Summer Game Fest: Japans Spieleentwickler ziehen dem Westen davon

Das Summer Game Fest 2025 enthüllte eine beeindruckende Dominanz japanischer Entwickler, während westliche Studios mit weniger Begeisterung aufwarteten.

Japanische Studios wie Capcom und Square Enix stehlen dem Westen auf dem Summer Game Fest die Show.
Highlights
  • Die Ankündigungen von Resident Evil Code Veronica und Final Fantasy 7 Revelation prägten die Eröffnung und das Finale der Show.
  • Geoff Keighleys Aussage, die 'Magie sei zurück', verlor im Laufe der Veranstaltung an Glaubwürdigkeit.
  • Asiatische Studios aus Japan, China und Korea lieferten die lautstärksten Reaktionen des Publikums in Los Angeles.

Das diesjährige Summer Game Fest hat eine besorgniserregende Entwicklung für die westliche Spieleindustrie eindrucksvoll untermauert: Japanische Entwickler liefern derzeit jene Qualitätstitel ab, nach denen die Hardcore-Spieler verlangen, während der Westen kaum hinterherkommt. Es war eine zweistündige Zurschaustellung von Kreativität und Können, die vor allem aus Fernost kam – und das in Los Angeles, im Herzen der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie.

Die Dominanz japanischer Schwergewichte

Es war nur folgerichtig, dass Capcom und Square Enix die Veranstaltung mit den Ankündigungen zu Resident Evil: Code Veronica (Remake) und Final Fantasy 7 Revelation (Teil 3 des Remake-Projekts) umrahmten. Dazwischen reihten sich weitere japanische Produktionen aneinander. Wer die Liste der großen westlichen Studios in diesem Line-up suchte, konnte sich an einer Hand abzählen. Die Präsenz chinesischer und koreanischer Entwicklerstudios war ebenfalls bemerkenswert, aber der Löwenanteil der Begeisterung galt japanischen Titeln.

Im Dolby Theatre in Los Angeles, dem Schauplatz der Show, war die Euphorie des Publikums vor allem dann spürbar, wenn ein neues Spiel aus Japan gezeigt wurde. Titel wie Teenage Mutant Ninja Turtles: The Last Ronin von PlatinumGames, Gen Atlas von Fumito Ueda (dem Schöpfer von Shadow of the Colossus), Gundam Rogue Orbit und Virtua Fighter Crossroads ernteten die lautstärksten Reaktionen. Selbst Stellar Blade von Shift Up, aus Südkorea, sorgte für große Begeisterung.

Eine nostalgische Reise mit Gewalt und Härte

Das Summer Game Fest unter der Leitung von Geoff Keighley hat sich endgültig von den familienfreundlichen Tugenden einer klassischen E3 verabschiedet. Die Veranstaltung, so der Eindruck, setzt ganz bewusst auf einen erwachsenen, oft düsteren Ton. Ein Besucher hatte seine beiden Kinder mitgebracht, die während der Show eher zwischen Block Blast auf dem Smartphone und den blutigen Trailern hin- und hergerissen wirkten. Der Pegel an expliziter Gewalt war bemerkenswert hoch: Zombies, Überfälle, stilisierte Kämpfe – alles in einer visuellen Brillanz, die zeigt, wie weit die Technik ist, aber auch, wie sehr sich der Markt in eine Nische der Härte bewegt.

Warum die Magie nicht zurück ist

Geoff Keighley eröffnete die Show mit der Aussage, die „Magie sei zurück“. Ein Satz, der im Laufe der folgenden zwei Stunden zunehmend an Gewicht verlor. Er bezog sich dabei auf den Aufschwung kleinerer Indie-Hits, die auf Steam Millionenumsätze erzielen. Ein Balkendiagramm, das die Anzahl neuer, origineller Steam-Spiele mit über einer Million verkauften Einheiten im letzten Jahr zeigte, sollte dies untermauern. Doch dieser Fokus auf die PC-Plattform und die Aufforderung „get wishlisting“ konnten nicht über die tiefen Risse hinwegtäuschen, die durch die westliche Konsolenindustrie gehen.

Die großen Konsolenhersteller Sony und Xbox hielten sich bedeckt und sparten ihre größten Ankündigungen für ihre eigenen Präsentationen auf. Keighleys Versuch, das Summer Game Fest als Lösung für das branchenweite „Discovery-Problem“ – also die mangelnde Sichtbarkeit neuer Spiele – zu positionieren, wirkt vor diesem Hintergrund gewagt. Die Kosten für einen Trailerplatz in dieser Show sind bekanntermaßen hoch, was die Reichweite für kleine Indie-Entwickler stark einschränkt. Die Frage, welche Trailer bezahlt und welche aufgrund ihrer redaktionellen Bedeutung ausgewählt wurden, war dieses Jahr schwieriger zu beantworten als zuvor.

Was ist das „Discovery-Problem“ der Spieleindustrie?

Das „Discovery-Problem“ bezeichnet die Schwierigkeit für Spieler, in der schieren Masse an täglich erscheinenden Spielen diejenigen zu finden, die den eigenen Vorlieben entsprechen. Für Entwickler, insbesondere kleinere Studios, ist es eine große Hürde, überhaupt wahrgenommen zu werden. Veranstaltungen wie das Summer Game Fest versuchen, dieses Problem durch gebündelte Aufmerksamkeit zu lösen, bleiben aber oft den finanzstarken Publishern vorbehalten.

Westliche Höhepunkte und chinesische Präsenz

Es gab sie durchaus, die Momente westlicher Stärke. Die Ankündigung von Alien Isolation 2 des britischen Studios Creative Assembly war das einzige große westliche Spiel, das wirklich frenetisch gefeiert wurde. Die Vorstellung von 1666 Amsterdam des kanadischen Assassin’s-Creed-Schöpfers Patrice Désilets erntete höflichen Applaus, ebenso wie Clutch vom UK-Studio Maverick Games, dessen hervorragender Trailer im Lärm des Publikums unterzugehen drohte. Das US-Spiel Crossfire schnitt gut ab, auch wenn die Entwickler kurzzeitig in zu detaillierte Erklärungen des Deckungssystems abdrifteten.

Die zunehmende Bedeutung asiatischer Studios, allen voran aus China, war unübersehbar. Titel wie Blood Message und Sword of Legends repräsentierten diesen wachsenden Einfluss. Sie vermochten das Publikum jedoch nicht so zu elektrisieren wie die japanischen Blockbuster. Eine angenehme Überraschung war die Ankündigung von The Wolf Among Us, die einen Zuschauer in unmittelbarer Nähe der Redaktion in wahre Ekstase versetzte.

Ein Finale der Versöhnung

Der Abschluss der Show mit dem Fan-Liebling Final Fantasy 7 Revelation war ein strategisch kluger Schachzug. Nach dem Eklat um die Enthüllung des Spiels Highguard bei den Game Awards im vergangenen Jahr, das nur kurz existierte, bevor es eingestellt wurde, setzte man diesmal auf Nummer sicher. Die Menge verließ das Dolby Theatre euphorisiert, taub vom zwei Stunden andauernden Bass, aber mit dem Gefühl, eine erfolgreiche und unterhaltsame Show erlebt zu haben. Für das Publikum vor Ort war es ein Triumph. Ob dieser Eindruck auch für die Zuschauer vor den Bildschirmen galt, ist eine andere Frage – doch in diesem Jahr hat das Summer Game Fest eindrucksvoll bewiesen, dass der Rhythmus der Branche derzeit von Tokio, Seoul und Peking vorgegeben wird, nicht von Los Angeles.

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