KI drückt Gehälter: Berufseinsteigern drohen Lohnkürzungen

KI verändert den Arbeitsmarkt: Laut Ifo-Umfrage drohen Berufseinsteigern sinkende Löhne in den nächsten Jahren.

Ifo-Umfrage: Rund die Hälfte der Unternehmen erwartet sinkende Löhne für Berufseinsteiger durch KI.
Highlights
  • Laut Ifo-Umfrage erwarten rund 50 Prozent der Unternehmen sinkende Löhne für Berufseinsteiger mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung.
  • Die ILO warnt, dass KI den Berufseinstieg erschwert und traditionelle Einstiegsjobs unter Druck geraten.
  • Erfahrene Akademiker haben die besten Chancen, von KI-Produktivitätsgewinnen zu profitieren, während Berufseinsteiger ohne Abschluss starke Lohnkürzungen befürchten müssen.

Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt in Deutschland grundlegend – und das nicht nur aufgabenbezogen, sondern auch bei den Gehältern. Aktuelle Erhebungen des Ifo-Instituts zeigen, dass eine Mehrheit der Unternehmen, die KI einsetzen, in den kommenden fünf Jahren mit sinkenden Löhnen rechnet. Gleichzeitig warnt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) davor, dass KI den Berufseinstieg für junge Menschen zunehmend erschwert und traditionelle Einstiegsjobs unter Druck geraten.

Ifo-Umfrage: Sinkende Löhne für Berufseinsteiger erwartet

Das Ifo-Institut befragte mehr als 3.000 Unternehmen in Deutschland, die Künstliche Intelligenz nutzen, zu den erwarteten Lohnentwicklungen bis 2029. Das Ergebnis ist eindeutig: „Deutlich mehr Unternehmen erwarten negative Effekte auf die Löhne als positive“, fasst Ifo-Forscherin Anna Ruffert zusammen. Besonders hart trifft es Arbeitnehmer mit weniger als fünf Jahren Berufserfahrung. Rund die Hälfte der Betriebe prognostiziert für diese Gruppe sinkende Gehälter. Ein Lohnanstieg wird dagegen nur von einer Minderheit erwartet.

Die Unterschiede nach Qualifikation sind markant. Bei Berufseinsteigern ohne Hochschul- oder Fachhochschulabschluss rechnen 48,3 Prozent der Unternehmen mit fallenden Löhnen, lediglich 5,9 Prozent mit steigenden. Bei Berufseinsteigern mit Hochschulabschluss sind es sogar 50,8 Prozent der Betriebe, die sinkende Löhne erwarten – allerdings auch 16,3 Prozent, die einen Anstieg sehen. Das zeigt: Der start in das Berufsleben wird unter dem Einfluss von KI für alle Ausbildungsstufen schwieriger, aber Akademiker haben zumindest in Teilen noch bessere Perspektiven.

Auch erfahrene Arbeitnehmer bleiben nicht verschont

Die Lohnauswirkungen beschränken sich nicht auf Berufsanfänger. Auch für Arbeitnehmer mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung überwiegen die Negativerwartungen. Ohne Hochschulabschluss prognostizieren 40,4 Prozent der Unternehmen sinkende Löhne, nur 9,7 Prozent steigende. Mit Hochschulabschluss ist das Bild etwas günstiger: Zwar erwarten noch 37,5 Prozent sinkende Löhne, aber immerhin 26 Prozent gehen von einem Anstieg aus. Erfahrene Akademiker haben damit die relativ besten Chancen, von KI-bedingten Produktivitätsgewinnen zu profitieren.

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch zwischen den Branchen. Im Dienstleistungssektor erwarten 53,3 Prozent der Unternehmen sinkende Löhne für Berufseinsteiger ohne Hochschulabschluss, im Handel sind es 47,9 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe 46,5 Prozent. Die geringsten Auswirkungen verzeichnet die Baubranche: Dort rechnen nur 39 Prozent mit fallenden Löhnen für Berufsanfänger ohne Abschluss und 31,3 Prozent für erfahrene Kräfte. Das unterstreicht, dass KI vor allem in wissens- und bürointensiven Bereichen Lohnsenkungen begünstigt, während handwerkliche und physische Tätigkeiten weniger betroffen sind.

Berufseinstieg wird durch KI grundlegend erschwert

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hebt in einer globalen Analyse hervor, dass KI nicht nur die Gehälter drückt, sondern auch den Zugang zum Arbeitsmarkt selbst verändert. Besonders betroffen sind kaufmännische und administrative Tätigkeiten, Jobs im Verkauf, im Dienstleistungsbereich sowie in der Produktion und in technischen Berufen – genau die Positionen, über die viele junge Menschen traditionell ihren Berufseinstieg finden. Die ILO stellt fest, dass einige dieser Arbeitsplätze zwar erhalten bleiben, aber völlig neue Anforderungen stellen: Digitale Grundkenntnisse, die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu kontrollieren, und ein sicheres Urteilsvermögen darüber, wann menschliche Entscheidungen nötig sind, werden zentral.

Gleichzeitig wächst die Nachfrage in wissensintensiven technischen Feldern weiter – etwa in den Naturwissenschaften, im Ingenieurwesen, im Gesundheitswesen und in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Diese Diskrepanz zwischen schrumpfenden Einstiegsjobs und wachsenden Expertenrollen vertieft die Kluft am Arbeitsmarkt. Die ILO fordert daher verstärkte Investitionen in gute Bildung, berufliche Ausbildung, lebenslanges Lernen und ausreichende Ausbildungsplätze. Ohne gezielte Maßnahmen droht eine ganze Generation von Berufseinsteigern in Niedriglohnsegmente gedrängt zu werden, während gleichzeitig Fachkräftelücken in anspruchsvollen Positionen unbesetzt bleiben.

Die Entwicklung zeigt: KI wirkt nicht als neutrales Werkzeug, sondern verstärkt bestehende Ungleichheiten nach Erfahrung, Qualifikation und Branche. Für Berufsanfänger verschlechtert sich die Ausgangsposition spürbar, während erfahrene Spezialisten mit Hochschulabschluss zumindest die Chance haben, von Automatisierungsgewinnen zu partizipieren. Die nächsten fünf Jahre werden entscheiden, ob Unternehmen und Politik gegenzusteuern können – etwa durch Umschulungsprogramme und eine Anpassung der Ausbildung an die neuen Anforderungen der KI-Ära.

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