Der zweite Season Pass für „Fatal Fury: City of the Wolves“ ist abgeschlossen. Sechs Monate lang erschien monatlich ein neuer Kämpfer, darunter überraschende Gastauftritte und lang ersehnte Rückkehrer. Zeit für eine detaillierte Analyse der sechs DLC-Charaktere – und die Frage, ob SNK mit der zweiten Runde die hohen Erwartungen erfüllen konnte.
Kim Jae Hoon – ein solider, aber blasser Auftakt
Den Anfang machte Kim Jae Hoon, ein aus „Mark of the Wolves“ bekannter Taekwondo-Kämpfer. Seine Spezialität ist der bedrängende Nahkampf mit schnellen Trittkombinationen. Die Luftangriffe, bei denen er eine Serie von Tritten nach unten feuert, verschaffen ihm gute Deckung von oben. Dennoch wirkt Jae Hoon im Vergleich zu vielen anderen Mitgliedern des Rosters – etwa Terry oder Billy – blass. Ihm fehlen Fernkampfoptionen, was die Annäherung an gegnerische Zonen erschwert. Seine Moves wirken generisch. Für mich persönlich ist Jae Hoon der schwächste Charakter des Passes; ich sehe mich nicht oft zu ihm zurückkehren.
Nightmare Geese – spektakulär, aber ohne Arcade-Modus
Nightmare Geese war eine der am meisten erwarteten Figuren – schließlich tauchte er bereits in der Story des Hauptspiels auf. Seine Kombos richten verheerenden Schaden an, er beherrscht gute Fernkampfdeckung am Boden und in der Luft und besitzt solide Ausweichmanöver. Das größte Problem: Nightmare Geese hat keinen Arcade-Modus. SNK begründet dies mit der Story – Geese ist im Fatal-Fury-Universum tot –, doch während alle anderen DLC-Charaktere einen eigenen Arcade-Modus erhielten, fühlt sich diese Auslassung wie eine Lücke im Leistungsumfang an. Ein kleiner, aber spürbarer Wermutstropfen für einen ansonsten unterhaltsamen Kämpfer.
Blue Mary – der Star der ersten Hälfte
Blue Mary, eine Serie-Ikone, ist definitiv der beste Charakter der ersten drei DLCs. Sie brilliert am Boden mit einer Vielzahl von Optionen: starke Overhead-Angriffe, gute Distanzierungsmöglichkeiten und zahlreiche Kombos, die mit Grabs enden. Die Animationen, bei denen sie die Gelenke ihrer Gegner fast bricht, sorgen für Lacher. Marys größtes Manko ist – ähnlich wie bei Jae Hoon – die fehlende Reichweite ihrer Angriffe. Abgesehen von ihrem tiefen Sweep hat sie keine Fernkampfoptionen, was sie gegen Projektilschleudern wie Ken oder Terry benachteiligt. Dennoch macht sie deutlich mehr Spaß als ihre beiden Vorgänger.
Wolfgang Krauser und das große Jubiläumsupdate
Mit Wolfgang Krauser, dem vierten DLC, wurde zeitgleich ein umfangreiches Update zum ersten Jubiläum des Spiels veröffentlicht. Es überarbeitete nahezu das gesamte Spiel, fügte neue Modi hinzu (darunter Knockout Matches) und verpasste dem Titel einen frischen Anstrich. Krauser selbst ist ein mächtiger Charakter mit starken Kombos, guten Luft- und Fernkampfangriffen. Sein Command Grab ist jedoch sehr hoch angesetzt – es eignet sich fast nur für Kombo-Ketten, was im Vergleich zu Nightmare Geese weniger vielseitig ist.
Das Highlight des Updates war der neue Modus „Wolves‘ Destiny“, der die Geschichte nach dem Ende der Hauptkampagne erzählt, mit Fokus auf Krausers Rückkehr. Leider erfüllt der Modus die Erwartungen nicht ganz: Die Handlung wirkt inkohärent, die Technik hakt (Dialogboxen verschwinden nicht, Texte passen nicht zur Sprache), und jeder Chapter besteht aus etwa 15 Minuten Dialog, gefolgt von einem einzigen Kampf. Eine nette Idee, die jedoch halbgar umgesetzt wurde.
Mr. Karate – ein Crossover, der sich lohnt
Mr. Karate, entstammend der „Art of Fighting“-Serie, ist der erste Crossover-Charakter des Passes – und einer der gelungensten. Er vereint gute Bodendeckung mit starken Spezialangriffen, einem soliden Fernkampfmove und kraftvollen Kombos. Er erinnert an Terry, ist aber eigenständig genug, um frisch zu wirken. Sein Arcade-Modus endet zudem mit einem zufriedenstellenden Abschluss, der Hoffnung auf künftige DLCs macht. Die einzige Schwäche: seine Luftangriffe. Die Deckung in der Luft ist nicht gut, besonders im Vergleich zu Krauser. Das mindert die Vielseitigkeit leicht, trübt den Gesamteindruck aber kaum.
Kenshiro – der Anime-Gast mit Hokuto Shinken
Den Abschluss bildet Kenshiro aus „Fist of the North Star“ – der erste Anime-Crossover in einem SNK-Fighting Game. Seine Moves sind ikonisch: Hokuto Hundred Kick Rush, Celestial Destruction, Hokuto Fist of Penitence. Er besitzt zahlreiche Angriffsoptionen, gute Fernkampfreichweite und starke Luftkonter. Allerdings fehlt auch ihm ein echter Projektilschlag. Der Finger Snap of Emptiness ist schwer einzusetzen, wenn der Gegner mit Projektilsalven bombardiert. Kenshiro hat zwar einen Projektilkonters, der dies etwas abmildert, aber die Reichweite bleibt ein Manko. Dazu kommen schwache eigene Luftangriffe. Dennoch ist er ein charismatischer Abschluss, der mit einem neuen Episoden-Map („Episodes of South Town“) und einer eigenen kleinen Story gewürzt wird.
Was bleibt nach sechs Monaten DLC?
Der Season Pass 2 von „Fatal Fury: City of the Wolves“ ist ein rundum gelungenes Paket. Die sechs Monate lange Veröffentlichungsfrequenz sorgte für kontinuierliche Spannung, und die Charakterauswahl bietet eine schöne Mischung aus Rückkehrern, Bossen und Crossovern. Der Preis ist fair, der Umfang ordentlich. Dennoch bleiben einige Kritikpunkte: Manche Figuren (Kim Jae Hoon, Nightmare Geese) wirken, als hätten sie bereits im Basisspiel enthalten sein sollen. Die fehlende Reichweite mehrerer Kämpfer ist ein wiederkehrendes Problem. Und Nightmare Geese‘ fehlender Arcade-Modus ist ein echtes Ärgernis für alle, die den kompletten Umfang erwarten. Auch das Wolves‘ Destiny-Update fühlt sich an manchen Stellen unfertig an. Insgesamt aber überwiegen die positiven Eindrücke. SNK hat mit diesem Season Pass 2 eine packende zweite Runde abgeliefert, die Fans des Prügelspielgenres guten Gewissens empfehlen können.