Valve-Entwickler bringt DRM-Format-Modifier für alte AMD-GPUs in Linux 7.3

Valve-Entwickler Timur Kristóf integriert DRM-Format-Modifier für alte AMD-GPUs in den Linux-Kernel 7.3 und ebnet damit den Weg für moderne Wayland-Desktops.

Der Linux-Kernel 7.3 bringt DRM-Format-Modifier für GCN- und Polaris-GPUs, was die Kompatibilität mit Vulkan-Composern unter Wayland ermöglicht.
Highlights
  • Die DRM-Format-Modifier für GFX6 bis GFX8 ermöglichen moderne Vulkan-Composer unter Wayland auf älteren AMD-GPUs.
  • Die Integration ist das Ergebnis einer anderthalbjährigen Initiative von Valve-Entwickler Timur Kristóf, der die AMDGPU-Treiber-Migration vorantrieb.
  • Der Pull-Request enthält über 16.000 Zeilen Änderungen, darunter Stabilitätsverbesserungen und die Apple Studio Display Kompatibilität.

Die nächste Iteration des Linux-Kernels, Version 7.3, hält ein bedeutendes Upgrade für Besitzer älterer AMD-Grafikkarten bereit. Valve-Entwickler Timur Kristóf hat einen DRM-Format-Modifier für eine ganze Reihe alter GPU-Generationen implementiert, der die Integration mit modernen Vulkan-basierten Composern unter Wayland ermöglicht. Damit wird eine der letzten großen Hürden für den Betrieb dieser Hardware unter dem aktuellen Linux-Desktop genommen.

Ein Sprung von der Radeon HD 7000 Serie bis Polaris

Der von Kristóf entwickelte Code, der pünktlich zum Schließen des Merge-Windows für Linux 7.3 von AMD-Entwickler Alex Deucher eingereicht wurde, zielt auf die Grafikkerne GFX6 bis GFX8 ab. Dieses Spektrum umfasst die Radeon HD 7000 Serie (GCN 1.0) aus dem Jahr 2012 und reicht über die folgenden GCN-Generationen bis hin zu den Polaris- und Fiji-Chips, die noch heute in vielen Systemen im Einsatz sind. Herzstück der Neuerung ist die Einführung von DRM-Format-Modifiern.

Diese Modifier sind eine spezielle Schnittstelle, die dem Kernel erlaubt, der Anwendungssoftware exakt mitzuteilen, wie Grafikspeicher angeordnet ist – Stichworte sind hier Tiling-Verfahren oder Kompressionsformate. Ohne diese Information können moderne, rein auf Vulkan basierende Display-Composer (die Programme, die für die Darstellung der Benutzeroberfläche auf Wayland verantwortlich sind) nicht korrekt arbeiten. Ebenso ist die Unterstützung für Zink blockiert, einer Software, die OpenGL-Befehle in Vulkan übersetzt. Während diese Funktion für die GFX9-Generation und neuer bereits Standard war, blieben die älteren Chips bisher außen vor.

Ein versprochener Schritt auf einer langen Roadmap

Die nun vollzogene Integration ist kein plötzlicher Einfall, sondern das Ergebnis einer konzertierten, anderthalbjährigen Initiative des Valve-Entwicklers. Kristóf hatte bereits maßgeblich daran gearbeitet, die alten GCN 1.0- und 1.1-GPUs vom betagten „Radeon“-Kernel-Treiber auf den modernen „AMDGPU“-Treiber zu migrieren. Dieser Wechsel wurde im Februar 2026 mit Linux 6.19 zum Standard und bescherte den betroffenen Karten eine Leistungssteigerung von bis zu 30 Prozent in OpenGL sowie erstmals eine vollständige Vulkan-Kompatibilität.

In einem Blogbeitrag vom Dezember 2025 hatte Kristóf eine klare To-Do-Liste für die Zukunft veröffentlicht. Der allererste Punkt auf dieser Liste war genau die nun implementierte Unterstützung der DRM-Format-Modifier für die SI/CIK/VI und Polaris-Generationen. In dem Beitrag bezeichnete er diese Aufgabe als „großen Schritt nach vorne für das Vulkan-Ökosystem“. Von der Veröffentlichung der Patches im Mai 2026 bis zur finalen Aufnahme in den Kernel-Pull-Request im Juli sind nur etwa sechs Monate vergangen – ein Indiz für die zügige und fokussierte Arbeit des Teams.

