The Witcher 4 und Cyberpunk 2 vermeiden Fehler von Cyberpunk 2077

Von Tech Central - Redaktion für Technik & IT

CD Projekt Red hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Nach dem katastrophalen Launch von Cyberpunk 2077, der trotz des überwältigenden Erfolgs von The Witcher 3: Wild Hunt für massive Enttäuschung sorgte, stellt der polnische Entwickler nun die Weichen für eine bessere Zukunft. Auf dem Digital Dragons Panel, über das GamesRadar berichtete, gaben die technischen Redakteure Jarosław Ruciński und Adrian Fulneczek detaillierte Einblicke in die hausgemachten Probleme der Vergangenheit und die konkreten Maßnahmen, die bei den kommenden Projekten ergriffen werden. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, wie die mit Spannung erwarteten Titel The Witcher 4 und Cyberpunk 2 die schmerzhaften Lektionen aus dem Desaster von Cyberpunk 2077 in die Tat umsetzen.

Die Wurzel des Übels: Ein Mangel an strukturiertem Wissen

Ein zentraler Punkt, den die beiden CDPR-Mitarbeiter identifizierten, war der Umgang mit technischem Wissen während der Entwicklung. Bei The Witcher 3 und später bei Cyberpunk 2077 sei ein grundlegender Fehler gewesen, dass zu wenig technisches Know-how in einer nachhaltigen und zugänglichen Form dokumentiert wurde. Dies führte in späteren Phasen der Entwicklung zu erheblichen Hindernissen. Prozesse mussten neu erlernt, Entscheidungen mühsam nachvollzogen und Wissen mündlich weitergegeben werden – eine ineffiziente und fehleranfällige Arbeitsweise, die maßgeblich zu den Problemen des letzten großen Rollenspiels beitrug.

Das Paradoxon der 8.000 Seiten: Von der Lösung zum Problem

Interessanterweise schaffte das Team während der Arbeit an Cyberpunk 2077 Abhilfe – und schuf damit ein neues Hindernis. Die Dokumentation schwoll auf über 8.000 Seiten an. Dieses Volumen erwies sich jedoch als zweischneidiges Schwert. Die Pflege und Aktualisierung dieser massiven Wissensdatenbank verschlang enorme Ressourcen. Sie wurde zu einer derart zeitaufwendigen Aufgabe, dass die Aktualisierung der Dokumentation in der Priorität weit nach unten rutschte. Was als Lösung gedacht war, entwickelte sich zu einer zusätzlichen Belastung, die den Entwicklungsprozess weiter erschwerte. Das eigentliche Problem war also nicht nur das Fehlen von Dokumentation, sondern auch das Fehlen eines skalierbaren und wartbaren Systems für diese.

Die neue Strategie: Zwei Säulen für eine fehlerfreie Zukunft

Aus diesen Erfahrungen hat CDPR nun eine grundlegend überarbeitete Strategie abgeleitet. Diese basiert auf zwei zentralen Säulen, die sicherstellen sollen, dass sich die verheerende Startphase von Cyberpunk 2077 nicht wiederholt. Adrian Fulneczek formulierte es auf dem Panel klar: „Die Zukunft sieht für uns wirklich vielversprechend aus. Wir haben unsere Lektion gelernt.“ Dieser Lernprozess manifestiert sich in konkreten, unternehmensweiten Änderungen.

Wissensteilung als Unternehmenskultur

Der erste wichtige Schritt ist die Abkehr von isolierten Wissensinseln. Zukünftig wird Dokumentation nicht mehr nur in einzelnen Teams oder Abteilungen zirkulieren, sondern aktiv und strategisch im gesamten Unternehmen geteilt. Das Ziel ist es, alle Abteilungen und Entwicklerteams gleichermaßen auf dem Laufenden zu halten. Diese Transparenz soll sicherstellen, dass Erkenntnisse, technische Neuerungen und bewährte Verfahren aus einem Bereich nahtlos in andere Projekte einfließen können. So profitiert beispielsweise das Team von Cyberpunk 2 direkt von den technischen Durchbrüchen, die für The Witcher 4 erzielt werden, und umgekehrt.

Dokumentation als „nicht verhandelbarer“ Standard

Der zweite und vielleicht noch entscheidendere Punkt ist die neue unternehmensinterne Verbindlichkeit. Die Erstellung und vor allem die kontinuierliche Pflege von Dokumentation wird als „nicht verhandelbar“ eingestuft. Dies ist eine radikale Abkehr von der bisherigen Praxis, bei der die Aktualisierung von Dokumenten als optionaler Zusatzaufwand angesehen wurde, der bei Zeitdruck als erstes gestrichen wurde. Indem CDPR die Dokumentation von einem nachrangigen Kästchen auf einem To-do-Plan zu einem verbindlichen Bestandteil des Entwicklungsprozesses macht, wird sichergestellt, dass sie nicht nur erstellt, sondern auch aktuell gehalten wird.

Neudefinition des Begriffs „Fertig“

Ein weiteres Schlüsselelement der Neuausrichtung ist die Veränderung der internen Definition von „Fertig“. Bisher konnte ein Feature oder eine Mechanik als abgeschlossen gelten, auch wenn die dazugehörige Dokumentation noch unvollständig oder veraltet war. Zukünftig wird eine Aufgabe erst dann als erledigt betrachtet, wenn auch die entsprechenden Wissensressourcen vollständig und gepflegt sind. Diese Neudefinition zwingt die Teams dazu, die Dokumentation als integralen Bestandteil ihrer Arbeit zu betrachten und nicht als lästige Pflicht am Ende eines Zyklus. Zudem werden neue Mechanismen implementiert, die es den verschiedenen Teams ermöglichen, systematisch voneinander zu lernen und ihre jeweiligen Fortschritte zu teilen.

Ausblick: The Witcher 4 und Cyberpunk 2 ohne überstürzten Release

Die konkreten Auswirkungen dieser Strategie werden sich in den kommenden Jahren zeigen. The Witcher 4, das sich noch in der Entwicklung befindet, aber einem Release näher ist als das Sequel zu Cyberpunk 2077, und das inoffiziell als Project Orion bekannte Cyberpunk 2 werden die ersten großen Testfälle für die neue Unternehmensphilosophie sein. Konkrete Veröffentlichungstermine gibt es weiterhin nicht. Auf Basis der aktuellen Aussagen von CD Projekt Red ist jedoch klar: Beide Spiele werden erst dann auf den Markt kommen, wenn sie nach den neuen, strengeren internen Standards als vollständig und bereit gelten. Ein übereilter Launch, wie ihn Cyberpunk 2077 erleben musste, soll unter allen Umständen vermieden werden. Für die Spieler bedeutet das eine längere Wartezeit, aber die Aussicht auf zwei Spiele, die zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wirklich fertig und poliert sind, ist eine extrem positive Entwicklung. Die Lektion aus dem Jahr 2020 scheint tief zu sitzen, und die gesamte Branche wird genau beobachten, wie CDPR das Versprechen einer besseren Zukunft nun einlöst.

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Redaktion für Technik & IT
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