Die Ankündigung von Massenentlassungen bei Obsidian Entertainment hat in der vergangenen Woche nicht nur für Erschütterung gesorgt, sondern auch eine altbekannte Debatte neu entfacht: Ist das Studio hinter Rollenspiel-Klassikern wie Fallout: New Vegas und Star Wars: Knights of the Old Republic 2 überhaupt noch dasselbe? Brandon Adler, Director des kommenden The Outer Worlds 2, bezieht nun klar Stellung und verteidigt die kreative Identität seines Arbeitgebers mit Nachdruck. In einem persönlichen Statement auf LinkedIn stellt er klar, dass das Herz von Obsidian trotz aller Veränderungen noch immer im selben Takt schlägt wie vor zwei Jahrzehnten.
Nach den Entlassungen: Kritik an der Studio-Identität
Rund ein Viertel der Belegschaft verlor bei den jüngsten Streichungen durch Mutterkonzern Microsoft ihren Job, eine Zäsur, die auch an der internen Stimmung nicht spurlos vorübergeht. Inmitten dieser schwierigen Phase meldeten sich jedoch auch Stimmen zu Wort, die Obsidian pauschal absprachen, noch die Qualität vergangener Tage zu besitzen. Auslöser war nicht zuletzt ein Bericht, wonach das Studio nach den Entlassungen die Arbeiten an einem neuen Fallout-Ableger unter der Leitung von New Vegas-Regisseur Josh Sawyer forcieren soll – ein Projekt, das bei vielen Fans nostalgische Erwartungen weckt.
Genau diese Nostalgie aber, so Adler, werde häufig gegen das aktuelle Team verwendet. „Die Anzahl an Leuten, die ohne jedes Verständnis dafür, wer an unseren früheren Spielen gearbeitet hat oder was sie beigetragen haben, daherkommen und erzählen, Obsidian sei nicht mehr das, was es einmal war – das ist erschütternd.“
Brandon Adler: „Die DNA ist dieselbe“
Der Director, der seit 2006 mit einer kurzen Unterbrechung bei Obsidian arbeitet, kontert die Kritik mit konkreten Fakten: „In den meisten Fällen sind die Leute in leitenden oder führenden Positionen dieselben, die an Spielen wie The Outer Worlds, Pillars of Eternity und New Vegas gearbeitet haben. Ich meine, buchstäblich dieselben Personen. Die Verbindungslinie von Kotor 2 zu unseren heutigen Spielen ist ziemlich klar.“
Er räumt ein, dass sich das Studio in zwei Jahrzehnten zwangsläufig weiterentwickelt habe. „Ist Obsidian noch dasselbe wie vor 20 Jahren? Nein, natürlich nicht. Nichts bleibt gleich“, so Adler. „Aber die DNA bei Obsidian ist noch immer dieselbe. Dieselbe DNA, die Kotor, New Vegas, Neverwinter Nights 2 und South Park: The Stick of Truth erschaffen hat. Ich bin ungemein stolz auf unsere Geschichte und gleichzeitig gespannt darauf, wer wir geworden sind.“
Die Frage nach der Messlatte: Wann ist ein Obsidian-Spiel ein Obsidian-Spiel?
Tatsächlich zeigt der Diskurs ein wiederkehrendes Muster: Jedes Studio wird häufig nur an seinem letzten Erfolg oder Misserfolg gemessen. Die jüngeren Veröffentlichungen wie Avowed und The Outer Worlds mögen nicht die erzählerische Wucht oder die systemische Tiefe eines New Vegas erreicht haben – doch sie sind unverkennbar von Obsidian geprägt. Wer die Spiele spielt, erkennt den handwerklichen Ansatz, den besonderen Humor und die charakterzentrierte Erzählweise, die das Studio seit jeher auszeichnen. Dass dabei die Vergangenheit oft durch eine verklärende Linse betrachtet wird, gehört zur Natur solcher Debatten.
Wie lässt sich die Kontinuität des Studios nachweisen?
Adler liefert die Antwort gleich selbst: Viele der heutigen Führungskräfte waren bereits an den frühen Meilensteinen beteiligt. Die personelle Kontinuität in den entscheidenden Rollen ist damit ein handfester Beleg dafür, dass die kreative Handschrift erhalten geblieben ist – auch wenn das Studio heute größer ist und unter anderen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen arbeitet.
Ein Blick nach vorn: Was die Obsidian-DNA für zukünftige Rollenspiele bedeutet
Die aktuelle Gemengelage – Stellenabbau, Gerüchte um eine neue Fallout-Produktion und die bevorstehende Veröffentlichung von The Outer Worlds 2 – wirft ein Schlaglicht auf eine grundsätzliche Herausforderung der Spielebranche: die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und betrieblicher Realität. Obsidian mag nicht mehr das kleine Indie-Studio von einst sein, doch die handwerkliche Prägung, die einst Klassiker wie Kotor 2 und New Vegas hervorbrachte, wirkt in den aktuellen Projekten fort. Ob die kommenden Spiele diese DNA deutlich genug zur Geltung bringen, wird sich zeigen – die Voraussetzungen dafür sind nach Adlers Darstellung jedenfalls gegeben. Für alle, die das Studio bereits abgeschrieben haben, dürfte seine klare Ansage ein Grund mehr sein, die Entwicklung von The Outer Worlds 2 und den gemunkelten Fallout-Titel mit größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen.