Vier Kinder und Karriere in der IT – für Uta Dresch, Chief Operating Officer (COO) und General Manager bei Docuware, ist das kein Widerspruch, sondern gelebte Realität. Die promovierte Mathematikerin führt das operative Tagesgeschäft eines der führenden Anbieter für Dokumenten-Management-Software und beweist, dass weibliche Führungskarrieren in der Technologiebranche nicht an der Familienplanung scheitern müssen. Ihr Erfolgsrezept ist jedoch nicht etwa ein strenger Plan, sondern eine Haltung, die sie bereits früh in ihrer Laufbahn entwickelt hat: einfach fragen, gezielt fördern und konsequent führen.
Der Weg zur COO: Von der Mathematik ins Software-Business
Uta Dresch stammt aus einem klassisch mathematischen Umfeld und entdeckte schon während des Studiums ihr Interesse an der Softwareentwicklung. Statt einer akademischen Laufbahn wählte sie den direkten Weg in die Industrie und bewarb sich auf Software-Engineer-Stellen. Diese Entscheidung, so betont sie rückblickend, sei von dem Wunsch getrieben gewesen, theoretisches Wissen in praktische, skalierbare Produkte zu übersetzen. Bei Docuware, einem Unternehmen mit Hauptsitz in München und globaler Präsenz, stieg sie schließlich zur Chief Operating Officer auf. In dieser Rolle verantwortet sie die Bereiche Produktentwicklung, Kundenservice und interne Prozesse – ein Aufgabengebiet, das sowohl technisches Verständnis als auch ausgeprägtes unternehmerisches Denken erfordert.
Ihr Aufstieg zeigt ein Muster, das in der IT-Branche selten, aber umso wirkungsvoller ist: Dresch kombinierte fundierte Fachkenntnisse mit einer operativen Ergebnisorientierung. Sie fokussierte sich nicht auf reine Managementaufgaben, sondern blieb den Produkten und deren Architektur eng verbunden. Diese Doppelkompetenz, so erklären Personalentwickler, verschafft in technologiegetriebenen Unternehmen oft den entscheidenden Vorteil, da sie Akzeptanz bei den Entwicklerteams schafft und gleichzeitig strategische Weitsicht ermöglicht.
Vier Kinder und Karriere: Was ihr persönliches Erfolgsrezept ausmacht
Die Frage, wie sich eine Karriere auf Vorstandsebene mit der Verantwortung für vier Kinder vereinbaren lässt, beantwortet Uta Dresch pragmatisch. Ihr Erfolgsrezept besteht aus drei Elementen: der aktiven Einforderung von Unterstützung, der klaren Priorisierung und einem Netzwerk, das Vertrauen voraussetzt. Entscheidend sei, dass sie gelernt habe, frühzeitig Fragen zu stellen – etwa nach flexiblen Arbeitsmodellen, nach Delegationsmöglichkeiten und nach der tatsächlichen Notwendigkeit von Anwesenheit. Diese Haltung des aktiven Nachfragens, die in vielen traditionellen Arbeitskulturen noch als Schwäche missverstanden wird, sieht sie als eine ihrer größten Stärken.
Darüber hinaus plädiert Dresch dafür, dass Frauen im Berufsleben öfter „Nein“ sagen sollten – nicht aus Verweigerungshaltung, sondern aus strategischem Selbstmanagement. Wer ständig jede Aufgabe annehme, verliere die Kontrolle über die eigene Zeit und die Qualität der Ergebnisse. Ihre Aussage: „Fragen, fördern, führen“ – dieser Dreiklang sei keine Floskel, sondern ein operativer Leitfaden. Sie selbst habe ihn in jeder Karrierephase angewandt: vom ersten Bewerbungsgespräch bis zur heutigen Führungsverantwortung.
Warum Frauen in der IT früher gefördert werden müssen
Ein zentraler Punkt in ihrem Führungsansatz ist die Überzeugung, dass Frauen in der Technologiebranche deutlich früher gefördert werden müssen als heute üblich. Oft fehle es nicht an Talent oder Ambition, sondern an den richtigen Rahmenbedingungen in der Ausbildung und im Berufseinstieg. Während männliche Absolventen häufig von Mentoring-Programmen oder informellen Netzwerken profitieren, bleiben Frauen in der IT vielfach auf sich allein gestellt. Uta Dresch fordert daher ein Umdenken in Unternehmen: Statt abzuwarten, ob Frauen von selbst auf Führungspositionen drängen, sollten Firmen aktiv strukturierte Förderprogramme aufsetzen – von gezielten Rotationsprogrammen über interne Leadership-Akademien bis hin zu transparenten Beförderungskriterien.
