Gewerkschaft verklagt Bethesda wegen Verstoß gegen Arbeitsgesetze in Kanada

Die Gewerkschaft OneBGS wirft Bethesda vor, bei Entlassungen in Montreal das absolute Minimum an Abfindung gezahlt zu haben.

OneBGS reicht Klage gegen Bethesda wegen Verstoßes gegen kanadische Arbeitsgesetze ein.
Highlights
  • Bethesda bot entlassenen Mitarbeitern in Montreal nur die gesetzlich minimal mögliche Abfindung an.
  • Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen vor, Gewerkschaftsrechte während laufender Tarifverhandlungen missachtet zu haben.
  • Der Fall könnte als Präzedenzfall für Arbeitnehmerrechte in der Spieleindustrie dienen.

Die Gewerkschaft OneBGS hat rechtliche Schritte gegen den Spieleentwickler Bethesda eingeleitet. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe bewusst gegen kanadische Arbeitsgesetze verstoßen, als es im Zuge der jüngsten Entlassungswelle bei Xbox Mitarbeiter in Montreal entließ. Die Klage wirft Bethesda vor, den betroffenen Beschäftigten die gesetzlich minimal mögliche Abfindung angeboten und gleichzeitig die Gewerkschaftsrechte missachtet zu haben.

Die Vorwürfe im Einzelnen: Was wirft die Gewerkschaft Bethesda vor?

Laut der Gewerkschaft OneBGS verschickte Bethesda am 17. Juli – dem Tag, an dem das Unternehmen seine Roadmap für künftige Falloutaa-Veröffentlichungen vorstellte – die Kündigungsschreiben an die kanadischen Mitarbeiter des Studios in Montreal. Die betroffenen Angestellten sollten demnach die geringstmögliche gesetzliche Abfindung erhalten: acht Wochen Gehalt als Ausgleich für die Kündigungsfrist, ausstehende Urlaubsvergütung und den sofortigen Verlust der Gruppenkrankenversicherung. Dies widerspreche den Zusicherungen aus einer Videokonferenz vom 6. Juli, in der den Mitarbeitern mitgeteilt worden war, dass sie bis September weiterbeschäftigt blieben, während die Gewerkschaft mit dem Unternehmen über die Abfindungsbedingungen verhandeln sollte.

„Diese Schreiben besagten, dass die Kanadier das absolute Minimum an Abfindung erhalten sollten: acht Wochen Gehalt als Ersatz für die gesetzliche Mindestkündigungsfrist, offene Urlaubsvergütung und so weiter. Sie sollten auch sofort ihre Gruppenkrankenversicherung verlieren“, erklärte die Gewerkschaft. „Bethesda und die Xbox-Führung verdienen Millionen mit unserer Arbeit, und wenn wir das tun, werden wir entsorgt. Der Kreislauf, in dem Beschäftigte für die Fehler des Managements bezahlen, endet hier.“

Hintergrund: Auch CWA reicht Beschwerde gegen Microsoft ein

Die Klage von OneBGS ist Teil einer größeren Auseinandersetzung. Bereits zuvor hatten die Gewerkschaften CWA und CWA Canada gemeinsam eine Unfair-Labour-Practice-Beschwerde gegen Microsoft und seine Töchter Xbox, ZeniMax Media, id Software und Bethesda Game Studios eingereicht. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Mitarbeiter entlassen, ohne die Gewerkschaften zu informieren oder mit ihnen zu verhandeln, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben sei, da Tarifverhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag liefen. Carmel Smyth, Präsidentin von CWA Canada, sagte dazu: „Die Gewerkschaften haben Beschwerden gegen Microsoft eingereicht, weil das Unternehmen Mitarbeiter unrechtmäßig entlassen hat, ohne die Gewerkschaft zu benachrichtigen oder mit ihr zu sprechen, wie es der Arbeitgeber gesetzlich tun muss, wenn wir uns mitten in laufenden Tarifverhandlungen befinden.“

Xbox äußert sich zu den Anschuldigungen

Xbox hat auf die Vorwürfe reagiert. In einer Stellungnahme hieß es: „Wir respektieren das Recht unserer Mitarbeiter, ihre Stimme zu erheben, und wir erkennen an, dass dies eine schwierige Zeit für viele ist. Wir haben uns an die Gewerkschaft gewandt, um Verhandlungen über die Folgen der Entlassungen zu beginnen, und wir sind diesem Prozess verpflichtet. Wir bleiben darauf konzentriert, die betroffenen Mitarbeiter während dieses Übergangs zu unterstützen und gleichzeitig das Unternehmen für langfristige Stärke zu positionieren.“ Ob diese Aussage den Vorwurf der unterlassenen Konsultation entkräftet, werden die laufenden Verfahren zeigen.

Ausblick: Welche Konsequenzen drohen?

Die rechtlichen Auseinandersetzungen stehen noch am Anfang. Sollte die Klage von OneBGS oder die Beschwerden der CWA erfolgreich sein, drohen Bethesda und Microsoft Nachzahlungen, Strafen sowie die Auflage, künftige Entlassungen ordnungsgemäß mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Der Fall könnte weit über Kanada hinaus als Präzedenzfall für die Rechte von Beschäftigten in der Spieleindustrie dienen, in der Gewerkschaftsgründungen und -verhandlungen in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Branche beobachtet die Entwicklung genau, denn sie zeigt, dass selbst große Konzerne wie Microsoft bei der Umsetzung von Arbeitsgesetzen nicht über den Gewerkschaften stehen.

Diesen Artikel teilen