgezeichnete Cutscenes und eine nostalgische Ästhetik im Zeitalter von KI
Während die Spieleindustrie zunehmend auf algorithmisch generierte Inhalte setzt, geht Orbitals einen bewusst analogen Weg. Die Zwischensequenzen stammen vom japanischen Studio Massket und wurden vollständig von Hand gezeichnet. Das Ergebnis ist eine Bildsprache, die jeden Charakter, jede Bewegung und jede emotionale Regung mit einer selten gewordenen Sorgfalt einfängt. Dieser Stil beschränkt sich nicht auf die Cutscenes: Das gesamte Spiel – ein 3D-Weltraum-Abenteuer – ist visuell so gestaltet, dass es sich wie ein spielbarer Anime der Achtziger anfühlt. Die zweidimensionale Ästhetik wird dabei auf eine dreidimensionale Spielwelt übertragen, was zu einer beeindruckenden optischen Konsistenz führt. In einer Zeit, in der hyperrealistische Render längst Standard sind, beweist Orbitals, dass eine starke künstlerische Handschrift mehr bewirken kann als jede technische Höchstleistung.
Der Soundtrack bleibt im Kopf
Die musikalische Untermalung folgt demselben retrospektiven Ansatz. Die Originalsoundspur untermalt sowohl ruhige Erkundungsphasen als auch die emotionalen Höhepunkte der Erzählung. Besonders hervorzuheben ist, dass die Melodien auch nach dem Ausschalten des Controllers im Ohr bleiben – ein klares Zeichen dafür, dass Musik nicht nur funktioniert, sondern zum Erlebnis beiträgt. Dazu kommt eine vollständige brasilianische Vertonung, die dem Spiel den Charakter einer liebevoll produzierten Animationsserie verleiht.
Eine Geschichte über Verlust, Alter und die Hoffnung im Unbekannten
Die Handlung setzt unmittelbar nach einer kosmischen Katastrophe ein: Ein Sturm hat die Raumstation der Protagonisten zerstört. Maki und Omura, zwei junge Entdecker, müssen fortan durch die Weiten des Alls reisen, um Ressourcen für den Wiederaufbau zu sammeln. Ihre Familie – eine Gruppe liebenswerter älterer Überlebender – wartet in einer prekären Umlaufbahn auf sie. Die Begegnung mit den Ruinen vergangener Zivilisationen und unbekannten Lebensformen wird schnell zu einer Reise durch die eigene Psyche.
Besonders gelungen ist der Kontrast zwischen den jungen Helden und der älteren Crew. Maki und Omura verkörpern Neugier und Tatendrang, während die Alten mit Verlust, Scham und der Angst vor dem Unbekannten kämpfen. Orbitals vermeidet dabei jede platte Botschaft über Chancen oder Meritokratie. Stattdessen geht es um Widerstandsfähigkeit, um das Loslassenkönnen und um die schlichte Einsicht, dass nicht alles kontrollierbar ist. Die Themen Altern, Zerbrechlichkeit des Lebens und Umgang mit Trauer werden nicht dramatisiert, sondern leise und hoffnungsvoll erzählt. Gerade in dieser leisen Note liegt die Stärke der Narration.
Koop-Pflicht: Gameplay im Split-Screen
In puncto Gameplay orientiert sich Orbitals an der erfolgreichen Formel von Titeln wie It Takes Two und Split Fiction. Das bedeutet: Kooperation ist nicht optional, sondern Pflicht, um das Spiel überhaupt abschließen zu können. Die Spielzeit beträgt im Test etwa sieben Stunden – eine ideale Länge für ein Wochenend-Projekt zu zweit.
Die Herausforderungen teilen sich in verschiedene Kategorien auf: kleine Rätsel, Plattform-Passagen und Gefechte an Bord des Raumschiffs. Mal steuert ein Spieler das Schiff, während der andere schießt, mal müssen beide ihre spezifischen Werkzeuge einsetzen, um den Weg freizumachen. Die Abwechslung bleibt hoch, auch wenn die Plattform-Abschnitte eine gewisse Präzision verlangen, die nicht jedem Spieler liegen dürfte. Die grundsätzliche Freiheit, welche Ausrüstung man in welcher Phase nutzt, mildert Frustration aber deutlich ab.
Lokaler und Online-Multiplayer mit Flexibilität
Der Koop-Modus ist für zwei Spieler ausgelegt und kann sowohl lokal im Split-Screen als auch online über die Funktionen der Switch 2 gespielt werden. Besonders praktisch: Der Titel unterstützt GameShare und den Global Friend Pass, sodass nur eine Kopie des Spiels benötigt wird. Das senkt die Einstiegshürde erheblich und macht Orbitals zu einem echten Einladungstitel. Die Erfahrung lebt von der Kommunikation – und von dem Moment, in dem man blind darauf vertrauen muss, dass der Partner den richtigen Knopf drückt.
Spielzeit, Preis und Platz im Koop-Genre
Mit einem Preis von R$ 169 positioniert sich Orbitals unter den üblichen Launch-Preisen für die Switch 2. Betrachtet man die gebotene Spielzeit allein, mag der Wunsch nach ein oder zwei Stunden mehr aufkommen – insbesondere für Rätselfreunde. Allerdings relativiert sich die Rechnung, sobald man den Preis auf zwei Personen aufteilt. Dann wird klar, dass hier ein stimmiges Gesamtpaket geschnürt wurde.
Eine Revolution des Koop-Genres ist Orbitals nicht. Die mechanischen Grundlagen sind bekannt und funktionieren solide. Der große Trumpf liegt in der gelungenen Kombination aus Gameplay, künstlerischer Leitung und Erzählung. Hinzu kommt das klare Bekenntnis zur Handarbeit: In einer Zeit, in der KI-generierte Inhalte allgegenwärtig sind, erinnert Orbitals daran, dass der menschliche Touch unersetzlich bleibt. Das Spiel weiß genau, wann es aufhören muss – wie eine gute Miniserie, die man an einem Abend durchschaut, ohne dass sie sich endlos dehnt.
Für Fans von It Takes Two und Split Fiction ist Orbitals ein Pflichttermin. Für alle anderen ist es ein Plädoyer für das gemeinsame Spielerlebnis und eine Liebeserklärung an eine Ära, in der Spiele noch mit Tinte und Leidenschaft gezeichnet wurden – eine Botschaft, die auf der Nintendo Switch 2 ihren perfekten Platz findet.