Weitere tiefgreifende Änderungen im Pull-Request

Der Pull-Request von Alex Deucher ist mit über 16.000 hinzugefügten und fast 3.600 gelöschten Zeilen in rund 290 Dateien jedoch weit mehr als nur eine einzelne Funktion. Er bringt eine Reihe von Stabilitäts- und Sicherheitsverbesserungen für den gesamten AMDGPU-Treiber mit sich. Drei Punkte stechen dabei besonders hervor:

Behebung der Kompatibilität mit dem Apple Studio Display

Das Apple Studio Display, ein 5K-Monitor, verwendet eine spezielle Architektur (Tiling), bei der das Bild über zwei DisplayPort SST (Single-Stream Transport) Verbindungen übertragen wird. Bisher gab es ein Problem, dass der AMDGPU-Treiber den zweiten Datenlink fälschlicherweise als eigenständigen Monitor erkannte und an die Benutzeroberfläche weitergab. Der Fehler führte zu einer fehlerhaften Bildschirmkonfiguration. Die neue Patcheserie behebt dies, indem sie den zweiten Link ausblendet und die volle Auflösung von 5120×2880 wieder korrekt über eine einzige Schnittstelle ansteuert.

Säuberung von risikobehafteten Kernel-Fehlern

Ein weiteres wichtiges Thema ist die systematische Entfernung von BUG()codecodecodecodecode-Makros aus dem AMDGPU-Treiber. Diese Makros lösen im Kernel bei einem schwerwiegenden Fehler einen sofortigen Systemstillstand aus (Kernel Panic). Deucher selbst hat in 18 Patches diese Aufrufe in weiten Teilen des Treibers – von GFX6 bis hin zu den neuesten GFX12.1 Kernen sowie in den Subsystemen IMU, MES und PSP – durch WARN()codecodecodecodecode-Meldungen oder normale Fehlerrückgaben ersetzt. Der Grund: Ein Systemabsturz ist oft unverhältnismäßig für einen Fehler, der sich abfangen ließe, und stellt zudem ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar, da Angreifer so einen Denial-of-Service-Zustand herbeiführen könnten.

Stabilitätsverbesserungen für APUs und ältere Notebooks

Darüber hinaus enthält der Patch eine Reihe von Korrekturen für spezifische Problemfälle. Dazu gehören eine Begrenzung des GTT-Speichers auf die Größe des physischen RAMs bei APUs, um Überläufe zu verhindern, und ein Resets des ASICs beim Aufwachen aus dem Schlafmodus für das MacBookPro15,1 (Baujahr 2018). Hinzu kommen Updates für den DCN 4.2 Display-Core, neue Tests für die KUnit-Testinfrastruktur und verschiedene Verbesserungen der Fehlererkennung im amdkfd-Treiber für Rechenaufgaben.

Was bleibt von der To-Do-Liste übrig?

Mit der Integration der DRM-Format-Modifier für Vulkan-Composer und Zink ist ein zentrales Meisterstück der Roadmap vollendet. Dennoch gibt es auf Kristófs Liste noch unerledigte Punkte. Dazu zählen die Unterstützung für die TRAVIS- und NUTMEG-Display-Brücken, die nötig ist, um auch die CIK-APUs (Kaveri, Carrizo) vollständig auf den modernen AMDGPU-Treiber umzustellen. Zudem steht ein letzter Schritt auf dem Programm: das Säubern und letztendliche Entfernen der veralteten Stromverwaltungslogik aus dem Treiber. Der Linux-Kernel 7.3, der für den Herbst 2026 erwartet wird, wird also einer der wichtigsten Releases für alle Nutzer sein, die ihre alte, aber keinesfalls tote AMD-Hardware noch mit den neuesten Desktop-Features betreiben wollen.

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