Blizzard hat den Battle Pass für Overwatch in Season 4 grundlegend überarbeitet. Die meisten Änderungen stoßen auf Zustimmung, doch eine Neuerung sorgt für Frustration: Ein erheblicher Teil der Gratiswährung wurde ans Ende des Passes verschoben. Das neue System führt mehrere sogenannte Tracks ein, die jeweils mit einem eigenen Skin enden. Laut Produktdirektor Chris McCabe soll dies den Spielern mehr Kontrolle über ihre Belohnungen geben. Der Haken dabei: 400 goldene Overwatch Coins und 30 Mythic Prisms sind ausschließlich im letzten Track zu finden, der erst freigeschaltet wird, wenn alle vorherigen Tracks abgeschlossen sind. Das entspricht in etwa der Stufe 72 in früheren Battle Pässen, bevor man auf einen größeren Batzen Gratisinhalte zugreifen kann.
Ein neues Track-System mit Tücken
Die neue Battle-Pass-Struktur erinnert an das Modell von Call of Duty und übernimmt die Strategie von NetEases Marvel Rivals, alte Battle Pässe jederzeit nachholen zu können. Gratiswährung ist in diesen alten Pässen jedoch nicht enthalten. Während einige Spieler begrüßen, dass sie sich nun aussuchen können, welche Skins sie zuerst freischalten, sind viele andere mit der Änderung unzufrieden. Die Kritik konzentriert sich darauf, dass Blizzard die freien und sogar die kostenpflichtigen Währungen in den finalen Track verlegt hat.
Wo die Gratiswährung jetzt liegt
In Season 4 erhalten Spieler 200 Overwatch Coins auf Stufe 12 – allerdings nur, wenn sie den entsprechenden Track wählen. Wer also die 200 freien Coins haben möchte, muss den Track mit dem Pharah-Skin priorisieren. Der Rest der Gratiswährung ist erst nach Abschluss aller anderen Tracks und der finalen Stufe verfügbar. Auch für Spieler, die den Ultimate Pass kaufen, hat sich das System verschlechtert. Mythic Prisms, die Währung für mythischen Skins, waren zuvor über die Stufen verteilt: 10 Prisms alle 10 Stufen. Jetzt gibt es nach dem Starter-Track (fünf Stufen) 10 Prisms auf Stufe 11 jedes optionalen Tracks. Die letzten 30 Prisms liegen im finalen Track.
Die Kosten im Detail
Ein mythischer Skin kostet 50 Prisms, jede zusätzliche Anpassungsoption 10 Prisms. Das gesamte Set schlägt mit 80 Prisms zu Buche, die zusätzlichen Farbvarianten kosten 100 bis 110 Prisms. Für Spieler, die sparsam mit ihren Prisms umgehen, macht jeder einzelne Prism einen Unterschied. Zum Vergleich: 10 Prisms kosten im Shop 10 US-Dollar, das nächstgrößere Paket mit 30 Prisms kostet 25 US-Dollar. Die Preise sind nicht ohne.
Mehr Grind, weniger Flexibilität
Früher verteilte Blizzard die Gratiswährung gleichmäßiger über die Stufen. Man erhielt alle 20 Stufen goldene Overwatch Coins. Zwar musste man auch damals den Großteil des Passes absolvieren, um alle 600 Coins zu erhalten. Wer aber nicht die Zeit hatte, jede Saison rund 80 Stufen zu erklimmen, konnte immerhin 200 bis 400 Coins mitnehmen – ohne riesigen Zeitaufwand. Das reichte oft, um den nächsten Battle Pass zu finanzieren oder einen Shop-Skin zu ergattern. Jetzt sind die Coins fast vollständig ans Ende verschoben, was Free-to-Play-Spieler besonders hart trifft. Sie müssen nun fast den gesamten Pass durchspielen, bevor sie nennenswerte Gratiswährung erhalten.
Zeitaufwand und Spieleralltag
Wer alle 80 Stufen erreichen will, muss etwa sechs Partien pro Tag absolvieren – vorausgesetzt, man spielt nur Quick Play und nicht Stadium oder Competitive. Eine durchschnittliche Partie dauert weniger als zehn Minuten, bei kurzen Wartezeiten kommt man auf etwa eine Stunde Spielzeit täglich. Das klingt nach wenig, aber für Berufstätige, Studierende oder Eltern mit familiären Verpflichtungen ist eine Stunde am Tag eine erhebliche Investition. Hinzu kommt der Wunsch, auch andere Spiele zu spielen oder die freie Zeit anders zu nutzen.
Community-Reaktionen und Zukunftsperspektive
In den sozialen Medien und Foren äußern sich Spieler enttäuscht. Ein Nutzer kommentierte, dass die Änderung „super fies“ von Blizzard sei. Ein anderer vermutete, dass das Unternehmen damit die Spieler dazu drängen wolle, den teureren Ultimate Pass zu kaufen, anstatt den Battle Pass durch die enthaltene Währung selbst zu finanzieren. Die Mehrheit der Kritik richtet sich gegen die Verlagerung der Gratiswährung, die Free-to-Play-Spieler bestraft. Blizzard hat in den letzten zwei Jahren zwar verstärkt auf Spielerfeedback zu Themen wie Interface und Kartendesign reagiert, doch ob die Battle-Pass-Änderungen ebenfalls zur Revision anstehen, ist unklar.
Ob sich Blizzard zu einer Anpassung durchringen wird, bleibt abzuwarten. Die neue Struktur mag mehr Kontrolle über die Belohnungen bieten, doch der verschärfte Grind für Gratiswährung könnte langfristig die Spielerbasis verärgern. Gerade in einem Markt, in dem Wettbewerber wie Marvel Rivals mit großzügigeren Modellen locken, könnte diese Entscheidung für Overwatch zum Nachteil werden.