Capcom erweckt Dino Crisis, Lost Planet und Ace Attorney wieder. Drei Marken aus völlig unterschiedlichen Genres, die eines gemeinsam haben: eine treue, seit Jahren auf ein Comeback hoffende Fangemeinde. Was lange als frommer Wunsch galt, wird nun konkret – und wirft zugleich Fragen nach den Formaten, Plattformen und dem Umgang mit den Originalen auf.
Capcom erweckt Dino Crisis, Lost Planet und Ace Attorney wieder
Die Ankündigung reiht sich ein in eine Reihe von Revivals, mit denen Capcom in den vergangenen Jahren seine eigene Geschichte neu aufgerollt hat. Resident Evil wurde mit den Remakes von 2, 3 und 4 zum Maßstab moderner Neuauflagen, Ghost Trick erlebte eine unerwartete Rückkehr, und mit Dragon’s Dogma 2 wurde aus einer früheren Geheimtippreihe ein gefeierter Erfolg. Dass nun ausgerechnet Dino Crisis, Lost Planet und Ace Attorney als nächste Kandidaten gelten, zeigt: Das Unternehmen nimmt seine eigene Historie ernst und traut alten Konzepten auch mit moderner Technik viel zu.
Dino Crisis: Als Capcom die Dinosaurier losließ
Dino Crisis erschien 1999 für die PlayStation und stammt aus der Feder von Shinji Mikami, der kurz zuvor mit Resident Evil das Survival-Horror-Genre definiert hatte. Ihm schwebte eine Mischung aus actionreicher Bedrohung und düsterer Atmosphäre vor – nur eben mit Dinosauriern statt Zombies. Trotz vieler Ähnlichkeiten zu Resident Evil entwickelte die Reihe ein eigenes Gesicht: Die Bedrohung war direkter, die Fortbewegung schneller, und die Raubtiere ließen sich nicht mit einem simplen Kopfschuss aufhalten. Besonders der zweite Teil setzte auf deutlich mehr Action und wurde zu einem der erfolgreichsten Spiele seiner Zeit. Der dritte Teil verlegte das Geschehen ins All und verlor dadurch viele Fans; seither wurde es still um die Marke.
Was ist Dino Crisis? Die Reihe verbindet Survival-Horror-Elemente mit einer übermächtigen Dinosaurier-Bedrohung. In den ersten beiden Teilen steuern die Spieler die Special-Agentin Regina, die in unterirdischen Laboren, Dschungelgebieten und verlassenen Militäranlagen ums Überleben kämpft. Die Spiele setzten auf Ressourcenmanagement, Rätsel und akustische Spannung – eine Formel, die auch einem modernen Remake bestens stehen würde.
Ein neues Dino Crisis im Stil der aktuellen Resident-Evil-Remakes könnte genau deshalb funktionieren, weil es das Urzeit-Szenario ernst nimmt. Die RE Engine, längst ein Markenzeichen des Unternehmens, kann gewaltige Kreaturen mit fotorealistischer Detailtiefe darstellen. Technische Hürden gibt es kaum noch, wohl aber konzeptionelle: Wie viel Action, wie viel Horror? Wie weit darf sich ein Remake von der Vorlage entfernen? Es wäre eine Gradwanderung, die Capcom zuletzt jedoch mehrfach erfolgreich gemeistert hat.
Lost Planet: Eiseskälte, Schrecken und kolossale Maschinen
Lost Planet: Extreme Condition kam 2006 auf den Markt und war eine der ersten großen Third-Person-Shooter-Exklusivproduktionen für die Xbox 360. Das Spiel erzählt von einer Kolonie auf einem eisbedeckten Planeten, deren Siedler gegen einheimische Kreaturen namens Akrid kämpfen. Neben der Infanterieperspektive setzte Capcom auf begehbare Kampfmaschinen, die sogenannten Vital Suits, die dem Spiel eine zusätzliche taktische Ebene verliehen. Der erste Teil war wirtschaftlich erfolgreich, der zweite setzte stark auf kooperative Kämpfe, und der dritte Teil wurde an ein externes Studio vergeben, fiel spielerisch wie kommerziell weitgehend durch. Seither herrscht Funkstille.
Ein Revival von Lost Planet könnte zwei Wege gehen: ein schlichtes Remaster der ersten Teile oder ein kompletter Neustart, der die Grundidee – frostige Weite und gigantische Gegner – neu interpretiert. Moderne Konsolen und PCs haben keine Mühe, offene Schneelandschaften mit dynamischen Wettersystemen zu rendern. Damit sind die technischen Voraussetzungen für ein ambitioniertes Comeback besser als je zuvor.
