Die Gewerkschaft OneBGS bei Bethesda Game Studios hat zu einem Streik und Protestmärschen aufgerufen, um gegen die jüngsten Massenentlassungen bei Xbox zu protestieren. Die Aktion ist für Mittwoch, den 15. Juli, um 12:30 Uhr Eastern Time geplant und richtet sich gegen den Abbau von 440 Arbeitsplätzen innerhalb der Bethesda- und ZeniMax-Studios. Die Gewerkschaft wirft dem Mutterkonzern Microsoft vor, die Kündigungen als „unternehmerische Veränderung der Geschäftsausrichtung“ zu tarnen, um sich der gesetzlichen Pflicht zur Verhandlung mit der Arbeitnehmervertretung zu entziehen.
Hintergrund der Arbeitsniederlegungen bei Bethesda
Die Proteste finden vor den Studios in Montreal, Rockville, Austin sowie in Texas statt. Laut dem Mobilisierungskomitee von OneBGS sollen die Kundgebungen die Sichtbarkeit der Gewerkschaft erhöhen und den Druck auf die Unternehmensführung steigern. „Weil wir uns organisiert und unsere Gewerkschaften zertifiziert haben, besitzen wir hart erkämpfte gesetzliche Rechte und Schutzmaßnahmen, die nicht gewerkschaftlich organisierte Studios schlicht nicht haben“, erklärte OneBGS in einer Mitteilung. Das Unternehmen erwarte offenbar, dass die Betroffenen die Entscheidung stillschweigend akzeptieren – doch die Gewerkschaft werde dies nicht zulassen: „Unsere nächsten Schritte sind die Mobilisierung. Wir brauchen jedes einzelne Mitglied sichtbar und geeint.“
Welche Studios sind von den Entlassungen betroffen?
Die Entlassungen treffen ein breites Spektrum der Entwicklerstudios. Insgesamt sind 440 Gewerkschaftsmitglieder betroffen, darunter 96 Mitarbeiter bei Id Software, 40 Remote-Arbeiter bei BGS Dallas, 22 bei BGS Austin, 213 bei ZeniMax Online Studios in Maryland und 166 bei ZeniMax Media. Microsoft und Bethesda versuchen laut Gewerkschaft, die Streichungen als „unternehmerischen Wandel im Geschäftsumfang“ darzustellen – von einem studio-basierten zu einem franchise-zentrierten Modell. Dies sei ein Versuch, die gesetzliche Verpflichtung zur Verhandlung über die Entscheidung selbst zu umgehen.
Die Rolle von Bethesda-CEO Jill Braff
Bethesda-CEO Jill Braff hatte in einer E-Mail an die Belegschaft erklärt, das Unternehmen wolle „die richtigen Talente, Technologien und Ressourcen im gesamten Unternehmen ausrichten“, indem es sich auf die „stärksten Franchises“ konzentriere. Diese Neuausrichtung sei der offizielle Grund für die Umstrukturierung. Die Gewerkschaft wertet diese Begründung jedoch als unzureichend und verweist auf das geltende Arbeitsrecht.
Rechtliche Grundlagen: Was bedeutet „Effects Bargaining“?
Obwohl das Unternehmen die Entscheidung selbst nicht zur Verhandlung stellen will, ist Microsoft nach Auffassung von OneBGS rechtlich verpflichtet, sich mit der Gewerkschaft an den Tisch zu setzen – und zwar im Rahmen der sogenannten „Effects Bargaining“. Dieses im US-amerikanischen Arbeitsrecht verankerte Prinzip gibt der Gewerkschaft das Recht, über die konkreten Auswirkungen der Entlassungen zu verhandeln. „Wir haben das Recht, genau darüber zu diskutieren, wie diese Kündigungen unsere Leute treffen, und wir gehen an den Tisch, um für jeden einzelnen betroffenen Arbeiter zu kämpfen“, so die Gewerkschaft.
Forderungen der Gewerkschaft: Vorrang bei Versetzungen, Abfindungen und Rückkehrrechten
Die Gewerkschaft hat bereits konkrete Forderungen formuliert, die sie in den Verhandlungen durchsetzen will. Dazu gehören:
- Vorrangige interne Versetzungen: Microsoft soll verpflichtet werden, betroffene BGS-Mitarbeiter vorrangig in offene Positionen innerhalb von Xbox und Microsoft zu versetzen.
- Verbesserte Abfindungen und verlängerte Krankenversicherung: Kein Mitarbeiter soll finanziell im Stich gelassen werden.
- Rückkehrrechte: Entlassene Gewerkschaftsmitglieder sollen als erste wieder eingestellt werden, sobald BGS wieder expandiert.
Diese Forderungen zielen darauf ab, die Härten der Massenentlassungen zumindest abzufedern und den betroffenen Entwicklern eine Perspektive zu bieten.
Die Geschichte der Gewerkschaftsbildung bei OneBGS
OneBGS wurde im Jahr 2024 gegründet, als sich die Bethesda-Mitarbeiter der Gewerkschaft Communication Workers of America (CWA) anschlossen. Es war die dritte Gewerkschaft innerhalb der ZeniMax-Studio-Gruppe, nachdem zuvor bereits OneBGS Montreal und ZeniMax Workers organisiert worden waren. Möglich wurde dieser Schritt durch eine Neutralitätsvereinbarung zwischen Microsoft und der CWA aus dem Jahr 2022, die die Gründung von Gewerkschaften in den Microsoft-eigenen Studios erleichtert.
Ausblick: Was bedeutet der Streik für die Zukunft?
Der geplante Streik und die Protestmärsche sind ein deutliches Signal, dass die Belegschaft von Bethesda nicht bereit ist, die Entlassungen kampflos hinzunehmen. Die Gewerkschaft verfügt über rechtliche Hebel, die sie in den kommenden Wochen gezielt einsetzen wird. Die Verhandlungen über die Folgen der Kündigungen könnten weitreichende Präzedenzfälle schaffen – nicht nur für Microsoft und Xbox, sondern für die gesamte Spieleindustrie. Die Frage, wie weit die Rechte einer Gewerkschaft bei Umstrukturierungen reichen, wird in den USA zunehmend relevant. OneBGS hat angekündigt, die Mobilisierung fortzusetzen, bis die Forderungen erfüllt sind. Die Branche wird genau beobachten, ob dieser Arbeitskampf zu einer neuen Balance zwischen Unternehmensstrategie und Arbeitnehmerrechten führen kann.