Hegseth feuert Heeresminister – US-Armee ohne bestätigte Führungsspitze

Verteidigungsminister Hegseth zwingt Heeresminister Driscoll zum Rücktritt – die US-Armee steht ohne bestätigte Führung da.

Nach dem Rücktritt von Heeresminister Dan Driscoll ist die US-Armee ohne vom Senat bestätigte Führungsspitze.
Highlights
  • Hegseth hat seit seinem Amtsantritt mehr als 24 Generale und Admirale entlassen oder zum Rücktritt gedrängt.
  • Die US-Armee führt den Iran-Krieg ohne einen einzigen vom Senat bestätigten zivilen oder militärischen Führer.
  • Driscolls Rücktritt erfolgte nach einem Machtkampf mit Hegseth um die Entlassung seines Beraters Oberst Dave Butler.

Mitten im sechsten Monat des Iran-Krieges hat die US-Armee ihre letzte bestätigte Führungspersönlichkeit verloren. Heeresminister Dan Driscoll reichte am 31. August seinen Rücktritt ein, nachdem er sich in einem wochenlangen Machtkampf mit Verteidigungsminister Pete Hegseth geschlagen geben musste. Die Folge: Die größte Teilstreitkraft der USA ist nun ohne einen vom Senat bestätigten Minister und ohne einen bestätigten Generalstabschef – ein Zustand, der in der amerikanischen Militärgeschichte beispiellos ist.

Driscolls Scheitern im Weißen Haus

Daniel P. Driscoll, der erst im Februar 2025 als jüngster Heeresminister der US-Geschichte vereidigt worden war, legte sein Amt nieder, nachdem er Präsident Trump direkt seine Bedenken vorgetragen hatte. Der 38-Jährige, ein Yale-Absolvent und enger Vertrauter von Vizepräsident JD Vance, war im Pentagon als entschlossener Modernisierer bekannt. Sein Verhältnis zu Hegseth galt jedoch als zerrüttet.

Der unmittelbare Auslöser war der wachsende Druck des Verteidigungsministers, Driscolls wichtigsten Berater, Oberst Dave Butler, zu entlassen. Butler hatte einst für den ehemaligen Generalstabschef Mark Milley gearbeitet, den Hegseth als politischen Gegner betrachtete. Driscoll widerstand dieser Forderung monatelang, bis er schließlich nachgab. Dass Hegseth nun auch den Minister selbst zum Rücktritt zwang, werteten Beobachter als konsequente Fortsetzung seiner Personalpolitik.

Interne Quellen aus dem Weißen Haus berichten, dass Trump Driscoll zunächst bat, bis nach den Zwischenwahlen im November im Amt zu bleiben. Der Minister lehnte ab. Ein enger Mitarbeiter beschrieb die Stimmung im Weißen Haus mit einem einzigen Wort: „Traurig.“

Die ausgehöhlte Führung der Army

Driscolls Rücktritt hinterlässt eine Führungslücke, die weit über einen einzelnen Posten hinausgeht. Die US-Armee ist derzeit wie folgt aufgestellt:

  • Heeresminister: Seit dem 31. August vakant. Driscoll war der letzte vom Senat bestätigte Amtsträger.
  • Generalstabschef der Army: Seit April 2026 unbesetzt, als Hegseth General Randy George entließ. Der Posten wird kommissarisch von Generalleutnant Christopher LaNeve verwaltet, einem ehemaligen Militärberater von Hegseth.
  • Marineminister: John Phelan wurde im April 2026 de facto entlassen, nachdem er sich weigerte, freiwillig zurückzutreten. Dies geschah mitten in der Seeblockade gegen den Iran.

Das Problem beschränkt sich nicht auf die zivile Führung. Seit seinem Amtsantritt hat Hegseth mehr als 24 Generale und Admirale entlassen oder zum Rücktritt gedrängt. Eine Untersuchung des Guardian ergab, dass rund 60 Prozent dieser Offiziere schwarzer Hautfarbe oder weiblich waren. Konkrete Vorwürfe von Dienstvergehen wurden in keinem Fall öffentlich gemacht.

Besonders brisant: Hegseth versuchte im März 2026, vier Offiziere – zwei schwarze Männer und zwei Frauen – von der Beförderungsliste für Brigadegenerale streichen zu lassen. Driscoll und die Army-Führung widersetzten sich diesem Befehl erfolgreich. Der Konflikt eskalierte weiter, bis Hegseth im April General George, den Chef der Ausbildungskommandos David Hodne und den obersten Militärgeistlichen William Green Jr. entließ. Offizielle Begründungen wurden nicht genannt.

