Roblox Investoren Priorisieren UGC Plattform Für Käufe

Von Gaming Central - Gaming-Redaktion & Analyse

Die Investmentfirma Double Black Capital berichtet von einem Boom bei Käufen und Investments in erfolgreiche User-generated-content-UGC-Plattformen, insbesondere Roblox. Kapitalgeber und Publisher, die früher PC- und Konsolenspiele förderten, orientieren sich nun verstärkt auf diese Space, weil die Geschäftsmodelle dort – mit extrem niedrigen Produktionskosten und hohen Margen – attraktiver sind als in traditionellen Branchen. Die M&A-Aktivititäten sind dabei oft schneller und unkomplizierter, aber auch chaotischer: Teenager-Entwickler verkaufen ihre Games mit Screenshots von Discord-Chats als Vertrag, während Private-Equity-Firmen mit komplexen Due-Diligence-Prozessen ankommen.

Roblox, UEFN und Minecraft: Der neue Goldrausch für Investoren

Für Double Black Capital hat sich das Geschäft mit UGC-Deals in den letzten fünf Jahren stark professionalisiert. Anfangs war die Szene noch sehr unstrukturiert: „Einer unserer ersten Kontakte war ein 20-Jähriger, der alle Zoom-Meetings im Bademantel von seinem Haus abhielt und seine Spiele verkaufen wollte“, erzählt Firmenpartner Andrew Porat. Er hatte damals schon 13 Jahre Erfahrung auf Roblox. Diesem frühen Deal folgten viele weitere – heute sind nicht nur große Roblox-native Publisher wie Voldex, Do Big oder GameFam als Käufer aktiv, sondern auch Private-Equity-Investoren und mittelgroße Publisher wie GameForge. Porat erwartet, dass bald auch große Publisher wie EA, Take-Two oder Scopely deutlich investieren werden.

Ein entscheidender Punkt für Investoren: Die Plattformen wie Roblox bieten zwar weniger Kontrolle als klassische Vertriebskanäle („Platform Risk“), aber die Skalierung ist enorm. Ein Spiel, das mit unter 50.000 Dollar entwickelt wurde, kann zehn Millionen Dollar Jahresumsatz generieren – nach Abzug der 70%-Plattformgebühren bleibt immer noch eine sehr profitable Margenstruktur. „Das ist ein besserer Business Case als fast alles im traditionellen Gaming“, sagt Porat.

Verkauf auf Discord: Wie Teenager-Entwickler und Private Equity zusammenfinden

Brogan Keane, Managing Partner bei Double Black Capital, beschreibt die Herausforderungen beim Matching von hochprofessionellen Investoren mit oft sehr jungen, unerfahrenen Entwicklern. „Private Equity kommt mit diesen knallharten Business-Taktiken, die bei einem Teenager, der mit seinem Mama im Haus wohnt und Management-Meetings vom Bett macht, einfach nicht funktionieren“, sagt Keane. Auch die rechtlichen Strukturen waren früher kaum vorhanden: „Es gab keine LLCs oder C-Corporations. Ein Vertrag für Due Diligence war ein Screenshot eines Discord-Chats, in dem eine Person fragte: ‚Stimmst du dem zu?‘ und die andere ‚Ja‘ schrieb.“

Heute haben sich viele UGC-Creators professionalisiert und nutzen Anwälte – oft jedoch regionale Rechtsberater ohne Branchenkenntnis im M&A. Porat sieht hier noch „Raum für Wachstum“. Für Entwickler, die ernsthaft verkaufen wollen, ist Keanes Rat klar: „Wenn du wirklich ein Business aufbauen willst, brauchst du eine rechtliche Grundstruktur. Gründet ein Unternehmen und holt Hilfe, insbesondere juristische Unterstützung, um es korrekt aufzusetzen.“

Kürzere Earnouts und Communities als strategisches Kapital

Die Transaktionen im UGC-Space unterscheiden sich deutlich von klassischen Gaming-Akquisitionen. Porat erklärt: „In fast allen Roblox-Deals, die wir sehen, werden Spiele verkauft, nicht Studios.“ Die Käufer übernehmen das Game, unterstützen während einer kurzen Übergangsphase, halten vielleicht eine Prozentanteil, aber die Entwickler bleiben nicht als Team. Auch die Earnout-Perioden sind viel kürzer: „Bei PC, Console oder Mobile dauert ein kurzer Earnout zwei bis drei Jahre. Bei Roblox sind es zwei bis drei Monate“, sagt Keane.

Ein weiterer Wertpunkt sind die großen Communities, die erfolgreiche UGC-Titel mitbringen. Porat nennt ein Beispiel: „Einer unserer Clients im Roblox-Space betreibt einen der Top-20-Discord-Server insgesamt – nur für sein Spiel, das er vor einem Jahr gemacht hat.“ Diese Communities bieten eine starke Basis, auch wenn die IPs vielleicht nicht zehn Jahre halten. Käufer zielen daher oft auf eine zwei- bis fünfjährige Investitionsrendite, nicht auf langjährige IP-Entwicklung.

Die Zukunft: Minecraft, UEFN und der Ausblick auf größere Publisher

Der Trend zu UGC-Investments breitet sich laut Double Black Capital auch auf andere Plattformen aus. Porat sagt: „Minecraft kommt jetzt ins Spiel, weil einige im Minecraft-Space hungrig sind und die Roblox-Story sehen.“ Die Firma arbeitet bereits mit einem Minecraft-Studio, einem UEFN-Studio und einem GTA-UGC-Unternehmen. Die Attraktivität liegt in den geringen Betriebskosten und hohen Cashflows – mittelgroße Publisher sehen UGC als risikoärmere Alternative zu neuen PC- oder Konsolenprojekten.

Porat betont, dass negative Publicity zu Moderation und Jugendschutz auf Roblox für Investoren keine Hürde ist, sondern sogar eine Chance bietet: „Das schafft ein Opportunity für diejenigen, die wirklich tief in die Materie gehen.“ Die Kernaussage bleibt: Wer ein UGC-Game mit niedrigem Budget erschaffen kann, das dann Millionenumsätze generiert, wird immer Investoren finden – egal ob Teenager oder professionelles Studio.

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