Nach dem erbarmungslos schwierigen Meisterwerk Returnal steht die Spielewelt nun vor einer großen Frage: Hat Entwickler Housemarque mit seinem Nachfolger Saros den einzigartigen Zauber seiner düsteren Sci-Fi-Reise bewahrt oder sich den Wünschen nach mehr Zugänglichkeit gebeugt? Die ersten Urteile der internationalen Kritik sind gesprochen und zeichnen das Bild eines überragenden, aber auch polarisierenden Spiels, das mit einem Metascore von 88 sogar seinen gefeierten Vorgänger auf der Metacritic-Skala knapp übertrumpft. Dieser Erfolg beendet zudem Capcoms bislang unantastbare Lauf der Top-Bewertungen in 2026.
Ein würdiger Nachfolger mit optimiertem Kern
Die überwältigende Mehrheit der Kritiker sieht in Saros eine gelungene, wenn nicht gar verbesserte Weiterentwicklung des Returnal-Formats. Für Richard Wakeling von GameSpot ist es eine allumfassende Verbesserung, die jedes Problem seines Vorgängers adressiert. Er lobt die überraschend anpassungsfähige Struktur und den deutlich tieferen und belohnenderen Kampf. Dieser Tenor findet sich auch bei Jordan Middler von VGC wieder, der betont, dass Housemarque die richtigen Lektionen aus dem Feedback zu Returnal gezogen habe. Zwar sei Saros für die Hardcore-Anhänger des Vorgängers vielleicht ein etwas entspannterer Ausflug, doch biete es eine unglaublich dichte, polierte Erfahrung, die die Stärken des Studios verdreifacht.
Besonders bemerkenswert ist der Erfolg angesichts der Gefahr eines zu großen Kompromisses. Kenneth Shepard von Kotaku hebt hervor, dass das Studio seinen charakteristischen, symbolträchtigen und knallharten Stil bewahrt habe. In einem PlayStation-Ökosystem, das von Sony zunehmend homogenisiert werde, sei es eine Leistung, diese eigenständige Identität im Katalog zu behalten – fast so herausfordernd wie das Spiel selbst. Diese Bewertung unterstreicht, dass Saros keineswegs ein „leichtgemachter“ Nachfolger ist, sondern weiterhin ein forderndes und komplexes Erlebnis bietet.
Spektakel trifft auf abstrakte Erzählung
Ein wiederkehrendes Loblied in den Reviews gilt der audiovisuellen Kraft des Spiels. Lewis Gordon von The Verge beschreibt es als ein euphorisches, fast hypnotisches Erlebnis, bei dem der Protagonist Arjun Devraj weniger als Person, sondern vielmehr als ein katalytisches Energiebündel wahrgenommen wird, das eine Welt in spektakuläre Kettenreaktionen von Schönheit und Brutalität versetzt. Dieser Fokus auf das psychedelische Gameplay-Spektakel geht jedoch, wie einige Kritiker anmerken, teilweise auf Kosten einer greifbaren Erzählung.
Dort setzt auch die wichtigste Gegenstimme der Kritik an. Michael Higham von IGN sieht in der ambitionierteren, aber auch abstrakteren Story einen Schwachpunkt und moniert, dass die roguelite-Struktur nicht immer zugunsten eines starken Fortschrittsgefühls ausbalanciert sei. Die mächtigeren Themen könnten dadurch manchmal hohl klingen. Auch Giovanni Colantonio von Polygon kritisiert, dass die Möglichkeit, sich durch einfache Einstellungen zur übermächtigen Figur zu machen, den zyklischen Kern von Tod und Wiedergeburt beschädige. Das Gefühl, durch Scheitern zu lernen und sich gemeinsam mit dem Protagonisten weiterzuentwickeln, gehe dabei verloren.
Was das für Spieler bedeutet
Für Fans von Returnal bedeutet die positive Resonanz, dass sie sich auf ein technisch brillantes und mechanisch vertieftes Spielerlebnis freuen können, das den unverwechselbaren Housemarque-Stil fortsetzt. Die erhöhte Zugänglichkeit dürfte zudem eine größere Spielerbasis ansprechen, ohne die kernige Herausforderung komplett zu opfern. Die Debatte um Erzählung und Balance zeigt jedoch, dass das Spiel nicht einfach nur ein „Returnal 2.0″ ist, sondern einen etwas anderen Schwerpunkt setzt.
Die kontroverse Diskussion um den Schwierigkeitsgrad und die Progression befeuert eine essentielle Frage im modernen Game-Design: Wie kann man ein hartes, lohnendes Kern-Erlebnis bewahren, ohne Spieler auszuschließen? Saros scheint hier einen Mittelweg gefunden zu haben, der für die meisten funktioniert, für Puristen des Vorgängers aber möglicherweise zu viele Zugeständnisse macht. Letztlich ist es Housemarque gelungen, mit einer Meta-Bewertung von 88 nicht nur an den Erfolg von Returnal anzuknüpfen, sondern ihn sogar noch zu übertreffen – ein klares Zeichen, dass das Studio trotz der massiven Erwartungen seinen eigenen Weg erfolgreich weitergegangen ist.