Diese Forderung deckt sich mit aktuellen Studien zur Diversität in der Tech-Branche. Laut einer Untersuchung des Digitalverbands Bitkom liegt der Frauenanteil in IT-Berufen in Deutschland bei rund 18 Prozent, in Führungspositionen sogar noch deutlich darunter. Dresch analysiert die Ursachen nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch organisationsintern: „Viele Unternehmen haben gute Absichten, aber keine konsequente Umsetzung. Ein Diversitätsziel ohne feste Ressourcen und messbare Meilensteine bleibt ein Symbol.“ Ihr eigenes Vorgehen bei Docuware basiert daher auf klaren KPIs: Sie misst die Anzahl weiblicher Bewerber in technischen Rollen, die Verbleibquote nach zwei Jahren und die Beförderungsrate – und leitet daraus konkrete Maßnahmen ab.
Führungsstil und Teamkultur: Flache Hierarchien, hohe Eigenverantwortung
Als COO eines mittelständischen Technologieunternehmens mit rund 300 Mitarbeitern setzt Uta Dresch auf eine offene Kommunikationskultur. Sie beschreibt ihren Führungsstil selbst als partizipativ und ergebnisorientiert. Entscheidungen werden nicht im stillen Kämmerlein getroffen, sondern im Austausch mit den Teams. Gleichzeitig erwartet sie von ihren Mitarbeitern ein hohes Maß an Eigeninitiative. Dieser Ansatz schaffe nicht nur bessere Produkte, sondern auch ein Arbeitsumfeld, das für Eltern und Menschen mit vielfältigen Lebensentwürfen attraktiv sei.
„Wir diskutieren viel, aber am Ende steht eine klare Entscheidung“, sagt sie. Diese Mischung aus Offenheit und Verbindlichkeit sei entscheidend, um Innovationen voranzutreiben, ohne in endlosen Abstimmungsprozessen stecken zu bleiben. Für die Belegschaft bedeutet das: flache Hierarchien, direkter Zugang zur Führungsebene und eine hohe Entscheidungsfreiheit im eigenen Verantwortungsbereich. Eine Kultur, die gerade für Frauen mit Familienverantwortung attraktiv ist, da sie Flexibilität mit Verbindlichkeit kombiniert.
IT-Branche im Wandel: Neue Anforderungen an die operative Führung
Die Rolle des Chief Operating Officers hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. War der Posten früher stark auf Kostenkontrolle und Prozessoptimierung ausgelegt, verlangt der Markt heute eine strategischere Ausrichtung. Bei Docuware, das cloudbasierte Dokumenten-Management-Lösungen anbietet, bedeutet dies: Die COO muss die Produktstrategie mit den operativen Fähigkeiten der Organisation abstimmen, globale Kundenbedürfnisse antizipieren und gleichzeitig die digitale Transformation des eigenen Unternehmens vorantreiben. Uta Dresch beschreibt dies als eine permanente Challenge, bei der mathematisches Denken hilft: „Man muss Muster erkennen, Annahmen testen und iterative Verbesserungen zulassen – das ist methodisch nicht weit von der Arbeit an einem komplexen Algorithmus entfernt.“
Bemerkenswert ist, dass sie diese Herausforderungen nicht als Hindernis, sondern als Gestaltungsspielraum betrachtet. Ihr Werdegang zeigt, dass eine Karriere in der IT für Frauen nicht nur möglich, sondern auch erfüllend sein kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Es geht nicht darum, Männern etwas zu beweisen, sondern darum, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen: Was will ich erreichen? Wen brauche ich dafür? Und wie gehe ich kompromisslos meinen Weg?“, so Dresch.
Zukunftsausblick: Neue Wege für Frauen in der Tech-Branche
Für die kommenden Jahre sieht Uta Dresch in der IT-Branche einen zunehmenden Bedarf an Führungspersönlichkeiten, die sowohl technisches Verständnis als auch soziale Kompetenz vereinen. Gerade der Fachkräftemangel zwinge Unternehmen dazu, ihr Recruiting zu diversifizieren und bisher vernachlässigte Talentpools zu erschließen. Sie prognostiziert, dass Frauen, die heute die richtigen Fragen stellen und sich gezielt fördern lassen, in den nächsten fünf bis zehn Jahren verstärkt in Top-Positionen aufrücken werden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Unternehmen selbst den Wandel gestalten – mit konkreten Angeboten zur Kinderbetreuung, flexiblen Arbeitszeitmodellen und vor allem einer Unternehmenskultur, die Leistung nicht an Anwesenheit misst.
Uta Dresch selbst ist das beste Beispiel dafür, dass Mathematik und Mutterschaft, operative Exzellenz und Familienleben sich nicht ausschließen. Ihre Botschaft an junge Frauen in der Tech-Branche ist klar: „Traut euch, den ersten Schritt zu machen. Fragt nach, was ihr braucht – und führt dann konsequent. Die IT braucht mehr Frauen, die nicht nur mitreden, sondern mitentscheiden.“ Dieser Pragmatismus, gepaart mit mathematischer Präzision und einem klaren Führungsanspruch, dürfte auch künftig Maßstäbe setzen – für Docuware und über die Branche hinaus.