Jede siebte Firma lässt Arbeitszeugnisse von KI verfassen

Immer mehr Unternehmen setzen Künstliche Intelligenz für die Erstellung von Arbeitszeugnissen ein, doch Datenschutz und Regulierung bremsen den Trend.

Laut einer Bitkom-Studie nutzt jedes siebte Unternehmen KI für Arbeitszeugnisse, das Interesse wächst stark.
Highlights
  • 14 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI für die Erstellung von Arbeitszeugnissen ein.
  • 52 Prozent der Betriebe zeigen sich grundsätzlich offen für den Einsatz von KI in diesem Bereich.
  • Datenschutzbedenken und der EU AI Act gelten als größte Hürden für eine flächendeckende Adaption.

Personalleiter in Deutschland entdecken zunehmend das Potenzial von Künstlicher Intelligenz – doch der Durchbruch ist noch nicht flächendeckend. Einer repräsentativen Bitkoma-Studie zufolge nutzt bereits jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) KI-gestützte Anwendungen, um Arbeitszeugnisse zu verfassen. Gleichzeitig zeigt sich mehr als die Hälfte der Betriebe (52 Prozent) grundsätzlich offen für diese Technologie, was auf einen kommenden Schub hindeutet.

KI-Arbeitszeugnisse: 14 Prozent setzen bereits auf Automatisierung

Die Erstellung von Arbeitszeugnissen ist eine klassische HR-Aufgabe, die viel Zeit und Fingerspitzengefühl erfordert. Genau hier setzt KI an: 14 Prozent der befragten Unternehmen lassen Zeugnisse bereits durch Algorithmen formulieren. Der Anteil der Interessierten ist mit 52 Prozent mehr als dreimal so hoch, sodass in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Steigerung zu rechnen ist. Neben der Textproduktion kommen KI-Systeme auch in anderen Bereichen des Personalwesens zum Einsatz.

Weiterbildung und Onboarding als Treiber

Am weitesten verbreitet ist KI derzeit in der individuellen Weiterbildung der Beschäftigten. 16 Prozent der Betriebe nutzen entsprechende Werkzeuge – ein Anstieg gegenüber 12 Prozent im Jahr 2024. Weitere 58 Prozent können sich eine Nutzung vorstellen. Auch beim Onboarding, also der Einarbeitung neuer Mitarbeiter, greifen 14 Prozent der Unternehmen auf KI zurück (2024: 11 Prozent); 36 Prozent planen oder erwägen diesen Schritt.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder hebt hervor: „Wer neu im Job ist, hat viele Fragen. Eine gut trainierte KI kann Antworten geben, bei der Orientierung helfen und ist immer verfügbar.“ Dadurch bleibe den HR-Mitarbeitern mehr Zeit für die individuelle Betreuung persönlicher Anliegen.

Belastungsanalyse und Leistungsbewertung auf dem Vormarsch

Eine deutliche Dynamik zeigt sich bei der Analyse der Arbeitsbelastung. Der Anteil der KI-Anwender hat sich von 6 Prozent im Jahr 2024 auf aktuell 13 Prozent mehr als verdoppelt; weitere 28 Prozent sind dafür aufgeschlossen. Bei der formalen Bewertung der Arbeitsleistung setzen derzeit 12 Prozent der Firmen KI ein, 27 Prozent können es sich vorstellen. Automatisierte Chat- und Servicesysteme zur Bearbeitung interner Anfragen nutzen 13 Prozent der Unternehmen, während 53 Prozent dies künftig in Erwägung ziehen.

Datenschutz und AI Act bremsen die flächendeckende Adaption

Trotz steigender Akzeptanz verläuft die Einführung von KI in Personalabteilungen im Vergleich zu anderen Unternehmensbereichen verhaltener. Als wesentliche Hürden gelten strenge Vorgaben zum Schutz sensibler Beschäftigtendaten sowie Rechtsunsicherheiten rund um den europäischen AI Act. Dieser stuft etliche KI-Anwendungen im Personalbereich als Hochrisiko-Systeme ein, was zusätzliche Prüfpflichten und Dokumentationsanforderungen mit sich bringt.

Rohleder erklärt: „Gerade im Personalbereich ist die Hemmschwelle für den Einsatz von KI höher als in vielen anderen Unternehmensbereichen.“ Die Unternehmen müssten nachweisen, dass ihre Systeme diskriminierungsfrei arbeiten und die Privatsphäre der Mitarbeiter schützen. Dennoch ist der Trend unverkennbar: Die Zahl der Anwender steigt stetig, und das Interesse an KI-gestützten HR-Lösungen wächst – vor allem bei der Optimierung von Routineaufgaben wie Zeugniserstellung und Weiterbildungsplanung.

Mit der zunehmenden Rechtssicherheit und der Weiterentwicklung der Technologie ist zu erwarten, dass KI in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil des Personalmanagements wird – insbesondere in großen Unternehmen, die über die nötigen Ressourcen für Compliance und Systemintegration verfügen. Der aktuelle Stand zeigt: Der Weg ist geebnet, aber das Tempo bleibt von regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig.

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