Der überwältigende Erfolg von Baldur’s Gate 3 hat nicht nur eine neue Ära für rundenbasierte Rollenspiele eingeläutet, sondern nun offenbar auch ein lang ersehntes Projekt bei Wizards of the Coast angestoßen. Wie aus einem aktuellen Bericht hervorgeht, befindet sich ein Remake von Baldur’s Gate 2 offiziell in Entwicklung – und das mit prominenter Beteiligung eines der ursprünglichen Schöpfer.
Wizards of the Coast übernimmt die Entwicklung des Klassikers
Anders als viele Fans vermuten mögen, wird das Remake nicht vom ursprünglichen Studio BioWare umgesetzt. Stattdessen hat Wizards of the Coast die Federführung übernommen, das unter dem Dach von Hasbro die Dungeons-&-Dragons-Lizenz verwaltet. Die Wahl des Studios ist naheliegend, schließlich möchte der Konzern die Zugkraft der Marke nutzen, die durch Baldur’s Gate 3 enorm an Popularität gewonnen hat. Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr von Kevin Martens, dem damaligen Co-Lead-Designer des Originals, der heute fest zu Wizards of the Coast gehört und die Entwicklung des Remakes maßgeblich begleiten wird.
Was bedeutet der Erfolg von Baldur’s Gate 3 für die Neuauflage?
Baldur’s Gate 3 gewann 2023 den Titel „Spiel des Jahres“ und lockte ein völlig neues Publikum in die Welt der Vergessenen Reiche. Larian Studios gelang es, ein komplexes D&D-Regelwerk so zugänglich zu machen, dass Millionen Spieler erstmals mit dem Franchise in Berührung kamen. Für diese Zielgruppe ist Baldur’s Gate 2 – ein 26 Jahre alter Titel – jedoch weitgehend Neuland. Ein Remake bietet die Chance, die legendäre Geschichte um den Gottsohn und die Schatten von Amn einer modernen Spielerbasis nahezubringen, ohne dass diese auf veraltete Mechaniken oder Grafik verzichten müsste.
Welcher Umfang ist zu erwarten?
Bislang ist nicht bekannt, in welchem Umfang das Remake umgesetzt wird. Sollte Wizards of the Coast denselben Aufwand betreiben wie Larian mit Baldur’s Gate 3, müsste man mit einer mehrjährigen Entwicklungszeit rechnen. Ein solcher Ansatz würde bedeuten, dass die komplette Spielwelt von Grund auf neu konstruiert, die Dialoge neu vertont und das Regelwerk an die fünfte Edition von Dungeons & Dragons angepasst werden müssten. Die Alternative wäre eine moderatere Überarbeitung: verbesserte Texturen, eine angepasste Benutzeroberfläche und technische Optimierungen, die das Spiel auf modernen Systemen lauffähig machen, ohne die ursprüngliche Spielmechanik grundlegend zu verändern. In diesem Fall könnte das Remake deutlich früher erscheinen.
Warum könnte auch ein Remake des ersten Baldur’s Gate in Arbeit sein?
Interessanterweise deuten die Quellen darauf hin, dass parallel auch ein Remake des ersten Baldur’s Gate entstehen könnte. Beide Teile sind erzählerisch eng miteinander verwoben: Die Heldentaten aus dem ersten Teil finden ihre direkte Fortsetzung in Baldur’s Gate 2, und viele Charaktere wie Imoen, Minsc oder Jaheira durchziehen die gesamte Trilogie. Eine gleichzeitige Entwicklung beider Remakes wäre aus dramaturgischer Sicht sinnvoll, denn sie würde es Spielern ermöglichen, die komplette Saga ohne Bruch in der Erzählstruktur zu erleben. Zudem könnte Wizards of the Coast so auf einen Schlag ein umfassendes Angebot für die wachsende Fangemeinde schaffen.
Welche Rolle spielt der ursprüngliche Lead-Designer Kevin Martens?
Kevin Martens war maßgeblich an der Entstehung von Baldur’s Gate 2 beteiligt und kennt die Materie wie kaum ein anderer. Seine Rückkehr ist ein starkes Zeichen für die Authentizität des Projekts. Martens arbeitet bereits seit einiger Zeit bei Wizards of the Coast und bringt nicht nur das historische Wissen über die ursprüngliche Entwicklung mit, sondern auch ein Gespür dafür, welche Elemente für die Identität des Spiels unverzichtbar sind. Seine Beteiligung dürfte sicherstellen, dass das Remake nicht nur technisch modernisiert wird, sondern auch den Geist des Originals bewahrt – ein entscheidender Faktor für den Erfolg bei der treuen Fangemeinde.
Wann ist mit einer Veröffentlichung zu rechnen?
Offizielle Terminangaben gibt es bislang nicht. Sollte sich Wizards of the Coast für eine umfassende Neuauflage entscheiden, ist realistisch frühestens in drei bis vier Jahren mit einer Veröffentlichung zu rechnen. Bei einer konservativeren, auf visuelle und technische Verbesserungen fokussierten Umsetzung könnte das Remake bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre erscheinen. Die Entscheidung darüber wird nicht zuletzt vom Budget abhängen, das Hasbro für das Projekt freigibt – und davon, wie dringend man auf den Erfolg von Baldur’s Gate 3 aufspringen möchte, solange die Begeisterung für das Franchise noch frisch ist.
Die Entwicklung eines Baldur’s Gate 2 Remakes zeigt, welchen Einfluss Baldur’s Gate 3 auf die gesamte Spielebranche hat. Was vor wenigen Jahren noch als Nischengenre galt, ist heute ein Milliardenmarkt. Wizards of the Coast hat mit diesem Schritt die Chance, zwei Generationen von Spielern zu vereinen: jene, die damals mit BioWare die ersten Schritte in der Schwertküste unternahmen, und jene, die durch Larians Meisterwerk den Zugang zu dieser Welt gefunden haben. Es bleibt abzuwarten, welchen Weg das Studio einschlägt – doch die Rückkehr eines Urgesteins der Entwicklung macht Hoffnung auf ein Remake, das den legendären Status des Originals nicht nur zitiert, sondern wirklich weiterträgt.