Apple führt nach EU-Strafe gestaffelte App-Store-Provisionen ein

Nach einer Rekordstrafe von 500 Millionen Euro führt Apple ein gestaffeltes Provisionsmodell ein, das Entwicklern mehr Flexibilität bietet.

Die neuen App-Store-Provisionen von Apple sinken auf 10 bis 26 Prozent, abhängig vom gewählten Zahlungsweg.
Highlights
  • Apple führt nach einer EU-Strafe von 500 Millionen Euro gestaffelte App-Store-Provisionen ein.
  • Entwickler müssen sich für zwölf Monate verbindlich auf eine Zahlungsoption festlegen.
  • Die EU-Kommission wird die Umsetzung der neuen Regeln genau beobachten und weitere Sanktionen androhen.

Nach einer Rekordstrafe der EU in Höhe von 500 Millionen Euro führt Apple ein gestaffeltes Provisionsmodell im App Store ein. Das neue System soll Entwicklern mehr Flexibilität bei der Wahl des Bezahlsystems bieten, bleibt aber in der Höhe der Abgaben differenziert. Die Änderungen treten ab sofort in Kraft und sind eine direkte Reaktion auf die Auflagen des Digital Markets Act (DMA).

Gestaffelte Provisionen: Die neuen Regelungen im Detail

Entwickler können künftig gleichzeitig In-App-Käufe über Apples hauseigenes System und alternative Bezahldienste anbieten. Allerdings müssen sie sich für zwölf Monate verbindlich auf eine der angebotenen Optionen festlegen – eine einmalige Entscheidung, die nicht kurzfristig revidiert werden kann. Diese Bindung soll Planungssicherheit für Apple schaffen, schränkt aber die Anpassungsfähigkeit der Entwickler ein.

Die Höhe der Provision hängt künftig vom gewählten Zahlungsweg ab:

  • Nutzung des Apple-In-App-Kaufs: 26 Prozent Provision, für Abos, die sich nach einem Jahr automatisch verlängern sowie in bestimmten Apple-Programmen gilt ein reduzierter Satz von 15 Prozent.
  • Alternativer Zahlungsabwickler innerhalb der App: 20 Prozent Provision. Verlinkt die App zum Kaufabschluss auf eine externe Webseite, fallen 15 Prozent an. Bei Abos reduziert sich dieser Satz auf 10 Prozent.

Damit sinken die Provisionssätze im Vergleich zum bisherigen Standard von 30 Prozent deutlich, bleiben aber weiterhin spürbar. Apple betont, dass die neuen Staffelungen den Wert seiner Plattform – inklusive Sicherheit, Zahlungsabwicklung und Kundenvertrauen – widerspiegeln. Gleichzeitig will das Unternehmen den Kinder- und Jugendschutz nicht vernachlässigen: Angebote für Kinder im App Store erhalten keine Links zu externen Transaktionsseiten; der gesamte Zahlungsverkehr läuft dort ausschließlich über Apples System.

Hintergrund: Der Digital Markets Act und die EU-Strafe

Die Brüsseler Behörde hatte im April 2025 eine Strafe von 500 Millionen Euro gegen Apple verhängt, weil das Unternehmen gegen das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, kurz DMA) verstoßen hatte. Nach den EU-Regeln gilt Apple als sogenannter Torwächter (Gatekeeper) – ein Unternehmen, das mit seinen Diensten ein zentrales Zugangstor zu Verbrauchern darstellt. Der DMA verpflichtet solche Gatekeeper zu besonderen Auflagen, um einen fairen Wettbewerb auf digitalen Märkten zu gewährleisten. Hintergrund ist die Befürchtung, dass große Plattformbetreiber ihre Marktposition durch unfaire Praktiken zementieren könnten.

Die Kommission hat angekündigt, die tatsächliche Umsetzung der neuen Bedingungen genau zu beobachten. Insbesondere wird geprüft, ob die gestaffelten Provisionssätze tatsächlich allen Entwicklern eine realistische Wahlfreiheit bieten oder ob Apple durch die Gestaltung der Optionen – etwa die 12-Monats-Bindung – weiterhin wettbewerbswidrige Vorteile erzielt. Sollten die Maßnahmen nicht ausreichen, drohen weitere Sanktionen.

Die Einführung gestaffelter Provisionen ist ein erster Schritt Apples, um den DMA-Vorgaben nachzukommen. Für viele Entwickler bedeutet die Änderung eine willkommene Entlastung, insbesondere kleinere Anbieter, die bislang unter der 30-Prozent-Abgabe litten. Allerdings bleibt die grundsätzliche Kritik bestehen, dass Apple weiterhin eine Vermittlerrolle einnimmt und die Kontrolle über Transaktionen behält – auch wenn alternative Systeme zugelassen werden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die EU-Kommission die neuen Regeln als ausreichend ansieht oder ob weitere Anpassungen erforderlich sind, um den Wettbewerb im App-Ökosystem nachhaltig zu fördern.

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