Game Pass: Microsoft senkt Preise und streicht Call of Duty zum Launch

Von Gaming Central - Gaming-Redaktion & Analyse

Um wieder mehr Spieler anzusprechen, führt Microsoft bei seinem Game Pass-Abonnement jetzt eine grundlegende Neuausrichtung durch. Der Konzern reagiert damit auf die massive Kritik an einem Kernelement des Dienstes: den Preisen. Microsoft Gaming CEO Asha Sharma bezeichnete den Dienst intern und öffentlich als für viele Spieler inzwischen „zu teuer“ geworden. Folglich fallen ab sofort die monatlichen Gebühren für die wichtigsten Game-Pass-Varianten. Noch weitreichender ist jedoch eine zweite Anpassung, die die Zugangsregeln für eine der wertvollsten Franchisen der Branche betrifft. Neue Call-of-Duty-Teile werden nicht mehr zum Veröffentlichungstermin, sondern erst etwa ein Jahr später in den Game Pass aufgenommen.

Konkrete Preissenkungen im Überblick

Die Tarife wurden in den vergangenen Jahren mehrfach angehoben, besonders einschneidend war eine Erhöhung um 50 Prozent im Oktober 2025. Diese Entwicklung wird nun teilweise korrigiert. Game Pass Ultimate, das alle Vorteile für Konsole, PC und Cloud-Gaming bündelt, sinkt von 29,99 US-Dollar auf 22,99 Dollar pro Monat. Das reine PC Game Pass für Windows-Nutzer wird von 16,49 auf 13,99 Dollar reduziert. Damit liegt der Konsolenpreis aber immer noch über dem Niveau vor der großen Preiserhöhung, damals kostete er 19,99 Dollar. Der PC-Plan ist hingegen nur noch geringfügig teurer als früher, der alte Preis betrug 11,99 Dollar.

„Unsere Spieler decken ein breites Spektrum an geografischen Regionen, Vorlieben und Geschmäckern ab. Es gibt daher kein einziges Modell, das für alle am besten geeignet ist. Diese Änderung reagiert jedoch auf viel Feedback, das wir bisher erhalten haben“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Unternehmens. Man werde weiter zuhören und dazulernen. Die Anpassung gilt als unmittelbare Reaktion auf gesunkene Nutzerzahlen und verhaltene Akzeptanz, nachdem die Kostenexplosion viele Abonnenten abgeschreckt hatte.

Call of Duty: Strategische Verschiebung auf Veröffentlichungstag

Die wohl bedeutendste Nachricht für die Gaming-Community ist die neue Politik zu Call of Duty. Bisher war es ein zentrales Verkaufsargument des Xbox Game Pass, dass große Blockbuster von Microsofts Studios – und dazu gehört Activision Blizzard seit der milliardenschweren Übernahme – am ersten Tag im Abonnement enthalten sind. Diese Praxis wird für die wichtigste Shooterlizenz der Welt nun aufgegeben. Künftig werden neue Call-of-Duty-Titel erst „in der darauffolgenden Holiday-Season (etwa ein Jahr später)“ in die Game-Pass-Bibliotheken für Ultimate und PC aufgenommen. Bereits vorhandene Titel in den Bibliotheken der Nutzer bleiben davon jedoch unberührt.

Diese Entscheidung hat erhebliche finanzielle Implikationen für Microsoft. Der jährliche, millionenschwere Verkaufserlös jedes neuen Call of Duty an den Erstkäufern bleibt dem Unternehmen so zunächst erhalten. Für einen Spieler, der sowohl das neue Spiel kaufen als auch Game Pass Ultimate nutzen möchte, ergibt sich eine leichte Gesamtersparnis. Ein Jahr des Abonnements kostet nach der Preissenkung etwa 72 Dollar weniger, was größtenteils durch den Kaufpreis des Spiels in Höhe von rund 70 Dollar kompensiert wird. Die strategische Verschiebung dient also der Sicherung der klassischen Einzelverkäufe, ohne die Abonnenten, die auf den Titel warten können, komplett auszuschließen.