Rache an einer Organisation, „die mich ausspie“

Hegseths Feindseligkeit gegenüber der Army ist kein Geheimnis. In seinem 2024 erschienenen Buch schrieb der ehemalige Hauptmann der Nationalgarde, die Armee habe ihn „ausgespuckt“ („spit me out“). Seit seiner Ernennung zum Verteidigungsminister setzt er diese persönliche Abneigung mit der vollen Macht seines Amtes um.

Die Entlassung von General George im April erfolgte ohne Angabe von Gründen. Am selben Tag wurden auch der Chef der Ausbildungskommandos und der oberste Militärgeistliche entlassen. Im Februar 2026 hatte Hegseth bereits die Entlassung von Driscolls Berater Oberst Dave Butler gefordert – ein Mann, der zuvor für Mark Milley gearbeitet hatte, Hegseths erklärtem Intimfeind.

In einer Rede im September 2025 vor hochrangigen Offizieren aus aller Welt verkündete Hegseth unmissverständlich: „Das DEI-Büro ist weg. Die Drag Queens sind weg. Wer damit nicht leben kann, der sollte den ehrenvollen Weg gehen und zurücktreten.“

Kriegsführung ohne bestätigte Spitze

Diese personellen Säuberungen finden nicht in Friedenszeiten statt. Der Iran-Krieg, der am 28. Februar 2026 begann, ist in seinen sechsten Monat eingetreten. Laut dem Verteidigungsministerium sind bis zum 28. August 18 US-Soldaten gefallen und mehr als 757 verwundet worden. Ein Ende der Kampfhandlungen ist nicht absehbar.

Bereits im August 2025 hatte Hegseth den Chef der Defense Intelligence Agency (DIA), Generalleutnant Jeffrey Kruse, entlassen. Der Hintergrund: Kruses Analysten hatten die Zerstörungswirkung des amerikanischen Angriffs auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 als „weniger verheerend“ eingestuft, als Trump öffentlich behauptet hatte. Die Botschaft war klar: Im Pentagon von Pete Hegseth ist keine unabhängige Analyse erwünscht, die von der politischen Linie abweicht.

Driscoll selbst nannte in seinem Rücktrittsschreiben die „Bereitschaft und Reformfähigkeit der Army“ als Hauptgrund für seinen Schritt. Die Frage, die sich nun stellt: Kann eine Armee ihre Einsatzbereitschaft bewahren, wenn ihr oberster ziviler Vorgesetzter systematisch die Führungsriege kappt, Beförderungen blockiert und Geheimdienstchefs entlässt, die unliebsame Wahrheiten berichten?

Loyalität als einzige Währung

Hegseths Personalpolitik folgt einem klaren Muster: Entscheidend ist nicht die Qualifikation, sondern die persönliche Loyalität. Der kommissarische Generalstabschef LaNeve ist ein ehemaliger Militärberater von Hegseth – seine Beförderung wäre ohne diese Beziehung undenkbar. Der demokratische Senator Richard Blumenthal, Mitglied des Streitkräfteausschusses, erklärte, Hegseth habe „einen weniger qualifizierten Kandidaten aus politischen Gründen über jeden früheren Generalstabschef gestellt.“

Das Weiße Haus lobte Driscoll nach seinem Rücktritt als „effektiven Minister“ für Trumps „Make America Strong Again“-Agenda. Dass es eben dieser Minister war, der nun von Hegseth aus dem Amt getrieben wurde, spricht Bände über die Prioritäten im Pentagon.

Trump hatte Hegseth einst zum Verteidigungsminister ernannt, weil er ihm vor allem eines zutraute: Loyalität. Tom Nichols schrieb dazu im Atlantic: „Ein Fernsehmoderator, der seine Militärkarriere als Hauptmann der Nationalgarde beendete, ohne jede sicherheitspolitische Expertise oder höhere Führungserfahrung – seine einzige Qualifikation, die er mit so vielen anderen im Kabinett teilt: Loyalität. Die Rechnung dieser Wette wird jetzt sichtbar.“

Die US-Armee, die größte Teilstreitkraft der Welt, führt einen Krieg ohne einen einzigen vom Senat bestätigten zivilen oder militärischen Führer. Das Pentagon von Pete Hegseth wird immer leerer – und die Frage, wer am Ende bleibt, beantwortet sich von selbst: Nur jene, die nie widersprechen werden.

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