Ace Attorney: Gerichtssaal statt Schlachtfeld
Ganz anders gelagert ist Ace Attorney, eine Serie, die auf den ersten Blick kaum ins Action-Repertoire von Capcom passen will. Die Reihe ist eine Mischung aus Visual Novel und Adventure, in der der Spieler den Anwalt Phoenix Wright und später weitere Protagonisten durch verworrene Kriminalfälle begleitet. Beweise werden gesammelt, Zeugen befragt und Aussagen auf Widersprüche geprüft – gespielt in einem überzeichneten japanischen Gerichtssaal voller skurriler Figuren und schlagfertiger Dialoge. Der erste Teil debütierte 2001 in Japan, westliche Spieler lernten die Serie 2005 auf dem Nintendo DS kennen. Seitdem hat Ace Attorney eine bemerkenswert treue Fangemeinde aufgebaut, gerade auch im deutschsprachigen Raum. Die Trilogie wurde mehrfach neu aufgelegt, zuletzt in einer modernisierten HD-Fassung für PC, Konsolen und Mobilgeräte.
Für die Wiederbelebung von Ace Attorney gibt es mehrere denkbare Szenarien. Denkbar sind eine erneute Sammlung der klassischen Fälle, eine Übersetzung und Veröffentlichung bisher westlich unveröffentlichter Ableger oder ein völlig neuer Fall, der mit der modernen Erzählstruktur der Serie spielt. Besonders die Fans im Westen hoffen außerdem auf offizielle Lokalisierungen aller Ableger, die bislang nicht auf Englisch oder Deutsch erschienen sind.
Was die Rückkehr für Spieler bedeutet
Capcom verfolgt mit der Rückkehr dieser drei Marken eine kalkulierte Strategie: bekannte Namen mit hohem Wiedererkennungswert aktivieren, ohne das jeweilige Stammpublikum zu verprellen. Bei Dino Crisis und Ace Attorney dürfte die Erwartungshaltung an ein Remake im Stil der Vorlagen besonders hoch sein. Lost Planet wiederum hätte die Chance, eine fast vergessene Spielart des Action-Genres zu erneuern. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Capcom alte Konzepte so überarbeiten kann, dass sie sowohl langjährige Fans als auch neue Spieler überzeugen. Entscheidend wird sein, wie viel Mut das Unternehmen bei der Umsetzung zeigt.
Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet
- Wann erscheinen die Spiele? Bislang gibt es keine Termine. Konkrete Ankündigungen sind in den kommenden Monaten zu erwarten.
- Wer entwickelt die Projekte? Capcom dürfte die Federführung intern behalten, für Lost Planet wäre auch ein externes Partnerstudio denkbar.
- Remaster, Remake oder Neustart? Das ist je nach Marke unterschiedlich. Dino Crisis und Ace Attorney legen ein Remake nahe, Lost Planet könnte ein Neustart guttun.
- Welche Plattformen werden bedient? Capcom veröffentlicht seit Jahren multiplattform. PC, PlayStation und Xbox sind so gut wie sicher, bei Ace Attorney ist auch die Switch ein natürliches Zuhause.
Warum die Rückkehr jetzt kommt
Die Wiederbelebung dieser Marken ist kein Zufall. Capcom befindet sich in einer Phase, in der es die eigene Spielgeschichte gezielt erschließt. Die Remakes von Resident Evil haben bewiesen, dass ein gut gemachtes Remake nicht nur Nostalgie bedient, sondern neue Zielgruppen erreichen kann. Dino Crisis hat in Foren, sozialen Netzwerken und Umfragen über Jahre hinweg eine stetige Nachfrage erzeugt. Ace Attorney lebt durch digitale Neuveröffentlichungen weiter und hat sich längst eine treue Community außerhalb Japans aufgebaut. Lost Planet wiederum gehört zu den wenigen großen Shooter-Marken, die im aktuellen Angebot noch nahezu unverbraucht wirken. Das Potenzial, mit diesen Marken neue Geschichten zu erzählen, ist aus Sicht von Capcom offensichtlich.
Es bleibt also spannend. Capcom hat die Erwartungen hochgeschraubt, muss sich aber zugleich an den eigenen Qualitätsstandards messen lassen. Wenn die drei Projekte ähnlich konsequent umgesetzt werden wie die jüngsten Revivals anderer Publisher, könnten sie nicht nur alte Fangemeinden zurückholen, sondern auch neue Generationen an ungewöhnliche Spielwelten heranführen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Rückkehr von Dino Crisis, Lost Planet und Ace Attorney der nächste Meilenstein in Capcoms Erfolgsgeschichte wird – oder nur ein nostalgischer Rückblick bleibt.