Historische Leistung und jüngere Rückschläge der Franchise

Der Schritt reflektiert auch die wechselhafte Performance von Call of Duty innerhalb des Abomodells. Nachdem die Serie im Jahr 2024 erstmals in den Game Pass aufgenommen worden war, hatte Call of Duty: Black Ops 6 laut Microsoft Rekorde bei den Neuanmeldungen für den Dienst aufgestellt. Der Nachfolger, Black Ops 7 aus dem Jahr 2025, schnitt hingegen deutlich schlechter ab. Analystenberichte deuten darauf hin, dass die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorgänger erheblich zurückgingen, was auf verhaltene Kritiken und mögliche Marktsättigung zurückgeführt wurde. Als Reaktion darauf kündigte Microsoft an, die bisherige Praxis, abwechselnd Titel der Black-Ops- und Modern-Warfare-Reihe zu veröffentlichen, zu beenden, um der Franchise mehr Entwicklungszeit und Luft zu geben.

Druck durch wirtschaftliche Ergebnisse und Branchenkritik

Die Umgestaltung des Game Pass findet vor dem Hintergrund eines unter Druck stehenden Xbox-Geschäfts statt. In den jüngsten veröffentlichten Quartalszahlen verzeichnete Microsoft im Gaming-Bereich einen Rückgang der Einnahmen aus Inhalten und Diensten um fünf Prozent im Jahresvergleich. Als Grund wurde die schwache Leistung eigener Erstveröffentlichungen genannt. Noch dramatischer fiel der Einbruch bei den Hardware-Umsätzen aus, die um 32 Prozent einbrachen. Dieser doppelte Rückgang unterstreicht die Notwendigkeit, das Kerngeschäftsmodell des Abonnements zu überdenken.

Der Game Pass selbst ist seit langem Gegenstand von Diskussionen und Zweifeln innerhalb der Branche. Das Dienstmodell, das unter dem scheidenden Xbox-Chef Phil Spencer zu einem Markenzeichen der Marke wurde, gilt weithin als nicht profitabel genug oder in seiner Wachstumsphase stagnierend. Seit 2022 veröffentlicht Microsoft keine konkreten Abonnentenzahlen mehr – ein Indiz, das oft als Zeichen für enttäuschende Entwicklungen gewertet wird. Mehrere Entwickler und Branchenvertreter haben öffentlich Bedenken geäußert, ob der pauschale „All-you-can-play“-Ansatz für Premium-Spiele langfristig nachhaltig ist und die Wertschöpfung angemessen an die Creators zurückfließen lässt.

Die Last der milliardenschweren Übernahme

Besonders im Fokus steht dabei die Call-of-Duty-Franchise, für die Microsoft indirekt einen historisch hohen Preis gezahlt hat. Die Übernahme des gesamten Publishers Activision Blizzard im Jahr 2022 kostete die Xbox-Muttergesellschaft rund 75,4 Milliarden Dollar. Diese gewaltige Investition muss sich amortisieren, und der Erfolg von Call of Duty ist dafür ein zentraler Hebel. Die Entscheidung, die neuen Teile nicht mehr sofort im Game Pass zu platzieren, kann als ein Schritt gesehen werden, den finanziellen Druck dieser Akquisition zu lindern, indem der traditionell lukrative direkte Verkaufspfad für die wichtigste Cash-Cow zunächst priorisiert wird.

Ausblick: Evolution hin zu einem flexibleren System

In ihrer Mitteilung an die Mitarbeiter deutete CEO Asha Sharma an, dass die aktuellen Änderungen nur der Beginn eines längeren Prozesses sind. Das Unternehmen werde den Game Pass „zu einem flexibleren System weiterentwickeln, was Zeit zum Testen und Lernen erfordert“. Diese Formulierung lässt Raum für Interpretationen. Möglicherweise plant Microsoft, den starren All-inclusive-Ansatz durch gestaffelte Tarife, Add-on-Pakete für spezifische Franchisen oder andere hybrid Geschäftsmodelle zu ersetzen, die besser zwischen Hardcore-Fans, Gelegenheitsspielern und Wertkäufern differenzieren.

Die Preissenkung und die neue Call-of-Duty-Politik sind somit taktische Manöver in einer größeren strategischen Neuausrichtung. Sie sollen die unmittelbare Beschwerde der Community über die Kosten adressieren und gleichzeitig die finanziellen Grundpfeiler des Gaming-Geschäfts nach der Activision-Übernahme stabilisieren. Ob diese Korrekturen ausreichen, um das Vertrauen der Spieler zurückzugewinnen und das Wachstum des Abo-Dienstes wieder anzukurbeln, während gleichzeitig die milliardenschwere Investition in Activision Blizzard getragen wird, bleibt die zentrale Frage für die Zukunft von Xbox. Die Entwicklung des Game Pass wird weiterhin ein Gradmesser für die Gesundheit des gesamten Xbox-Ökosystems sein.

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