AMD-Ingenieur baut leistungsstärkeren Steam-Machine-PC mit RTX 5060

Jacob Terkelsen baut mit der Terk Box v1.1 einen kompakten Mini-PC, der die gescheiterte Steam Machine in den Schatten stellt.

Die Terk Box v1.1 vereint eine Nvidia RTX 5060 in einem 3D-gedruckten Gehäuse und kostet rund 1.000 US-Dollar.
Highlights
  • Die Terk Box v1.1 nutzt eine Nvidia RTX 5060, die in einem 3D-gedruckten Mini-ITX-Gehäuse verbaut wird.
  • Der AMD-Ingenieur trotzt den Nvidia-Empfehlungen mit einem 400-Watt-Flex-Netzteil für sein System.
  • Der Selbstbau ist günstiger als die ursprüngliche Steam Machine, erfordert aber einen 3D-Drucker und technisches Know-how.

Die ursprüngliche Steam Machine von Valve konnte die in sie gesetzten Erwartungen nie wirklich erfüllen. Zu schwach war die Hardware, zu hoch der Preis. Ein AMD-Ingenieur zeigt nun, wie ein solcher Mini-PC im Stil der Konsole wirklich aussehen muss – und setzt dabei auf eine aktuelle Grafikkarte der Mittelklasse.

Jacob Terkelsen, der bei AMD im Bereich der KI-GPU-Board-Validierung arbeitet, hat mit der „Terk Box v1.1″ einen eigenen Mini-ITX-PC gebaut, der optisch stark an die gescheiterte Steam Machine erinnert, technisch aber in einer ganz anderen Liga spielt. Das Herzstück des kompakten Systems ist eine Nvidia GeForce RTX 5060, die in einem 3D-gedruckten Gehäuse Platz findet. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, was mit handwerklichem Geschick und technischem Verständnis im Bereich des Small-Form-Factor-Baus möglich ist – und hebt sich dabei deutlich von den einstigen Serienmodellen ab.

Ein kompakter Kraftprotz mit Hindernissen

Das Besondere an Terkelsens Bau ist nicht nur die Wahl der Komponenten, sondern auch die Konsequenz, mit der er das Formfaktor-Konzept umsetzt. Das Gehäuse ist auf ein absolutes Minimum reduziert und beherbergt neben dem Mainboard und der Grafikkarte ein 400-Watt-Flex-Netzteil. Genau hier liegt ein potenzielles Problem: Nvidia selbst empfiehlt für die RTX 5060 ein Netzteil mit einer Systemleistung von mindestens 550 Watt. Der Ingenieur zeigt sich jedoch unbeeindruckt von dieser Vorgabe. Für ihn sind Herstellerempfehlungen lediglich Orientierungswerte, sobald man die tatsächlichen Lastprofile der Komponenten kennt. Die reale Leistungsaufnahme eines Systems variiere stark je nach CPU, individuellen Power Limits und der Effizienz des Netzteils.

Diese Herangehensweise ist nicht unüblich unter erfahrenen Bastlern, erfordert jedoch ein tiefes Verständnis für elektrische Leistungsdaten und thermische Grenzen. Im Alltagsbetrieb mit einem effizienten Prozessor und ohne extreme Übertaktung könnte die 400-Watt-Versorgung tatsächlich ausreichen. Terkelsen selbst hat bisher keine konkreten Spiele-Benchmarks veröffentlicht, die die Leistungsfähigkeit des Systems in AAA-Titeln belegen – die reine Kombination aus kompaktem Gehäuse und moderner Grafikkarte spricht jedoch eine deutliche Sprache.

Die Kostenfrage: Selbstbau vs. Steam Machine

Ein entscheidender Aspekt des Projekts ist der Preis. Terkelsen gibt an, die Terk Box v1.1 für etwa 1.000 US-Dollar realisiert zu haben. Dieser Betrag ist jedoch stark von der Verfügbarkeit gebrauchter oder stark rabattierter Komponenten abhängig. Wer ausschließlich auf Neuteile setzt, wird voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen müssen. Hinzu kommt eine weitere Hürde: Für den Bau des Gehäuses ist ein 3D-Drucker zwingend erforderlich. Die entsprechenden Druckdateien für das „SFF Mini ITX Steam Machine Case“ des Designers 3DCatt hat Terkelsen auf der Plattform Printables veröffentlicht, sodass interessierte Bastler das Projekt grundsätzlich nachbauen können.

Vergleicht man diesen Selbstbau mit der ursprünglichen Steam Machine, wird das Dilemma der Konsole erst richtig deutlich. Diese bot für einen ähnlichen oder sogar höheren Preis eine deutlich schwächere Hardware. Der 1.000-Dollar-Selbstbau des AMD-Ingenieurs stellt somit nicht nur eine machbare, sondern eine in puncto Preis-Leistung deutlich überlegene Alternative dar. Der Nachteil liegt auf der Hand: Der Bau erfordert ein hohes Maß an technischem Know-how, die Bereitschaft zur Fehlersuche und die Verfügbarkeit eines 3D-Druckers. Für den klassischen Konsolenkäufer, der ein Plug-and-Play-Erlebnis erwartet, ist dieser Weg daher kaum gangbar.

Was zeichnet die Terk Box v1.1 aus?

Die Terk Box v1.1 ist ein eigenständig gebauter Mini-ITX-PC im Stil einer Steam Machine. Herzstück ist eine Nvidia RTX 5060, die in einem speziell angefertigten, 3D-gedruckten Gehäuse untergebracht ist. Das System wird von einem 400-Watt-Flex-Netzteil versorgt, was laut dem Entwickler für die gewählte Konfiguration ausreicht, auch wenn die offizielle Empfehlung für die Grafikkarte höher liegt.

Der Reiz des Selberbauens in der Nische

Das Projekt von Jacob Terkelsen unterstreicht einen anhaltenden Trend in der PC-Enthusiasten-Szene: die Sehnsucht nach maximaler Leistung auf minimalem Raum. Während große Hersteller wie Valve mit der Steam Machine oder auch andere Anbieter mit vorgefertigten Mini-PCs oft Kompromisse eingehen müssen, zeigt die DIY-Community, dass leistungsstarke und dennoch kompakte Systeme durchaus realisierbar sind. Der Nachbau des Terk-Box-Konzepts ist jedoch kein Unterfangen für Anfänger. Neben dem Zugang zu einem 3D-Drucker sind fundierte Kenntnisse im Zusammenbau von PC-Hardware, im Kabelmanagement auf engstem Raum und in der thermischen Optimierung unerlässlich.

Letztlich bleibt die Terk Box v1.1 ein leuchtendes Beispiel für die Möglichkeiten, die sich bieten, wenn technisches Verständnis auf Engagement trifft. Sie demonstriert, dass die Idee einer leistungsstarken „Steam Machine“ nicht tot ist – sie schlummert lediglich in den Händen der Bastler, die bereit sind, die Grenzen des Machbaren selbst zu definieren. Ob ein solcher Eigenbau jemals den Massenmarkt erreichen kann, ist fraglich. Als Inspirationsquelle und Machbarkeitsstudie ist er jedoch ungleich wertvoller als so manches gescheiterte Industrieprodukt.

Diesen Artikel teilen